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Hintergrund: Der Ruf der Ahnen (Swasiland)

Lage und Klima

Swasiland ist ein kleiner Binnenstaat auf der Ostseite des südlichen Afrika. Es erstreckt sich vom südafrikanischen Binnenhochland im Westen (höchster Punkt 1862 m NN) bis zum Tiefland im Osten (tiefster Punkt 21 m NN) und umfasst verschiedene klimatische Höhenstufen, die vom subtropischen, gemäßigten Hochlandklima bis zum randtropischen, sommerheißen und wintermilden Tieflandklima reichen.

Wirtschaft

Seine Wirtschaft basiert auf Ackerbau, Viehzucht und Bergbau (vor allem Asbest, Eisenerz, Kohle). Auf einem Großteil des Ackerlandes wird Subsistenzwirtschaft betrieben. Hauptprodukte sind Mais und Hirse. Der König ist Eigentümer dieses Landes und vergibt durch seine Unterhäuptlinge das langjährige Nutzungsrecht an einzelne Swasibauern. In der Viehwirtschaft dominiert die extensive Fleischrindzucht.

Strukturdaten des Landes

  • Fläche: 17 363 km²
  • Einwohner 2010: 1,2 Millionen; 69 je km²
    -- Städtische Bevölkerung 2007: 25%
  • Hauptstadt: Mbabane; Regierungssitz: Lobamba
  • Sprachen: Siswati (IsiZulu - Amtssprache); Sprachen der Minderheiten; Englisch
  • Religionen: 60% Anhänger unabhängiger Kirchen (z.B. Zion Church); 15% Protestanten; 5% Katholiken; 1% Anglikaner; 20% Anhänger indigener Religionen

Quelle: Fischer Weltalmanach 2010

Politik

Swasiland gehört mit Marokko und Lesotho zu den letzten drei Monarchien Afrikas. Es ist das Territorium der Swasi-Ethnie, die sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts gegen die vorrückenden Buren unter den Schutz der Britischen Krone stellte (siehe Hintergrundinformationen zu Südafrika - Der Junge der vom Fliegen träumt). Bis 1968 war es britisches Protektoratsgebiet und wurde dann in die Unabhängigkeit entlassen. Seither ist es eine Monarchie, über die 1973 der Ausnahmezustand verhängt wurde. Es wuchs die Opposition gegen den König und die traditionellen Autoritäten an. Bis heute sind diese innenpolitischen Spannungen ungelöst (Wiese 1999).

  • Simangeles Geschwister Simangele wächst in einer Großfamilie auf. Mit ihrem Vater, 14 Müttern und 73 Geschwistern.
  • Christusbild Simangele bezeichnet ihre Familie als eine christliche Familie. Ein Christusbild hängt an der Wand.

Sozialsystem/Religion/Schulsystem

Ein Großteil der ländlichen Bevölkerung lebt sehr traditionell. Hervorzuheben ist das Zusammenleben in Großfamilien, zu denen ein Mann und mehrere Frauen gehören. Es liegt also ein polygames System vor, das im „voreuropäischen“ Schwarzafrika weit verbreitet war und immer mehr schwindet. Für den Rückgang können zwei Ursachen genannt werden: Zum einen führte die Ausbreitung des Christentums und der europäischen Rechtsprechung im Bereich des Familienlebens zu Konflikten zwischen den Anhängern von Polygamie und Monogamie (Manshard 1981, S. 142). Zum anderen ist das Weichen der Polygamie auf einen Wandel der ökonomischen Verhältnisse zurückzuführen. Heute können sich nur noch reiche Männer eine große Anzahl von Frauen leisten.

Verbreitet sind in Swasiland - wie in ganz Schwarzafrika - verschiedene Formen ursprünglicher Naturreligionen. Hierzu gehört der Ahnenkult und der große Einfluss von Medizinmännern (Manshard 1981, S. 97 und 144). Die Heilung von Krankheiten wird häufig mit Zauberei erklärt und die Behandlung beruht auf Hypnose. Während die Polygamie zurückgeht, ist die Bedeutung der Naturreligionen ungebrochen. Auffallend ist der für uns ungewöhnliche Umgang mit Religion. Häufig liegt - wie auch im Beispiel von Simangele - eine Parallelzugehörigkeit zu einer Naturreligion und zum Christentum vor. Charakteristisch für die traditionelle Erziehung in Swasiland - wie auch in anderen ländlichen Gebieten Schwarzafrikas - ist eine starke Geschlechtsspezifität. Bis die Kinder sechs Jahre alt sind, werden sie zusammen erzogen, dann werden sie getrennt. Die Jungen werden vom Vater und von älteren Jungen auf ihre Rolle als Mann vorbereitet. Sie lernen, das Vieh zu hüten und stark zu sein. Mädchen dagegen werden an die häuslichen Pflichten einer Frau herangeführt. Hierzu gehörten das Kochen, Wasser holen und auf die Kinder aufpassen (Booth 1997).