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Sachinformation: Der Oberrhein - Der Rheinausbau im 20. Jahrhundert

Der Rheinseitenkanal

Die folgende große Maßnahme sollte vor allem der Energiegewinnung dienen. Im Versailler Vertrag von 1919 war Frankreich das Recht auf totale Nutzung des Rheinwassers als Kriegsentschädigungsleistung zugesprochen worden. Die Franzosen bauten daraufhin den Rheinseitenkanal (Grand Canal d´Alsace) und mehrere Kraftwerke. Der Kanal ist seitlich ausbetoniert und an der Sohle abgedichtet. 98% des Rheinwassers wird in den Kanal geleitet und dient der Stromerzeugung an den Kraftwerken. Die Abdichtung verhindert, dass Kanalwasser ins Grundwasser gelangt. Starkes Absinken des Grundwasserspiegels war die Folge und damit starb der Auenwald ab. Daher entschied man sich, beim weiteren Ausbau nördlich von Breisach auf die "Schlingenlösung" umzusteigen.

Die Schlingenlösung / Staustufen

Der Schifffahrtsweg verläuft abwechselnd im Rhein und im Kanal, den Schlingen. An den Schlingen liegen Staustufen mit Kraftwerken und Schiffsschleusen. Im Altrhein wurden Kulturwehre gebaut, die dafür sorgen, dass immer genügend Wasser im Flussbett ist und damit ein weiteres Absinken des Grundwasserspiegels verhindert. Das Absinken des Grundwasserspiegels konnte durch die Schlingenlösung verringert werden. Als Problem blieb aber die Tiefenerosion des Flusses aufgrund seiner Verkürzung und des damit einhergehenden stärkeren Gefälles bestehen. Der Bau weiterer Staustufen bei Gambsheim und Iffezheim sollte neben der Energiegewinnung der Vermeidung einer weiteren Sohlenerosion dienen.

  • Staustufe Iffezheim

Illustration: Rheinseitenkanal, Schlingenlösung und Staustufen

Kembs 1932 - Ottmarsheim 1952 - Fessenheim 1956 - Vogelgrün 1959 - Marckolsheim 1960 - Rhinau 1963 - Gerstheim 1966 - Straßburg 1970 - Gambsheim 1974 - Iffezheim 1977

Graph: Rheinseitenkanal, Schlingenlösung und Staustufen

nach: Rolf Koch

Phasen der Eingriffe in den Naturhaushalt am Oberrhein (nach Rolf Koch)

Phase Eingriff Grund Projekt
I Begradigung Hochwasserschutz, Landgewinnung nach Tulla: 1818 erster Durchstich, 1830-1879 (Hauptarbeit)
Rheinregulierung Schifffahrt auch bei Niedrigwasser nach Honsell: 1912-1940
II Rheinseitenkanal in Parallelbauweise (Basel-Breisach) Energiegewinnung französisches Projekt (Grundlage Versailler Vertrag) 1928-1959
III Schlingenlösung (Breisach-Straßburg) Energiegewinnung, Grundwasserstabilisierung französisches Projekt (Deutsch-französisches Abkommen 1956) 1961-1970
IV Bau von Stautufen im Rhein (Straßburg-Karlsruhe) Bekämpfung der Sohlenerosion deutsch-französisches Projekt; 2 Stufen gebaut; Bau der 3. Stufe (bei Neuburgweier) aufgehoben zugunsten der Geschiebezugabe