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Die Kinder der Villa Emma

Kapitelübersicht:

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Nonantola in Norditalien

00:00 – 02:13

Frauen berichten, wie wohl sie sich in der "Villa Emma" gefühlt haben. Sie gehörten zu den 73 jüdischen Kindern, die von den Bewohnern des kleinen norditalienischen Dorfes Nonantola vor den Nationalsozialisten versteckt wurden. Solidarität und gemeinschaftliches Handeln hat hier Tradition - die Gegend war früher oft von Überschwemmungen bedroht. Am Ortsrand steht die prunkvolle "Villa Emma", die zum Zufluchtsort für die jüdischen Flüchtlingskinder aus Deutschland werden sollte. Deren Väter und älteren Brüder wurden schon vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Konzentrationslager deportiert.

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Kein Durchkommen nach Palästina

02:13 – 03:48

Jüdische Hilfsorganisationen wollten die Kinder nach Palästina bringen, aber sie wurden vom Krieg überrascht. Während die Nazis mit der systematischen Vernichtung der osteuropäischen Juden begannen, irrten die Flüchtlinge und ihre Betreuer - getarnt als deutsche Schüler und Lehrer auf dem Weg ins Schullandheim - durch Osteuropa. Sie überquerten illegal Grenzen, aber überall waren bereits deutsche Besatzungstruppen und Sonderkommandos, die Juden ergriffen, umbrachten oder in Konzentrationslager deportierten. Hinzu kam, dass die britische Besatzung Palästinas seit Kriegsausbruch keine Flüchtinge des Kriegsgegners Deutschland mehr aufnahm.

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Ankunft in der Villa Emma

03:48 – 05:54

Nach fast dreijähriger Flucht traf die deutschsprachige Gruppe am 17.Juli 1942 im norditalienischen Nonantola ein. Die Kinder wurden in einer leeren Villa untergebracht, die italienisch-jüdische Großgrundbesitzer verlassen hatten. Schnell knüpften die Flüchtlinge Kontakt zu den italienischen Kindern und Jugendlichen. Italienischen Bewohner erinnern sich und berichten über die ersten Begegnungen mit den Flüchtlingen.

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Das faschistische Italien

05:54 – 07:28

Erstaunlich, dass die Flüchtlinge überhaupt in Nonantola untergebracht werden konnten, denn das faschistische Italien war Bündisparter von Deutschland. Seit 1938 gab es auch hier antijüdischen Rassegesetze - die Bereitschaft zur gewaltsamen Judenverfolgung war aber gering. Die antisemitische Gräuelpropaganda der Nazis stieß in Italien oft ins Leere, weil die wenigen hier lebenden Juden meist von der Bevölkerung respektiert wurden.

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Toleranz und Sympathie in Nonantola

07:28 – 10:50

Bis zum Beginn der faschistischen Diktatur war der Jude Samuel Friedmann Bürgermeister von Nonantola. Er wurde sogar von den faschistischen Machthabern geschätzt, denn fortschrittliche Menschen wurden gebraucht, um die ländliche und recht rückständige Region zu modernisieren. Sein jüdischer Geschäftpartner hat übrigens die Villa Emma gebaut. Die deutschen Flüchtlingskinder wurden von einer jüdischen Hilfsorganisation aus Genua unterstützt, und die Bevölkerung von Nonantola brachte ihnen viel Sympathie entgegen. Im April 1943 stieß eine weitere Gruppe jugoslawischer Jugendlicher dazu - nun waren es insgesamt 73. Zeitzeugen erinnern sich und berichten von schönen Zeiten.

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Mangel trotz Arbeit

10:50 – 13:07

Es war aber nicht alles einfach in der Villa Emma. Der autoritäre Leiter hatte große Probleme mit den 73 pubertierenden Jugendlichen. Die älteren Jugendlichen mussten arbeiten: die Mädchen in der Küche oder Wäscherei und die Jungen auf dem Land, in Werkstätten oder Fabriken. Die jüdischen Jugendlichen wurden von den italienischen für ihren Fleiß und ihre Ehrlichkeit geschätzt. Doch je näher der Krieg rückte, desto schwieriger wurde es, an Lebensmittel heranzukommen. Selbst einfache Seife war nun ein Luxusgut.

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Der kranke Salomon

13:07 – 15:09

Ein Junge aus der Villa Emma erkrankte ernsthaft: Salomon aus Kroatien bekam Tuberkulose und wurde in ein Sanatorium gebracht. Die Kinder litten natürlich auch unter dem Verlust ihrer Familie - niemand wusste, wo die Familienmitglieder waren oder ob sie überhaupt noch lebten. Derweil machten die Nazis in Europa Jagd auf Juden, Sinti und Roma. Hitler und sein Nazi-Regime wollte die Ausrottung der Juden in ihrem Herrschaftsbereich - fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche fielen dem Nazi-Terror zum Opfer.

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Plötzlich in Lebensgefahr

15:09 – 19:39

Im Juni 1943 landeten die Alliierten auf Sizilien. Den Vormarsch von Amerikanern, Engländern und ihren Verbündeten versuchten die deutsche Wehrmacht, SS und Gestapo mit allen Mitteln aufhalten. Sie besetzten Mittel- und Norditalien und starteten mit den italienischen Faschisten eine Hetzjagd auf Juden und Regimegegner. Die Kinder der Villa Emma gerieten plötzlich wieder in Lebensgefahr. Als die Wehrmacht Nonantola nach Juden durchsuchte, riskierten die Bewohner des Dorfes ihr eigenes Leben und versteckten die Kinder.

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Mutige Hilfe

19:39 – 22:30

Überall in Nonantola und Umgebung wurden die Kinder der Villa Emma versteckt: auf Dachböden, in Taubenverschlägen, Ställen und Kellern der Bauernhöfe. Aber die deutschen Suchtrupps durchkämmten alles und ließen keinen Hof aus. Deswegen wurden die Kinder in Arbeitskleidung gesteckt und unter die Einheimischen gemischt. Sie schwebten in permanenter Gefahr entdeckt zu werden.

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Eine gefährliche Flucht

22:30 – 26:30

Der Dorfarzt und der Priester von Nonantola versuchten mehrmals, die Kinder in der Schweiz unterzubringen - ohne Erfolg. Obwohl sie es über die Grenze schafften, wurden sie von den Schweizer Grenzpolizisten zurück nach Italien geschickt: Sie hatten nur amtliche Papiere, die ihre jüdische Herkunft verrieten. Daraufhin ließ der Dorfarzt die Pässe der Kinder fälschen. In einer gefährlichen Aktion überquerten sie dann einen Stacheldrahtzaun und einen Grenzfluss und retteten sich an deutschen Wachposten vorbei in die Schweiz.

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Erinnerung an ein verlorenes Paradies

26:30 – Ende

Der kranke Salomon konnte als einziges Kind der Villa Emma nicht gerettet werden. Er lag noch im Krankenhaus, als die anderen längst in Sicherheit waren. Die Deutschen haben mit Hilfe italienischer Polizisten alle Tuberkulosekranke des Sanatoriums in ein Konzentrationslager deportiert. Dort ist Salomon gestorben. Nach Kriegsende wanderten fast alle Kinder der Villa Emma nach Israel aus. Noch heute erinnern sie sich gern zurück an ihr verlorenes Paradies, in dem Menschlichkeit, Respekt, Mut und Solidarität regierten.