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Noch vor zehn Jahren waren alle Reichtümer des Landes den Weißen vorbehalten. Südafrika war ein geteiltes Land. ...
... Die Schwarzen mussten in eigenen Vierteln am Rand der Städte leben, oft weit entfernt von ihren Arbeitsplätzen.
früher undenkbar: Schwarze und Weiße nebeneinander
Will man die Apartheid verstehen, so muss man bis ins Jahr 1652 zurückgehen. In diesem Jahr betraten an der Stelle, wo heute Kapstadt liegt, die ersten Weißen die Südspitze Afrikas. Es handelte sich um Mitglieder der holländischen Handelsgesellschaft Ostindien-Kompanie, die hier eine Versorgungsstation für die Handelsschiffe errichten wollten. Bald wurden für die Lebensmittelerzeugung die ersten Siedler aus Holland und Deutschland ans Kap geholt, die sog. Buren (Bauern).
Die Nachfahren dieser Buren sollten später die Alleinherrschaft Südafrikas übernehmen (Michler S. 239, Wiese S. 317). Zunächst eroberten sie gewaltsam das Land im Kampf mit den ansässigen Bevölkerungsgruppen. Gegen 1800 hatten sich die Buren in einem Umkreis von etwa 800 km um Kapstadt ausgebreitet.
Im 19. Jahrhundert übernahmen die Briten die Herrschaft über die Kapkolonie. Sie wollten wenig später die Sklaverei verbieten, was die Buren dazu brachte, mit England zu brechen. Sie, die sich inzwischen als Afrikaaner bezeichneten, beschlossen, in das Innere „ihrer Heimat“ vorzudringen. Der "Große Treck" setzte sich in zahlreichen Schlachten mit Kanonen und Kugelhagel gegen die zwar zahlenmäßig überlegenen, aber nur mit Speeren bewaffneten Schwarzen durch. Ihre Rechtfertigung hierfür und für die Apartheid fanden die Buren im Glauben. Als calvinistische Protestanten interpretierten sie das Alte Testament. Die Schwarzen waren für sie Nachfahren des von Noah verstoßenen Sohnes, die den anderen dienen müssen (Michler S. 240).
Auch gegen die Briten führten die Buren einen langjährigen Kampf, den sie 1948 gewannen. Die NP, die burische Nationalpartei, übernahm die Macht in Südafrika. In der Folgezeit wurde das Apartheid-System in Südafrika perfektioniert. Getrennte Wohngebiete, getrennte Schulen, getrennte Busse - all dies wurde Gesetz. Das Territorium von ganz Südafrika wurde in verschiedene Regionen unterteilt: 86,3 % der Landesfläche wurden "weißes Gebiet", während den Schwarzen (75 % der Bevölkerung!) 13,7 % der Landesfläche zugewiesen wurde. Dieser Flächenanteil war auf Reservate aufgeteilt, die sog. Homelands. Schwarze, die in weißen Industriezentren lebten, wurden in eigenen Substädten untergebracht, den sog. Townships.
Von Anfang an wehrten sich die Schwarzen gegen die Weißen. Sie gründeten den ANC (African National Congress) als ihre Widerstandsvereinigung. 1962 wurde der ANC-Führer Nelson Mandela zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Widerstand der Schwarzen wurde immer massiver, bis 1990 das Apartheid-System gebrochen werden konnte. Nelson Mandela kam aus der Haft frei, und 1991 wurden die letzten Apartheid-Gesetze aufgehoben. Im April 1994 fanden die ersten demokratischen Parlamentswahlen statt und Mandela wurde neuer Staatspräsident von Südafrika. Seither befindet sich die südafrikanische Gesellschaft in einem Wandel hin zum gleichberechtigten Nebeneinander von Schwarz und Weiß.
Quelle: Fischer Weltalmanach 2010
© Text: Silke Harrer
