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Süchtig war er, nach Vanille - der Aztekenfürst Moctezuma. Vor 500 Jahren war er der mächtige Herrscher eines hochkultivierten Reiches, im heutigen Mexiko gelegen. Vanille würzte auch sein Lieblinggetränk "cacahuatl". Angeblich trank er täglich 50 Tassen davon. Vanille wurde schon vor 4.000 Jahre in Mittelamerika angebaut. Die Azteken bezahlten damit ihre Steuern. Sie nutzten Vanille als Gewürz und als Medizin, die das Herz stärkt und Angst und Müdigkeit beseitigt. Besonders mit Kakao zusammen hellt sie die Stimmung auf - ein Kraftspender. Die Indianerinnen rieben sich mit der Schote über Haar, Haut und Kleidung, um ihre Anziehungskraft zu erhöhen. Das funktionierte, denn Vanillin, der Duftstoff der Vanille, ist chemisch verwandt mit den Sexuallockstoffen des Menschen.
Aus Kakao, Vanille, Chili und Rum machte man den Liebestrank der Azteken. Vanille ist eine lianenartige Kletterorchidee. Die Blüte existiert nur einen einzigen Tag und bildet nach ihrer Bestäubung eine grüne Fruchtkapsel, die Schote. Diese wird kurz vor der Reife geerntet, noch völlig geschmack- und geruchlos, und dann mit Dampf oder Heißwasser mehrfach zum Schwitzen gebracht. Der lange Reifeprozess ist aufwendig und hat entscheidenden Einfluss auf Qualität und Preis der Schote. Durch das anschließende Trocknen in der Sonne bekommt sie ihre braune Farbe und dann erst ihr typisches, unverwechselbares Aroma.
Viele Teefirmen mischen Vanille unter ihre Teemischungen. Vanillearoma, das aus den Schoten extrahiert wird, benutzt man zur Verfeinerung vieler Lebensmittel, wie Joghurt und Schokolade, und in der Parfumherstellung. Ihre süße Note krönt Kosmetik, Räucherstäbchen, Aromaöle und natürlich exquisite Parfums: Verführung pur wie vor Jahrhunderten bei den mexikanischen Azteken. Vanille ist nach Safran das zweitteuerste Gewürz der Welt.
© Text: WDR
