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Ab dem 10. Jahrhundert beherrschten Genua und Venedig den Handel zwischen der östlichen Welt und Europa. Handelsreisende wie der Venezianer Marco Polo schilderten die Länder Asiens samt ihren Gewürzen. Trotz Übertreibungen, Fabelwesen und Wundergeschichten vermehrten die Reiseberichte das Wissen des Mittelalters. Sie schürten zugleich das Verlangen nach mehr Exotika. Über Indonesien schrieb Marco Polo: "Es heißt, das Land bestehe aus gut 7.450 Inseln, deren größter Teil bewohnt sei. Von allen Bäumen werden Aromen gewonnen. Auch wächst auf diesen Inseln eine Vielzahl von Gewürzen, darunter eine Art Pfeffer, der so weiß ist wie Schnee, und schwarzer Pfeffer in großer Menge." Im mächtigen Venedig hatten die großen deutschen Handelskompanien ihren Sitz im Prachtbau Fondaco dei Tedeschi. Sie mussten die begehrten Gewürze von den Venezianern teuer ersteigern, bevor sie sie nach Deutschland bringen konnten. Sie transportierten den Pfeffer über die Alpen und verkauften ihn mit hohem Gewinn. Durch ihre Pfeffergeschäfte wurden die Gewürzhandelshäuser in Süddeutschland reich und mächtig, allen voran die einflussreichen Dynastien der Familien Welser und Fugger aus Augsburg.
Einen "Pfeffersack" nannte man jemanden, der dick und fett auf einem Sack Pfeffer sitzt, sehr reich geworden ist mit Gewürzen und sich nur um sein Geschäft schert. Die Augsburger Pfeffersäcke finanzierten Kriege und die Wahl Kaiser Karls V.. Die Fugger, Bankiers der Päpste, gründeten ein eigenes Bankhaus, aber auch eine Siedlung für arme Bürger, die Fuggerei. Vom Kaufmann Fugger wird erzählt, dass er einen auf den Kaiser ausgestellten Schuldschein vor dessen Augen verbrannte – in einem Feuer aus Zimtrinden, ein unermessliches Vermögen damals.
Erst vor etwa 200 Jahren haben die ersten Hamburger Kaufleute auf dem Seeweg Eigenimporte durchgeführt, was auch sie wohlhabend gemacht hat. In der Zeit ist der Begriff "Hamburger Pfeffersack" entstanden. Hamburg war im Mittelalter Zentrum des Pfefferhandels in Nordwesteuropa und ist bis heute einer der vier wichtigsten Gewürzhäfen der Welt. Die Speicherstadt hat sich besonders angeboten für die Lagerung von teuren Produkten, weil die Speicher ein besonderes Klima haben: im Winter nicht richtig kalt und im Sommer immer kühl und trocken. Die so genannten Quartiersleute haben dafür gesorgt, dass die Gewürze von den Schiffen sicher in die Speicherstadt kamen und fachgerecht gelagert wurden. Sie haben markiert oder umgepackt, wenn Schäden z.B. durch Nässe entstanden waren, und sie haben kontrolliert. Vor etwa vier bis fünf Jahren sind die letzten Quartiersleute aus der Speicherstadt weggezogen, weil es sich heutzutage nicht mehr lohnt, dort Gewürze zu lagern.
© Text: WDR
