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Europa Ende des 15. Jahrhunderts: Amerika ist noch nicht entdeckt und exotische Spezereien liefert allein der Handel mit den Ländern Asiens. Wer an dem gewinnträchtigen Geschäft meinst möglichst profitieren will, muss neue, kürzere Handelsrouten suchen. Noch führte der Seeweg nach Indien um ganz Afrika herum. Wie wäre es wenn man statt nach Osten nach Westen reiste? Würde man dann auch bis nach Indien ins Reich der Gewürze gelangen? Die waghalsige Erkundung des Ozeans westlich von Europa schlägt der Seefahrer Christoph Columbus der spanischen Krone vor. Die Geldgier der Könige Ferdinand und Isabella kann der Abenteurer für sich nutzen. Das Königshaus finanziert seine waghalsige Mission und verspricht ihm ein Zehntel der zu erwartenden Gewinne.
Im Winter 1492 landete Columbus auf der Insel Haiti, von ihm Hispaniola genannt, und gründet dort den ersten spanischen Stützpunkt in der Neuen Welt. Bis zu seinem Tode glaubte er, den Seeweg nach Indien gefunden zu haben. Die Kolumbus nachfolgenden spanischen Eroberer wüteten grausam auf dem neu entdeckten Kontinent. Die Ureinwohner, von ihnen Indianer genannt, werden getötet oder von ihnen versklavt. Ihre Schätze werden nach Europa geschafft, und bescheren den Spaniern Reichtum und Macht - Menschenopfer für europäischen Luxus.
Januar 1519: mit elf Schiffen und über 500 Soldaten startete Hernán Cortés eine Expedition aufs amerikanische Festland. Die Legende sagte, es gäbe dort ein reiches Land mit viel Gold, namens "Mexiko". Cortés' Erkundungen führten ihm, an die Schwelle eines großen Reiches: dem Reich der Azteken. Doch das Land war durch politische Unruhen geschwächt, so konnten die Spanier mit lokalen Indiofürsten paktieren und mit ihrer Hilfe andere Stämme unterwerfen. Sie wussten nicht, dass sie damit ihren Untergang besiegelten, dass Cortés sie kaltblütig gegeneinander ausgespielt und dem Oberherrscher Moctezuma ans Messer geliefert hatte. Für viele Azteken verkörperte der Spanier ihren Gottkönig Quetzalcoatl, der mit weißer Haut und roten Haaren zur Erde zurückkehren sollte.
Bei seinem Einzug in die prächtige Hauptstadt Tenochtitlán, heute Mexiko-City, bewirtete Moctezuma den Conquistador mit seiner bitter-süßen, vanillegewürzten Schokolade. Zu spät erkannten die Indianer ihren Irrtum: der Rothaarige war alles andere als ein Gott, er brachte Tod, Elend und Versklavung. Der Untergang des Aztekenreiches war der Anfang der Kolonisation Mittelamerikas. Die spanischen Handelsschiffe nahmen nicht nur tonnenweise Gold und Silber mit in die Heimat, sondern auch die fremden Gewürze Piment, Chili und natürlich Vanille.
Erst ungefähr 100 Jahre nach ihrer "Entdeckung" trat Vanille ihren kulinarischen Siegeszug an den europäischen Königs- und Fürstenhöfen an, besonders in Frankreich und England. Heiße Schokolade mit Vanille wurde zum Modegetränk der High Society.
© Text: WDR
