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An der Südküste Indiens landete im Mai 1498 der Portugiese Vasco da Gama, der erste Europäer, der auf dem direkten Seeweg gekommen ist - auf der Suche nach den begehrten Gewürzen. Das war der Beginn des Kolonialimperiums: Portugal wurde reich und mächtig durch das Geschäft mit exotischen Spezereien. 1502 entdeckten die Portugiesen als erste die Zimtwälder der südindischen Insel Ceylon, das heutige Sri Lanka, immer noch wichtigstes Zimt-Anbaugebiet. Das Gewürz wird aus der Rinde der Zweige gewonnen – das Abschälen der Zimtrinde ist eine schwierige Präzisionsarbeit. Die feine, aromatische Ceylon-Qualität brachte mehr Gewinn als der bis dahin bekannte herbe Kassia-Zimt.
Zimt und andere tropische Gewürze wurden zuerst nach Lissabon gebracht und von dort in Europa weiter vermarktet. Der König von Portugal und Spanien war im 16. Jahrhundert zugleich Herrscher über die Niederlande. Er sperrte ihnen den Zugang zum Hafen Lissabon, als diese um ihre Unabhängigkeit kämpften. In Holland kam es zur Gewürzknappheit, die Preise stiegen. 1594 ging die erste holländische Expedition das Wagnis ein und startete ins noch geheimnisvolle Ost-Indien und zu den "Gewürzinseln". 1602 schlossen sich clevere holländische Händler zusammen. Ihre Idee: die mächtigen Konkurrenten aus Spanien und Portugal aus dem Weg zu räumen. Nur vereint würden die Kaufleute genügend Geld aufbringen, um eine eigene Flotte und Handelsstützpunkte aufzubauen. 17 Kaufleute bildeten die V.O.C, die Vereinigte Ostindische Compagnie. Der niederländische Staatenverbund übertrug ihnen so weitreichende Befugnisse wie keiner anderen privaten Gesellschaft: Die Ostindische Compagnie hatte absolute Gewalt, Bündnisse mit indischen Fürsten zu schließen, und zwar im Namen der Generalstaaten und der hohen Obrigkeiten der Vereinigten Niederlande. Auch war ihnen erlaubt, Festungen anzulegen, Soldaten anzuwerben und Oberbefehlshaber zu ernennen.
Portugiesen und Holländer hatten verschiedene Absichten. Während die Portugiesen sagten: "Macht aus den Eingeborenen Christen und heiratet ihre Frauen", wollte die Ostindischen Compagnie sich in nichts einmischen und in Ruhe Geschäfte machen. Die V.O.C. eroberte weite Teile des portugiesischen Kolonialreiches. Mit ihrem eigenen Heer führte sie im Fernen Osten erfolgreich Krieg, auch gegen die Konkurrenz aus Spanien und England. Durch militärische Übermacht und geschickte Geschäftstaktiken brachte sie den Gewürzhandel ganz in ihre Hand.
© Text: WDR
