zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Inhalt

Unterricht: GG 19 - Unterrichtsentwurf 2

Artikel 3

Artikel 3 soll die gerechte (= „gleiche“) Behandlung aller Bürgerinnen und Bürger garantieren, unabhängig von Geschlecht, Rasse, Behinderung und so weiter. (Abs. 3). Die Gleichberechtigung ist dabei auch in der Arbeitswelt einzuhalten und durchzusetzen (zum Beispiel explizite Ansprache von Frauen in Ausschreibungstexten; Quotenregelungen).

Rollenbilder im Film

  • Eine chic gekleidete junge Frau steht vor einem Spiegel und wischt sich Tränen vom Gesicht. (Quelle: movie members) Verzweifelt: die Bewerberin nach dem Vorstellungsgespräch
  • Eine junge Frau und zwei Männer mittleren Alters stehen in einem Gang und unterhalten sich. Alle drei sind sehr geschäftsmäßig angezogen. (Quelle: movie members) Abgelehnt: die Bewerberin und die Firmenbosse

Der Film veranschaulicht die Problematik der Geschlechterdiskriminierung gerade in der Berufswelt. Die beiden Firmenmitarbeiter erkennen zwar das Potenzial und die Qualifikation der jungen Frau, sie sind geradezu beeindruckt, wie die Kommunikation untereinander zeigt („Tolle Frau.“), es ist für beide jedoch ganz klar, dass für die Stelle nur ein Mann in Frage kommt. Dabei sind sie höflich, zuvorkommend und charmant; ihre Absicht ist keine bösartige, sie sind durch ihre Tätigkeit in einer von Männern dominierten Arbeitswelt geprägt und haben deshalb festgelegte Vorstellungen davon, welche Rollen Frauen und Männer in der Gesellschaft einnehmen und wie man sich ihnen gegenüber verhält. Dabei fällt bei genauerer Betrachtung auf, dass man die Frau im Vorstellungsgespräch offensichtlich trotzdem wie einen Mann behandelt hat (Eingangsszene am Waschbecken).

Opfer dieser Rollenvorstellungen seitens der Firmenbosse ist die junge Frau, die sichtlich darunter leidet. Sie erkennt, dass ihre Kompetenzen zwar erkannt und anerkannt werden, sie aber trotzdem keine Chance hat. Im Gespräch mit den beiden Führungskräften dämmert ihr, dass ihre Chancenlosigkeit ausschließlich darauf zurückzuführen ist, dass sie eine Frau ist. Auch durch ihr Verhalten (hartnäckig, aktiv, motiviert) kann sie die Bosse nur in menschlicher Hinsicht beeindrucken. Die Einstellung der beiden, dass sie den Job nicht bekommen wird, ändert sich dadurch nicht. Die Ungerechtigkeit der Behandlung ist offensichtlich. Als Frau kann sie höchstens in sexueller Hinsicht punkten; prompt wird sie auch von einem der beiden Bosse zum Abendessen eingeladen – mit offensichtlich eindeutigen Hintergedanken.
Auch die Frau verhält sich bei näherem Hinsehen durchaus rollenkonform. Die Bosse verhalten sich mitfühlend, geradezu verständnisvoll, obwohl sie selbst Urheber des Missstandes sind. Statt dieses Problem zu thematisieren, akzeptiert die Frau (bewusst/unbewusst?) ihr Schicksal nach kurzen Phasen des Aufbegehrens. Dass eine Änderung im Bewusstsein der beiden Bosse vielleicht möglich wäre, hält sie offensichtlich für unwahrscheinlich (Verzweiflung im Fahrstuhl). Damit bilden „Fräulein“ Blum und die beiden Bosse die klassischen gesellschaftlichen Rollen von Mann und Frau ab (siehe Tabelle 1).
Bei der Behandlung im Unterricht gilt es, diese Rollenausprägungen im Film zu erkennen, die sich daraus ergebenden Probleme zu benennen und nach Ursachen und Lösungsansätzen zu suchen.

Vorüberlegungen zum Filmeinsatz

Anhand des Films können Spezifika und Auswirkungen der Diskriminierung von Frauen erarbeitet und diskutiert werden. Durch die eindeutig zugeordneten und profilscharf gezeichneten Protagonist/innen wird das Thema griffig und auch in der Sekundarstufe I (ab Klasse 8/9) behandelbar. Da der Film sehr kurz ist (zirka fünf Minuten), kann er problemlos ohne Unterbrechung gezeigt werden, eventuell zu vertiefter Bearbeitung auch ein zweites Mal.

In der Regel ist es sinnvoll, den Schüler/innen bei der Rezeption von Unterrichtsfilmen durch Arbeitsaufträge oder Beobachtungsschwerpunkte eine Strukturierungshilfe zu geben, da so Alltagsgewohnheiten der Filmrezeption (nämlich das unreflektierte Konsumieren) durchbrochen werden. Der GG19-Film zur Gleichberechtigung versucht die Aufmerksamkeit durch die übertriebene Umsetzung der Charaktere und das abstrus-moralische Ende in die gewünschten Bahnen zu lenken. Deshalb sollte man den Film in einem ersten Durchgang ohne weitere Erläuterung gemeinsam anschauen und anschließend Thema und Umsetzung diskutieren, um in einem weiteren Schritt die Inhalte genauer unter die Lupe zu nehmen. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass der Film als unterhaltsames, ästhetisches Medium eingeführt wird und ein Schritt weg von verschultem Zwang getan wird. Außerdem können die folgenden Beobachtungsaufträge auf Grundlage der Vorkenntnisse präziser ausgeführt werden. Gerade in schwierigeren Klassen sollte man dieses Vorgehen bei Unterrichtsspielfilmen häufiger wählen.

Behandlung des Phänomens Diskriminierung

Grundthemen (Quelle: SWR)

Als Grundthemen stehen bei der Behandlung des Films die Frage nach Ursachen, Erscheinungsformen und Auswirkungen von Diskriminierung. Vor diesem Hintergrund werden die einzelnen Personen genauer betrachtet: Wie verhalten sie sich? Aus welchen Gründen verhalten sie sich so? Wie reagieren die Personen aufeinander? Wie bewerten wir dieses Verhalten/diese Äußerungen? Da die Details des Films vor allem in den Dialogen und in subtilen Gesten (zum Beispiel die anzüglichen Blicke der bärtigen Führungskraft) erfolgen, sollte die Beobachtung in jedem Fall gezielt und konzentriert erfolgen.

Vorbereitung des Themas

  • Ein Mann spricht eine Frau von hinten an. Beide stehen eng beisammen. Sie schaut abweisend. (Quelle: movie members) Unverfrorene Anmache im Fahrstuhl

Es empfiehlt sich, die Arbeit mit dem Film vorzuentlasten. Das kann entweder im Rahmen einer Unterrichtseinheit „Grundgesetz der BRD“ beziehungsweise „Grundrechte“ oder ähnlichem geschehen (siehe Unterrichtsentwurf 1, Arbeitsblatt 1); es lässt sich im Vorfeld aber auch gezielt die Gleichheitsproblematik besprechen (zum Beispiel im Geschichtsunterricht bei der Behandlung der Gleichberechtigung der Frau).

Viele Schüler/innen sind in rationaler Hinsicht einsichtig gegenüber der Tatsache, dass Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sinnvoll und notwendig ist. Vielen ist jedoch nicht bewusst, dass ihre eigenen Vorstellungen von den Rollen „Mann“ und „Frau“ potenziell diskriminierend sind. Denn Diskriminierung erfolgt häufig auf indirekte, unbewusste Weise. Die Bosse im Film sind keine Bösewichter – sie haben lediglich statische Vorstellungen von den Aufgaben, die Männer und Frauen in der Gesellschaft wahrzunehmen haben („Das ist Tradition.“).Filmtipp: Frauenbilder verändern sich, Reihe: Geschichte der Bundesrepublikwww.planet-schule.de/sf/php/ 02_sen01.php?sendung=232

In der anfänglichen Phase sollen die Schüler/ innen also sensibilisiert werden für festgelegte Rollenvorstellungen – auch in ihren eigenen Köpfen. Darauf aufbauend kann das Konzept der Gleichberechtigung erörtert werden: Was bedeutet „Gleichberechtigung“? Welchen Sinn hat die Forderung nach Gleichberechtigung? Hierzu bietet es sich an, mit der Vorarbeit „Wer arbeitet in welchem Beruf?“ den Schüler/innen vorzuführen, wie festgelegt ihre eigenen Vorstellungen der gesellschaftlichen Rollen von Mann und Frau sind. Dazu eignet sich das Arbeitsblatt 6 „Berufe“. Dort sind verschiedene Situationen aus Beruf/Alltag dargestellt, das Geschlecht der Personen ist nicht erkennbar. Die Schüler/innen sollen den abgebildeten Personen Namen geben und ins Bild schreiben. So nehmen sie (unbewusst) Geschlechtszuordnungen vor. Viele Schüler/innen werden bei ihrer Namenszuweisung wahrscheinlich typische Stereotype umsetzen: Bauarbeiter, Dirigent und Arzt sind männlich, Krankenschwester, Verkäuferin und Erzieherin sind weiblich; je nach Umfeld (Stadt/Land) und Schulform werden die Ergebnisse nicht immer eindeutig ausfallen. Eine fruchtbare Diskussion kann sich trotzdem entwickeln.

Alternativen zum Arbeitsblatt:

Die Schüler/innen zeichnen (zum Beispiel als vorbereitende Hausaufgabe) verschiedene Szenarien, in denen Personen zu sehen sind, denen der eindeutigen Identifizierung wegen ebenfalls Namen gegeben werden. Die Themen entsprechen dabei den oben vorgeschlagenen. Die Schüler/innen schreiben vorbereitend eine freie, kurze Erzählung zu einem der oben genannten Szenarien (eventuell fächerübergreifend im Deutschunterricht). Ein Auswertungsaspekt ist wieder das Geschlecht der Hauptpersonen. Als Lehrkraft sollte man streng darauf achten, die Arbeitsaufträge geschlechterunspezifisch zu formulieren („Zeichne auch die Personen und gib ihnen Namen“ oder „Zeichne einen Bagger und eine Person, die ihn fährt“, nicht: „Zeichne die Ärzte und Ärztinnen.“).

Tabelle 1: Sammlung der Ergebnisse: „Wer arbeitet in welchem Beruf?“

Geschlecht der Hauptpersonen (Auswertung der Schülerergebnisse, zum Beispiel als Strichliste) Geschlecht der Hauptpersonen (Auswertung der Schülerergebnisse, zum Beispiel als Strichliste)
Baustelle: lll
Kindergarten: llll
Bäckerei:
Krankenhaus:
Firmenleitung:
Konzert:

Die Ergebnisse können in einer Tabelle gesammelt werden (siehe Tabelle 1), in der gezählt wird, welches Geschlecht die Haupt Hauptpersonen der einzelnen Szenarien haben. Diese Tabelle ist Gegenstand der folgenden Auswertung (Unterrichtsgespräch oder kurze schriftliche Stellungnahme).Beispiel für Leitfragen:
● Wir können aus den Häufungen ablesen, dass die meisten in der Klasse sehr klare Vorstellungen darüber haben, welche Berufsbilder vor allem von Männern oder von Frauen besetzt werden. Aus welchem Grund haben wir solche eindeutigen Vorstellungen?
● Wo haben diese Vorstellungen einen Sinn (Arbeit auf dem Bau erfordert Körperkraft), wo nicht (auch Männer eignen sich als Erzieher)?
● Entsprechen unsere Vorstellungen der Realität? Auch wenn die Antwort tendenziell positiv ausfällt, sollte die Lehrkraft Gegenbeispiele thematisieren („Ich habe eine Ärztin. Die Leitung von ebay hatte von 1998 bis 2008 eine Frau [Meg Whitman].“).
● Wie bewerten wir diese Rollenvorstellungen? Ist es als schlecht/gut/neutral zu werten, dass wir bei der Besetzung von Managementstellen eher an Männer und bei der Krankenpflege eher an Frauen denken?

Im Rahmen dieser Diskussion könnte auch (zum Beispiel als arbeitsteilige Hausaufgabe oder Rechercheauftrag im Internet) herausgefunden werden, welche dieser Berufsgruppen am meisten verdienen. Beim Vergleichen der Gehälter (Vorschlag: Einzeichnen ins Arbeitsblatt) stellt man schnell fest, dass die Vorstellung von typisch männlichen Berufsbildern oft mit einem hohen Gehalt korreliert, während typisch weibliche Berufe schlecht bezahlt sind.

  • Zeitung (Quelle: www.foley.com)

Ergänzend kann eine selbst erstellte Zeitungsüberschrift wie „Alle Lehrer an unserer Schule streiken“, in der das generische Maskulinum verwendet wird, präsentiert werden (Artikel erstellen:
www.fodey.com/generators/newspaper/snippet.asp). Bearbeitet wird im weiteren Verlauf die Frage, ob die Lehrerinnen nicht streiken. Die Thematik geschlechtergerechter Sprache kann hier vor allem in Oberstufenklassen angesprochen werden, eventuell bietet sich auch ein Vergleich mit anderen Sprachen wie Englisch oder Französisch an. Problematisch ist für die Diskussionsdynamik häufig die Tatsache, dass sich viele Mädchen und Frauen durch die Verwendung des generischen Maskulinums nicht gedemütigt fühlen. Die Frage nach der Rechtfertigung sexistischer Sprachverwendung zu stellen, kann aber trotzdem produktiv sein.

Arbeit mit dem Film

  • Ein älterer Mann mit Halbglatze und unfreundlichem Gesicht spricht mit einer jungen Frau, die nervös über die Schulter sieht. Im Hintergrund ist ein weiterer Mann zu sehen. (Quelle: movie members) Der Boss gibt unverschämte Ratschläge
  • Zwei Männer und eine Frau im Aufzug. Sie hat ein Mobiltelefon in der Hand, ein Mann lehnt an der Aufzugwand, der andere sieht Papiere durch. (Quelle: movie members) Cool bleiben oder Hilfe rufen? Der Aufzug ist stecken geblieben

Wie immer bei der Analyse von stehenden oder bewegten Bildern steht am Anfang die Konzentration auf das Konkrete, Beobachtbare. Von dort ausgehend können abstraktere Interpretationen gewagt werden. Als Lehrperson gilt es darauf zu achten, dass diese Reihenfolge eingehalten wird. Erste Reaktion auf die Fahrstuhlszene soll also nicht sein „Sie hat Angst vor den beiden Männern.“, sondern „Sie blickt nervös umher.“ Auf handfester Grundlage ist die Gültigkeit von weitergehenden Interpretationen oder Bewertungen im Klassenverband wesentlich besser zu diskutieren

A. Eigenen Schluss konzipieren

Beim ersten (nicht durch Arbeitsaufträge gesteuerten) Durchgang könnte der Film kurz vor Ende abgebrochen werden; als Ausstiegsstelle empfiehlt sich die Situation nach dem von Frau Blum geäußerten Satz „Da war ein Geräusch! Haben Sie das auch gehört?“ Die Schüler/innen können einen möglichen Schluss schreiben. Das kann in epischer oder dramatischer Form geschehen. In dem Schluss zeigt sich, welche Aspekte des Films die Schüler/ innen als besonders wichtig empfunden haben (Aufdringlichkeit, Ignoranz gegenüber Kompetenzen einer Frau, Verzweiflung von Frau Blum ...); wie die Schüler/innen das offensichtliche Problem zu lösen wünschen (Bestrafung der Übeltäter wie am tatsächlichen Ende des Films; Einsicht der Bosse; keine Lösung für Frau Blum ...).

B. Beobachtung der einzelnen Personen

Bei der Konzentration auf das Verhalten einzelner Personen empfiehlt sich eine arbeitsteilige Herangehensweise. Jeweils ein Drittel der Klasse beobachtet eine/n der drei Protagonist/innen: die junge Frau, Boss 1 und Boss 2. Beobachtungsaspekte sollten dabei die Körpersprache/das Verhalten/die Äußerungen der jeweiligen Person sein. Der Arbeitsauftrag lautet: „Beobachte ausschließlich Person X und mache dir Notizen zu ihren Äußerungen und ihrem Verhalten.“ Die Schüler/innen fertigen während des Films (stichwortartige) Notizen an.
In der anschließenden Auswertungsphase werden diese Beobachtungen beschreibend, interpretierend oder bewertend untersucht. Mögliche Auswertungsschwerpunkte sind: Charakterisierung der Protagonist/innen durch Adjektive – alle genannten Charakterzüge werden an beobachtbaren Details im Film belegt.
● Worin unterscheidet sich das Verhalten der Frau von dem der Männer? (siehe Tabelle 2; kann auch als Tafelbild erarbeitet werden.)
● Welche Situationen nimmt Frau Blum als besonders negativ wahr? Aus welchem Grund?
● Wo verhalten sich die Bosse korrekt, wo nicht?
● Wie ist die Charmanz der Bosse zu bewerten? (immer positiv? immer negativ? geheuchelt?)

Tabelle 2: Vergleich Frau Blum – Bosse

Frau Blum Bosse
● emotional ● bestimmend, steuernd
● akzeptiert die Ungerechtigkeit; nimmt die Situation als ausweglos wahr ● gesellschaftliche Gegebenheiten sind„aus Tradition“ nicht veränderbar.
● attraktiv (sexy?) ● mutig (im Aufzug: „keine Angst“)charmant, höflich zu Frauen
● erfolglos ● erfolgreich
● Respekt vor den Männern ● Frau als Sexualobjekt

C. Analyse einzelner Standbilder

Von der Lehrkraft können konkrete Standbilder vorgegeben werden (Linktipp zum Anfertigen von Standbildern: www.lehrerfreund.de); die Klasse diskutiert auf Grundlage der eigenen Notizen (siehe oben, Punkt B), welche Ursachen und/oder Auswirkungen das aktuelle Verhalten hat. Die vorgeschlagenen Standbilder (Arbeitsblatt 7) zeigen typische Eigenschaften/Verhaltensweisen der Protagonist/innen: Frau Blum – verzweifelt (Bilder 1,5), kämpferisch (4), angewidert (3), emotional (1,5), Bosse – charmant (4,3), beeindruckt (2), zudringlich/ übergriffig (3).Auch hier kann Tabelle 2 als Ausgangs- oder Zielpunkt dienen. Die genannten Eigenschaften sollten in der Sekundarstufe I dabei an konkreten Beobachtungen festgemacht werden („Woran können wir erkennen, dass Frau Blum hier verzweifelt ist?“).

D. Diskussion einzelner Äußerungen

  • Ein Mann in Anzug und Krawatte spricht mit einer Frau, die nur von hinten zu sehen ist. (Quelle: movie members) Frau Blum erfährt den wahren Grund für die Ablehnung: Es werden nur Männer eingestellt
  • Ein jüngerer Mann in Arbeitskleidung hält eine junge Frau im Arm. (Quelle: movie members) Gerettet: „Haben Sie ein Glück, dass Sie eine Frau sind!“

Im Verlauf der Behandlung des Themas/des Films können einzelne Äußerungen der Protagonist/innen besprochen werden. Es wird die Bedeutung der Äußerungen diskutiert, außerdem Reaktionen darauf und mögliche Handlungsalternativen. Die Beschäftigung mit den Äußerungen kann in mündlicher oder auch schriftlicher Form erfolgen (Stellungnahme, gemeinsame stichwortartige Erarbeitung in Gruppen oder ähnliches). Erfolgt die Besprechung im Plenum, könnte der Film an der jeweiligen Stelle gestoppt werden.

Boss 1: „Von einer bestimmten Führungsebene an beschäftigen wir grundsätzlich nur Männer. Aus Tradition, seit über 100 Jahren.“
Frau Blum: „Ach – stand das im Anforderungsprofil?“
Boss 2: „Selbstverständlich nicht – das wäre ‚diskriminierend’.“ (lacht)

Fragestellungen:
● Was bezweckt Frau Blum mit ihrer Nachfrage? Wie hätte sie ihre Frage anders formulieren können?
● Warum begleitet der Boss das Wort „diskriminierend“ mit einer Anführungszeichen-Geste? Warum lacht er danach abfällig?
● Welche Reaktion hätten wir von Frau Blum erwartet, wenn das
Gesprächsthema nicht durch die Ankunft des Aufzugs unterbrochen worden wäre?

Boss (im Fahrstuhl, zu Frau Blum): „Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf: Verrennen Sie sich nicht – leben Sie! Es gibt so viele Nischen für eine Frau wie Sie.“

Fragestellungen:
● Was meint der Boss damit? Warum sagt er das zu Frau Blum?
● Wie ist die Reaktion von Frau Blum zu erklären?
● Welche andere Reaktion hätte Frau Blum zeigen können/sollen/müssen?

Handwerker (Schluss, zu Frau Blum):„Haben Sie ein Glück, dass Sie eine Frau sind!“
Frau Blum: „Ich weiß.“

Fragestellungen:
● Was meint der Handwerker mit seiner Äußerung?
● Wie ist Frau Blums Antwort zu bewerten? Ist sie wirklich glücklich darüber, eine Frau zu sein?
● Welche Äußerung/welcher Gesprächsverlauf wäre zu erwarten gewesen?

E. Szenische/imaginative Verfahren

Im Film verhalten sich die Personen nach vorgegebenen Konventionen (Höflichkeit, Distanz ...); Ziele oder Einstellungen können von den Rezipient/innen nur interpretiert werden. Durch ein Hineinversetzen in die Personen können Gedanken, Wertvorstellungen oder Hierarchien ausgedrückt werden, die im Film so direkt nicht ersichtlich sind. Der Gefühlslage von Frau Blum könnte man sich durch (längere oder kürzere) Schreibaufträge annähern:
● Frau Blum schreibt in der Toilette (Anfang des Films) eine SMS an ihre Freundin.
● Im Fahrstuhl schreibt Frau Blum heimlich eine MMS an ihre Freundin und schickt ein Bild der beiden Bosse mit.
● Frau Blum schreibt einen Tagebucheintrag/Blogeintrag über den Tag der Bewerbung.

Fruchtbar ist häufig auch die Arbeit mit Denkblasen. Auf Arbeitsblatt 7 können die Schüler/innen in die Denkblasen schreiben, was die einzelnen Personen in den jeweiligen Situationen denken könnten. Die Gedanken können ungeschminkt und direkt formuliert werden. Es ist damit zu rechnen, dass teilweise recht explizite Gedanken (Schimpfwörter, eindeutig sexuelle Absichten oder ähnliches) geäußert werden. Hier besteht im Unterricht ein Ansatzpunkt, um Strukturen und Ursachen der Diskriminierung greifbar zu machen. „Frau Blum, ich möchte mit Ihnen schlafen!“ ist ein sehr expliziter Gedanke, der aber genau die Problematik zum Ausdruck bringt: Das Interesse an Frau Blum beschränkt sich aufs Sexuelle; Ambitionen in beruflicher Hinsicht stehen nicht zur Debatte.

Weiterhin könnte man zu einzelnen Szenen ein Standbild bauen; die Schüler/innen bereiten eine eingefrorene Szene vor, in der die Merkmale der Situation sowie das Verhältnis zwischen den Protagonist/innen besonders deutlich, eventuell übertrieben sichtbar werden. So werden Standbilder zum Film zum Beispiel zeigen,
● wie verzweifelt Frau Blum ist;
● wie unsympathisch ihr der bärtige Boss ist/wird;
● wie sehr der bärtige Boss sie begehrt;
● welche Machtverhältnisse zwischen den Bossen und Frau Blum herrschen.

Arbeitsblätter

  • AB 6: Artikel 3: Gleichheit vor dem Gesetz