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Sachinformation: Gezeiten formen das Watt

Watt entsteht an Flachküsten, die im Einflussbereich der Gezeiten liegen, so auch an der Nordseeküste. Hier entstand das Watt im Zuge des postglazialen Meeresspiegelanstiegs. Durch Sedimentation wurde den älteren Glazialablagerungen des Meeresbodens ein etwa 10 bis 20 m mächtiger Wattenkörper aufgelagert. Die Watten der Nordsee bedecken etwa 3400 qkm und sind im Bereich der schleswig-holsteinischen Westküste etwa 20 km breit. Das Material des Watt stammt vorwiegend aus umgelagerten und aufgearbeiteten Eiszeitsedimenten der tieferen Nordsee und aus im Abbruch befindlichen Küstengebieten.

Bei Flut wird das Watt überschwemmt, bei Ebbe fällt es trocken (hellgrün)

Man unterscheidet Sand- und Schlickwatt. Das Sandwatt nimmt den größeren Anteil ein und befindet sich im äußeren Bereich. Hier werden wegen der stärkeren Strömung und Wellenbewegung nur Sande sedimentiert. Bei jeder Flut wird die oberste Lage mehr oder weniger tief umgelagert. Die feinen Teile werden dabei ausgewaschen, schwebend fortgeführt und schließlich im ruhigeren Wasser sedimentiert. Im Bereich mit geringerer Wassertiefe herrscht eine abgeschwächte Wasserbewegung vor. Deshalb können sich hier die feineren Schwebstoffpartikel niederschlagen. Schlick wird am stärksten in der Gezeiten-Phase abgelagert, in der sich Ebbe und Flut ablösen, weil dann die Wasserströmung gering ist.

  • stürmische See
  • Diese schwarzen Schichten haben sich vor fast 10 Millionen Jahren auf dem Boden eines Urmeeres gebildet. Sie bestehen aus abgestorbenen Pflanzen und Tieren.

  • Das Morsum-Kliff auf Sylt.

Sedimentationsbedingungen wechseln im Watt von Ort zu Ort. Deshalb stehen je nach Strömungsverhältnissen Anlandungsgebiete solchen der Abtragung gegenüber. Im flachsten Bereich des Wattenmeeres, also küstennah, und im Schutz von Sandbänken kann Sedimentation zur Aufhöhung von Böden über das mittlere Hochwasserniveau führen. Dann wird der ehemals im Rhythmus der Gezeiten bei jeder Flut überschwemmte Bereich zu Marsch, also einem Bereich mit nur noch gelegentlicher Überflutung bei besonders hohen Wasserständen. Wichtige Rolle bei der Aufhöhung zur Marsch spielt die Vegetation. Die Vegetation beruhigt die Strömung, führt zu verstärkter Sedimentation und befestigt den Schlickboden.

  • Priele

Watt und Marsch gehören zum ständigen Einflussbereich der Gezeiten. Die stärksten morphologischen Auswirkungen auf diese Bereiche haben aber die Sturmfluten. Bei einer Sturmflut wird etwa 70 mal mehr Sand verlagert als bei einer normalen Flut (Wilhelmy 1992).

Die ständige rasche Be- und Entwässerung der Wattfläche wird durch die Priele, ein Rinnensystem an Wasserläufen, ermöglicht. Größere Priele haben sich bis zu 30 m tief eingeschnitten.