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Sendungsinhalt: Menschliches Versagen, Teil 2

Die Verordnung über die Vermögensanmeldung, der Kennkartenzwang, die Auferlegung einer Sühneleistung, zynisch "Judenbuße" genannt: 1938 erfährt die antijüdische Politik eine Radikalisierung, die sich zunächst nur selten in offener Ablehnung zeigt, sondern vielmehr bürokratische Züge trägt. Götz Aly beschreibt das Verhalten vom Staat als "preußisch-nüchtern", die Bevölkerung schaue "aus Gründen der psychischen Überforderung" weg.

Das ändert jedoch nichts an der Dimension der verbrecherischen Raubaktionen gegenüber den in Deutschland lebenden Juden. Darüber geben verschiedene Archivare und Zeitzeugen Auskunft: So wird etwa das Textilgeschäft von Adolf Löffler "arisiert" – neuer Besitzer wird der ehemalige Prokurist dieser Firma. Adolf Löffler und seine Frau werden deportiert. Die Nachkommen von Hermann Schülein berichten, wie dieser als Aufsichtsratsvorsitzender für das Wachstum der Münchner Löwenbrauerei sorgte, um dann kurz nach der Machtergreifung Hitlers seines Amtes enthoben zu werden.

Götz Aly korrigiert die These, Hitler habe als Diktator eigenmächtig und stur agiert. Vielmehr sei die Enteignungspolitik ein Beispiel dafür, dass zahlreiche Ratgeber aus Wirtschaft und Finanzwesen daran beteiligt waren, den Staat zum Treuhänder über jüdisches Vermögen zu machen, um so unter anderem auch den Krieg finanzieren zu können.

  • Portraitaufnahme von Götz Aly.Historiker Götz Aly sieht die wirtschaftlichen Gründe der Arisierung; Rechte: WDR
  • Kennkarte einer jüdischen Frau.Ab 1938 wurde die Kennkartenpflicht für Juden eingeführt. Rechte: akg