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Fast vier Fünftel von Kenia sind von heiß-trockenem Klima beherrscht, das keinen Regenfeldbau erlaubt. Das Landschaftsbild prägen Savannen, die von Hirtenvölkern weidewirtschaftlich genutzt werden. Die geringe Tragfähigkeit bedingt in den Trockengebieten eine sehr geringe Bevölkerungsdichte (6-10 E./qkm). Nur wenige Allwetterstraßen durchqueren dieses bevölkerungsarme Land. Daher finden die Nomaden bis heute nur schwer Zugang zur Marktwirtschaft und leben fast ausschließlich von der Subsistenzproduktion (Hecklau, S. 20-21). Heute gilt für die kenianischen Trockengebiete dasselbe wie für andere afrikanische Trocken- und Dornstrauchsavannen: Die Fehl- bzw. Übernutzung führt zur Desertifikation. Diese wiederum gefährdet in starkem Maße den Lebensraum der Hirtenvölker. Auf diese Entwicklung geht der Film nicht ein. Lediglich Nkoidilas Aussagen über die Wasserverschmutzung könnten einen Hinweis darauf geben. Zu viele Tiere an Wasserstellen führen zu Verunreinigung des Wassers mit Krankheitserregern.
Quelle: Fischer Weltalmanach 2010
Kenia ist ein multi-ethnisches Staatsgebilde. Nkoidila gehört zu den Massai, einem in NO-Tansania und Südkenia verbreiteten nomadischen Viehhirtenstamm, der bis Ende des 19. Jahrhunderts als Hirtenkriegervolk lebte. Nkoidilas Familie lebt in der Massai Mara, einem Wildreservat an der Grenze zu Tansania (Hecklau 1993, S. 143). Zahlreiche Wildreservate und Nationalparks wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingerichtet. Die schnell wachsende Bevölkerung, steigende Landnot und die fortwährende Verkürzung von Brachzeiten hatten hierzu veranlasst, da man die Vielfalt der Flora und Fauna gefährdet sah. Politisch konnte dies durchgesetzt werden, da man der Bevölkerung ein gutes Einkommen aus der neuen Nutzung versprach. In den wildreichen Gebieten sollte der Tourismus viel Geld einbringen. Obwohl die Regierung den betroffenen Hirtengruppen als Anreiz die Überlassung von Eintrittsgeldern anbietet, zeichnen sich vielfältige Probleme ab. So fließt nicht nur ein großer Teil der Einnahmen in Kassen, die außerhalb der Schutzgebiete liegen, auch die Beeinflussung der Massai-Kultur und der teilweise entwürdigende Missbrauch der Einheimischen für Fotografien werden als Schattenseiten des Tourismus angesehen (Hecklau 1993, S. 34ff und Meyer 1993). Der Tourismus in Kenia wurde zu einem bedeutenden, aber umstrittenen Wirtschaftsfaktor.
Nicht nur der Tourismus bedroht die Massaikultur, auch der Einfluss von Schule und Kirche richtet sich gegen die Traditionen. Erste Schulen wurden in Kenia als Missionsschulen vor etwa 100 Jahren gegründet. Das Schulwesen war zunächst auch in den Bildungsinhalten stark von den britischen Kolonialherren beeinflusst. Heute gehört das Bildungswesen zu einem Zweig, der auch vom autonomen kenianischen Staat stark gefördert wird. Allerdings kommt die Förderung am stärksten den Stadt- und Bauernkindern von infrastrukturell besser erschlossenen Gegenden zugute. Nomadenkinder, die meist Internatsschulen besuchen, werden ihrem traditionellen Lebensrhythmus entrissen und damit stark von den Eltern und Stammessitten entfremdet (Hecklau S. 83ff). Eine weitere Entfremdungsursache ist die Missionierung durch die christlichen Kirchen. Besonders nach dem zweiten Weltkrieg breitete sich das Christentum auf Kosten der traditionellen Glaubensvorstellungen aus. Kritisiert wird hieran, dass traditionelle Strukturen zerstört werden, ohne dass danach gefragt wird, ob die neuen Strukturen für die betroffenen Menschen geeignet sind (Hecklau 1993, S. 82/83).
© Text: Silke Harrer
