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Hintergrund: "Angstzination" Hai

  • Ein Weißer Hai taucht mit offenem Maul an der Wasseroberfläche auf. Das furchterregende Gebiss des Weißen Hais löst bei vielen Menschen Angst aus; Rechte: Mauritius

Wir Menschen empfinden seit jeher eine Mischung aus panischer Furcht und purer Faszination für Haie. Wir bewundern sie für ihre Schnelligkeit, Eleganz und einmalige Sinneswahrnehmung. Vermutlich deshalb waren sie schon für die alten Griechen eine Quelle magischer Kräfte und wurden von den Ureinwohnern auf Hawaii als Götter verehrt. Doch gleichzeitig existierte auch immer schon das Bild vom Hai als Dämon, als blutrünstige Bestie aus der Tiefe.

Sprachwissenschaftler sehen zum Beispiel eine Verbindung zwischen dem englischen Wort "shark" für Hai und dem deutschen Wort Schurke. Eine wahre Hysterie hat 1975 Steven Spielbergs Film "Der Weiße Hai" ausgelöst. Millionen Tiere starben im anschließenden Vernichtungsfeldzug. Haie werden aber auch wegen ihres Fleisches gejagt. Mittlerweile sind viele Arten vom Aussterben bedroht.

Gefahren für den Hai

  • In der Vitrine eines Souvenirladen ist der Knochen eines großen Haigebisses mit Zähnen ausgestellt, darunter Ketten und Muscheln. Haigebisse sind beliebte Souvenirs; Rechte: Mauritius

Zu den natürlichen Feinden und Rivalen des Hais zählen neben anderen Haiarten auch Delfine, Seelöwen oder Schwertwale. Sie allen jagen nach der gleichen Beute oder haben es sogar auf den Hai selbst abgesehen.

Vor allem die kleineren Haiarten müssen sich immer wieder gegen Angreifer wehren, um nicht selbst gefressen zu werden. Das tun sie entweder mit ihren messerscharfen Zähnen oder anderen Tricks, die ihnen die Natur bereitgestellt hat, zum Beispiel einer perfekten Tarnfarbe. Selbst der Weiße Hai hat einen erbitterten Rivalen, den Schwertwal.

Doch der größte Feind der Haie ist der Mensch: Wir töten sie aus Angst, aus sportlichen Gründen, als Nahrung und manchmal aus Versehen. Es gibt praktisch für alles vom Hai eine Verwendung: Haikiefer sind begehrte Trophäen, aus der widerstandsfähigen Haut wird feines Leder für Schuhe, die scharfen Haifischzähne dienen als Schmuck, Waffe oder Werkzeug. Hauptsächlich wird der Hai jedoch wegen seines Fleisches getötet.

Haifisch auf dem Teller und im Medizinschrank

  • Eine Medizinflasche mit gelben Kapseln mit Haifischlebertran vor hellblauem Hintergrund. Kapseln mit Haifischlebertran sind in der Alternativmedizin beliebt; Rechte: dpa

Der Hai gilt vor allem in Asien als Delikatesse. Aus dem Knorpelgewebe der Haiflossen wird eine Suppe zubereitet, die auf keiner chinesischen Hochzeit fehlen darf. Auch bei uns steht manchmal Haifleisch auf dem Speiseplan. Oft ohne unser Wissen. Weil das Fleisch eines "Menschenfressers" viele Käufer abschrecken würde, kommt es unter falschem Namen auf den Tisch. Der Dornhai wird zum "Seeaal", seine Bauchlappen werden als "Schillerlocken" verniedlicht, weil sie sich beim Räuchern so lustig kringeln wie die Haare des Dichters Friedrich Schiller.

Haie haben eine im Vergleich zu ihrem Körper überdimensional große Leber. Manche Menschen halten das Öl der Leber, den Lebertran, für ein Allheilmittel. Tatsächlich enthält Haifischlebertran viele Vitamine, angeblich soll er sogar vor Krebs und Tumoren schützen. Auch wenn das nicht bewiesen ist, werden vor allem in der Alternativmedizin Medikamente nachgefragt, die aus Haiprodukten hergestellt werden.

Weltweite Überfischung

  • An einem Marktstand in Hongkong sind gelbe getrocknete Haifischflossen in durchsichtigen Plastiksäcken ausgelegt. Vor allem in Asien gibt es eine große Nachfrage nach Haifischflossen; Rechte: AFP

Haie werden aber nicht nur gezielt getötet. Millionen von ihnen sterben versehentlich als "Beifang" in den großen Fischnetzen. Sie werden dann oft einfach zurück ins Meer geworfen. Zur tödlichen Falle werden zudem viele Sicherheitsnetze, die vor Badestränden ausgespannt werden: Darin verfangen sich nicht nur die gefährlichen, sondern auch viele harmlose Haie.

Die Nachfrage nach Flossen für Haifischsuppe ist unglaublich hoch. Um Platz auf dem Boot zu sparen, hacken manche Fischer dem Hai nur die Flossen ab und werfen ihn grausam verstümmelt einfach zurück ins Meer, wo er elendig stirbt. Das sogenannte "Finning" (vom englischen Wort "Fin" für Flosse) ist besonders herzlos, doch lässt sich damit sehr viel Geld verdienen, manchmal mehr als tausend Euro für eine einzige Flosse. Das Finning ist zwar seit 2003 offiziell verboten, wird aber weiterhin illegal praktiziert. Weil mit dem Hai so viel Geld zu verdienen ist, haben viele Fischer und Händler kein Interesse an Fangquoten oder konkreten Schutzmaßnahmen. Daher sind mittlerweile viele Haiarten vom Aussterben bedroht.

Hilfe für den Hai

  • Haie umschwimmen einen Käfig, in dem ein Tourist taucht und die Haie beobachtet. Im sicheren Tauchkäfig kommen Touristen den Haien ganz nah; Rechte: Mauritius

Um das Überleben der Haie zu sichern, fordern immer mehr Naturschützer härtere Gesetze gegen die Überfischung und vor allem gegen das grausame Abtrennen der Flossen. Mittlerweile gibt es auch viele Aktionspläne, Artenschutzübereinkommen oder Handelsverbote – auf dem Papier. Denn meist lässt sich deren Einhaltung nur schwer kontrollieren. Manche Haiarten schwimmen oft Tausende Kilometer und durchqueren dabei viele internationale Gewässer. Daher helfen lokale Schutzbestimmungen kaum. Es müssten regionale und internationale Regelungen durchgesetzt werden. Um Haie wirklich schützen zu können, müsste man auch mehr über sie wissen. Denn noch immer tappen viele Forscher im Dunkeln, was Paarung, Geburt, Alltag und Wanderungen der Haie angeht.

Vielversprechend für den Schutz bedrohter Haiarten klingt zudem ein noch junger Wirtschaftszweig, der Hai-Tourismus. Tausende Touristen strömen jedes Jahr nach Australien und auf die Philippinen, um neben den friedlichen, bis zu 14 Meter langen Walhaien zu schnorcheln. Das Töten der Planktonfresser ist gesetzlich verboten.

In Südafrika hat man mittlerweile großes Interesse am Schutz des Weißen Hais, der nirgendwo sonst auf der Welt so zahlreich erscheint wie hier. Immer mehr Touristen suchen den besonderen Nervenkitzel und gehen auf Tuchfühlung mit dem Weißen Hai – im sicheren Tauchkäfig versteht sich. Wer weiß, wie lange das noch möglich ist.

Stirbt der Hai – stirbt auch das Meer?

  • Hammerhai von unten gesehen. Der Hai birgt noch viele Geheimnisse. Im Bild ein Hammerhai; Rechte: Mauritius

Die Anzahl vieler Haiarten ist stark zurückgegangen, es sterben viel mehr Haie als nachgeboren werden. Die meisten der großen Haiarten haben erst sehr spät und oft nur wenige Nachkommen. Das hat die Natur über Millionen von Jahren hinweg so eingerichtet, damit andere Tierarten im Meer überleben können. Denn die großen Haiarten haben meist nur wenige natürliche Feinde. Der Mensch gehörte bislang nicht dazu, mit seiner Jagdwut konnten sie nicht rechnen. Daher sind sie nicht in der Lage, die extremen Verluste, die ihnen der Mensch innerhalb von nur wenigen Jahren zugefügt hat, auszugleichen. Niemand weiß, was passiert, wenn sie mal nicht mehr da sind.

Da die Haie an der Spitze der Nahrungskette stehen, sorgen sie für ein natürliches Gleichgewicht unter den Jägern und Gejagten des Meeres, so dass kein Tierbestand überhand gewinnt. Als "Gesundheitspolizei" fressen sie zudem kranke und schwache Tiere und sorgen somit für eine natürliche Auslese.

Zudem fängt das Bild des scheinbar gefühllosen Einzelgängers an zu bröckeln, manche Forscher erkennen in Haien gar soziale und sehr sensible Wesen. So staunen sie über rätselhafte Eigenheiten des weißen Hais wie das "Huckepack-Schwimmen", bei dem ein kleineres Tier hinter einem größeren "aufsteigt", seinen Bauch gegen die Rückenflosse presst und so eine Weile gemeinsam mit ihm mitschwimmt. Es gäbe noch so viele Geheimnisse über Haie aufzudecken, doch den Forschern läuft die Zeit davon.