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Hintergrund: Reise durch die Wüste (Niger)

Landesnatur und Klima

Das Land erstreckt sich vom Mittellauf des Niger über die Sahelzone bis weit in die Sahara. Den größten Teil bilden weite Ebenen (200 - 250 m über NN). Im Zentrum erhebt sich das Aïr-Gebirge (Bagzane 2 022 m), im Nordosten leitet u. a. das 'Plateau du Djado'; zum Tibesti-Gebirge über. An die Ténéré-Sandwüsten im Osten schließen sich die Wüstengebiete des 'Grand Erg de Bilma'; an, im Südosten bildet der Tschadsee die Grenze. Die vom Aïr-Gebirge kommenden Flüsse liefern den Oasen Wasser, verlieren sich aber in der Wüste. Der Norden ist geprägt von Sand- und Steinwüste, der Süden von Trockensavanne, die nach Norden in Dornstrauchsavanne und Halbwüste übergeht. Infolge langer Dürreperioden ist die Wüste (ca. 60% der Landesfläche) deutlich nach Süden vorgerückt. Das trocken-heiße Land mit einer Durchschnittstemperatur von 28-30°C wird in drei Klimazonen aufgeteilt: Der Süden mit über 500 mm Regen im Jahr, die sehr trockene Sahelzone und die extrem trockene Saharazone. Regenzeit ist von Juni bis September, Hitzemonate sind Oktober und November mit Höchstwerten von 46°C. Der durchschnittliche Jahresniederschlag in Niamey sank zwischen 1971-1994 von 650 mm auf 500 mm.

Strukturdaten des Landes

  • Fläche: 1 267 000 km²
  • Einwohner 2010: 15,8 Millionen; 12 je km²
    -- Städtische Bevölkerung 2007: 16%
  • Hauptstadt: Niamey
  • Sprachen: Haussa; Songhai-Djerma; Französisch (Amtssprache); Fulbe; Tamasheq (Tuareg); Kanuri u.a.
  • Religionen: 95% Muslime; 10-15% Anhänger von Naturreligionen; christliche Minderheit

Quelle: Fischer Weltalmanach 2010

Die Sahara

Die Sahara übertrifft sowohl mit ihrer Größe (ca. 8,6 Millionen qkm) als auch durch ihre Aridität alle anderen Wüsten der Erde. Die enorme Trockenheit ist das Ergebnis äußerst geringer Niederschläge, sehr hoher Temperaturen und einer großen Verdunstungskraft. Von Port Sudan am Roten Meer reicht die Sahara über 5500 km bis nach Nouadhibou am Atlantischen Ozean. Die längste Nord-Süd-Ausdehnung verläuft von Biskra in Algerien bis nach Agadez in Niger, eine Strecke von knapp 2000 km. Die Höhe der Sahara variiert zwischen 137 m unter NN bei der Kattarasenke im Nordwesten Ägyptens und mehr als 3000 m über dem Meeresspiegel im Ahaggar-Gebirge Algeriens und den Tibesti-Bergen des Tschad. Die Sahara ist allerdings keine "Bilderbuchwüste". Nur 20-22% ihrer Fläche sind von Sand bedeckt. 68% bestehen aus Wüstenpflastern und Geröllebenen, etwa 10% sind Felsengebirge und Hügel.

  • Mutter von Djibrilla Mutter und Vater von Djibrilla. Sein Vater trägt als Schutz vor dem Wüstenstaub den sogenannten Shesh.
  • Vater von Djibrilla

Nomaden in der Sahara

Das Nomadenvolk der Tuareg gehört ethnisch zu den Berbern, ein Teil hat sich mit Arabern und Negriden gemischt. Gesprochen wird 'Tamahak'; (im Süden Tamashek genannt), eine Berbersprache. Der Lebensraum der Tuareg reicht von der ariden Klimazone der Zentralsahara bis in den südlichen Sahel mit regelmäßigen Regen- und Trockenzeiten. Die traditionelle Gesellschaftsform der Tuareg ist geschichtet, allerdings hat die Zugehörigkeit zu einem Stand nicht mehr dieselbe Bedeutung wie früher. An der Spitze der Rangordnung stehen die Adligen (Imuhar im Norden, Imajeren im Süden). Den größten Teil der Tuareg bilden Vasallen (Imrad oder Kel Ulli) und schließlich stehen an unterster Stelle die Sklaven (Iklan), Negride aus den Sudanländern. Alle Tuareg bezeichnen sich als Muslime. Familien wohnen in Lagern zusammen; benachbarte Lager schließen sich zu einem Lagerverband zusammen. Die Kamele werden gemeinsam betreut, Handelskarawanen zusammen unternommen. Alle Arbeiten, die mit Kamelen zu tun haben, fallen den Männern zu, die Betreuung von Kleinvieh obliegt den Frauen, die außerdem den Haushalt erledigen. An den Handelskarawanen nehmen nur Männer Teil, Frauen bleiben oft monatelang mit Kindern und Herden zurück. Die wirtschaftliche Existenz der Tuareg beruht auf ihren Herden und ihrer Mobilität. Sie ermöglicht ihnen, Regengebieten zu folgen und Dürrezonen zu meiden. Waren und Vieh können auf die Märkte transportiert werden, die den größten Gewinn versprechen. Kamele dienen als Transportmittel und als Milchlieferanten, von entscheidender Bedeutung sind aber auch Ziegen und Schafe. Außerdem unterhalten die Tuareg enge Beziehungen zu sesshaften Bauern, die ihnen Getreide liefern, ihr wichtigstes Nahrungsmittel. Für viele der etwa 300000 Tuareg lohnt sich der Nomadismus mittlerweile nicht mehr, sie sind sesshaft geworden. Einige betreiben Ackerbau, andere ziehen in die Städte. Die Regierung forciert die Niederlassung der Nomaden, da sie auf diese Weise Steuern kassieren kann und die Verwaltung erleichtert wird. Wissenschaftler kritisieren dieses Vorgehen, da die Tuareg seit über einem Jahrtausend die unwirtliche Region der Sahara zu nutzen verstehen.