Vanille ist eine lianenartige Kletterorchidee. Die Blüte existiert nur einen einzigen Tag und bildet nach ihrer Bestäubung eine grüne Fruchtkapsel, die Schote. Vanille wurde schon vor 4.000 Jahren in Mesoamerika, dem heutigen Mittelamerika, angebaut. Die Azteken bezahlten damit ihre Steuern. Sie nutzten Vanille als Gewürz und Medizin, die das Herz stärkt, Angst und Müdigkeit beseitigt. Die Indianerinnen rieben sich mit der Schote über Haar, Haut und Kleidung, um ihre Anziehungskraft zu erhöhen. Das funktionierte, denn Vanillin, der Duftstoff der Vanille, ist chemisch verwandt mit den Sexuallockstoffen des Menschen.
Januar 1519: Hernán Cortés startete seine Expedition aufs Festland. Für viele Azteken verkörperte der Spanier ihren Gottkönig Quetzacoatl, der mit weißer Haut und roten Haaren zur Erde zurückkehren sollte. Bei seinem Einzug in die prächtige Hauptstadt Tenochtitlán, heute Mexiko-City, bewirtete Moctezuma den Conquistador mit seiner bitter-süßen, vanillegewürzten Schokolade. Zu spät erkannten die Indianer ihren Irrtum: der Rothaarige war kein Gott.
Der Untergangs des Aztekenreiches war der Anfang der Kolonisation Mittelamerikas. Die spanischen Handelsschiffe nahmen nicht nur tonnenweise Gold und Silber mit in die Heimat, sondern auch die fremden Gewürze Piment, Chili und natürlich Vanille.
Die Ausfuhr der einzigartigen Urpflanze war verboten, damit das spanische Handelsmonopol gesichert blieb. Dennoch gelangten 1807 Stecklinge auf geheimnisvollem Weg in die Botanischen Gärten von Antwerpen und Paris, nach Java und auf die Insel La Réunion. 1841 gelang die erste künstliche Befruchtung der Orchidee. Dies bedeutete das Ende der spanischen Marktbeherrschung. Seit 1874 kann man Vanillin auch im Labor herstellen. Doch das Aroma aus der Retorte macht die Vanillebauern arbeitslos und führt zum Rückgang der Einnahmen. Eine Existenzbedrohung für die kleinen Anbauinseln, denn sie sind abhängig vom Export der Königin der Gewürze. [mehr]