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Archäologen machen 1935 auf der dänischen Insel Fünen eine bemerkenswerte Entdeckung: Sie finden das Grabmal einer germanischen Priesterin. Antike römische Historiker erwähnten immer wieder den großen Einfluss der Priesterinnen auf die Germanen. Die historischen Quellen und die moderne Wissenschaft ermöglichen es, das Leben einer Priesterin von damals zu rekonstruieren.
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Die Germanen glauben, dass Priesterinnen in die Zukunft sehen können. Seherinnen genießen großen Respekt und ihre Voraussagungen gelten als verlässlich, wie der römische Historiker Tacitus berichtet. Im germanischen Stamm der Sueben ist es Brauch, vor jedem Krieg das Orakel zu befragen. Ein ungünstiges Orakel hätte Ariovist, dem Fürst der Sueben, wohl kaum gefallen.
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Im 1. Jahrhundert vor Christus ziehen die Sueben vom heutigen Norddeutschland ins Elsass. Sie gründen ein eigenes Reich. Der römische Feldherr Caesar sieht in dem Stamm eine große Gefahr und rückt 58 vor Christus gegen sie vor. Obwohl sich die römischen Truppen vor den berüchtigten suebischen Kriegern fürchten, mobilisiert Caesar seine Einheiten: Kampf gegen die Germanen, denn so nennt Cesar alle Stämme rechts des Rheins.
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Caesar provoziert die in einer Wagenburg verschanzten Germanen, die dann gegen den Rat des Orakels in den Krieg ziehen und verlieren. Die Sueben werden bis an den Rhein zurückgeschlagen. Von nun an bildet der Rhein die Grenze zwischen dem römischen Imperium und den germanischen Stämmen.
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Im heutigen Ostfriesland untersuchen Archäologen die Überreste einer germanischen Siedlung. Die Rekonstruktion ist schwierig, weil die Germanen mit vergänglichen Rohstoffen wie Holz und Lehm gebaut haben. Erkennbar sind der Grundriss und das Bauprinzip der germanischen Langhäuser. Funde von Samen und Pflanzenresten geben Aufschluss über den Speiseplan der Germanen: hauptsächlich Gerste- und Hirsebrei, dazu Beeren, Pilze und Nüsse. Fleisch gab es nur selten.
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Die Germanen glauben an verschiedene Götter - etwa an die Schicksalgöttinen oder Nornen. Sie sollen das Schicksal eine Kindes schon von Geburt an bestimmen. Weil sie selbst nichts schriftlich überliefert haben, stammen alle Berichte von Römern oder Griechen - wie zum Beispiel die "Eiswassertaufe": Dabei sollen Neugeborene ins eisige Wasser eines Flusses getaucht worden sein. Zur Abhärtung, wie griechische Schreiber vermuten.
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Ob die Kleidung der Germanen so grob und plump war, wie die Römer berichteten, können Wissenschaftler heute an Stoffresten untersuchen, die in Mooren über die Zeit erhalten geblieben sind: kunstvoll gewebtes Tuch aus Wolle oder Leinen. Die Ärchaologen finden außerdem heraus, dass die Germanen farbige Kleidung liebten. Mit Pigmenten aus Erde, Pflanzen und Schnecken haben sie ihre Stoffe eingefärbt.
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In Mooren stoßen Torfstecher auf unheimliche Funde: Moorleichen, erstaunlich gut konserviert. Vermutlich handelt es sich bei einigen Leichen um Menschenopfer. So soll zum Beispiel das göttliche Wesen Nerthus, die Mutter Erde, mit Opfergaben positiv gestimmt werden. Die Germanen glaubten, dass Götter das Schicksal der Menschen bestimmen. Die häufigsten Opfergaben der Germanen waren Tiere und Nahrungsmittel.
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In Oberdorla in Thüringen haben Archäologen eine germanische Opferstätte ausgegraben und rekonstruiert. Dort fanden sie auch so genannte Pfahlgötzen. Das sind Holzfiguren in Menschengestalt, die vermutlich einem Fruchtbarkeitskult dienten. Mit der einer speziellen Untersuchung, der Radiocarbon-Methode, können Wissenschaftler anhand eines kleinen Holzstücks feststellen, wie alt die Figuren sind.
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Seit dem 1. Jahrhundert vor Christus ehren die Germanen männliche Gottheiten, wie den Gott des Krieges. Bei ihren Kämpfen überschreiten sie den Rhein und fallen in das römische Gallien ein. Der römische Feldherr Drusus errichtet mehrere Feldlager entlang des Rheins und unterwirft von dort aus fast ganz Germanien. Später sollen die Germanen von der kulturellen Überlegenheit der Römer überzeugen werden und sich freiwillig unterwerfen. Eine Stadtgründung am Rhein macht den Anfang: Das antike Köln.
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Der früheste archäologische Fund in Köln ist das Fundament eines Steinturm aus dem Jahr 4 nach Christus. Die Stadt im Gebiet der Ubier gilt als Geschenk des römischen Kaisers an die unterworfenen germanischen Stämme, die hier einmal im Jahr zusammenkommen und ihr Bündnis mit Rom erneuern sollen. Die Römer haben ein großes Interesse am Friedensschluss mit den Germanen - als Verbündete, um die neu eroberten Gebiete zu sichern.
