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Thema

Im Albvorland steht der Ölschiefer des Lias epsilon auf etwa 150 Kilometer Länge über Tage an. Wegen der häufigen Funde der Muschel Posidonomya Bronni bezeichnet man ihn als Posidonienschiefer. Sein Abbau und seine Nutzung haben eine lange Geschichte.

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Was sich vor Millionen Jahren auf der Erde abgespielt haben könnte, ist beliebter Stoff für Schriftsteller und Drehbuchschreiber. Saurier tauchen als Großdarsteller in Spielfilmen auf und als kleine Gummimonster in fast jedem Klassenzimmer.

Die Faszination liegt in der Andersartigkeit dieser Lebensformen im Vergleich mit heutigen Organismen. Doch waren Exoten wie Fisch- und Flugsaurier, Seelilien, Belemniten und Ammoniten nicht tausende Kilometer entfernt zuhause, sondern direkt vor unserer Haustür. Für denjenigen, der genau hinsieht, wird die schwäbische Alb zum "Jurassic Park" der Versteinerungen. Auf ihren Spuren bewegt sich der Film und zeigt, wie man das im Stein begrabene Wissen entschlüsselt.

Es geht aber auch um die Energie, die im Gestein schlummert, und bis heute ebenso sinnvoll genutzt wird wie der weiße und der schwarze Jura selbst. Gegen Ende des 2. Weltkriegs sollte der Ölschiefer sogar Flugbenzin liefern, und zahlreiche Menschen wurden dafür in den Arbeitslagern gequält, viele von ihnen vernichtet. Zeitzeugen kommen heute zurück und versuchen, die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten.

  • Ichthyosaurier
  • Ichthyosaurier-Platte

Grafik: Gesteinsschichten

Vorbemerkungen

Im Albvorland steht der Ölschiefer des Lias epsilon auf etwa 150 Kilometer Länge über Tage an. Er erlangte Weltruhm durch die hervorragend erhaltenen Fossilien. Der Trick zeigt in einer nachgestellten Urlandschaft typische Vertreter der Jurazeit: Flugsaurier, Plesiosaurier und Ichthyosaurier. Im Steinbruch der Firma Rohrbach Zement in Dotternhausen bei Balingen sucht Rolf Uttenweiler, einer der Präparatoren der Firma, nach Fossilien. In seiner Werkstatt zeigt er, wie man die Überreste ausgestorbener Tiere, beispielsweise von Ichthyosauriern, freilegt. Diese Reptilien waren an das Leben im Wasser angepaßt und ähneln in der Körperform den heutigen Delphinen. Ein typisches Beispiel für Konvergenz. Die Versteinerung eines Ichthyosaurierweibchens mit Embryonen erklärt die Fortpflanzung: Die Jungen schlüpften bereits im Mutterleib aus den Eiern und kamen lebend zur Welt.

Zu Beginn des Jurazeitalters war Süddeutschland von einem flachen Meer bedeckt. Das Leben spielte sich überwiegend in den oberen Wasserschichten ab. Der Meeresboden hingegen war eine lebensfeindliche Zone. Sauerstoffmangel und giftiger Schwefelwasserstoff ließen kaum Bodenleben zu. Tote Tiere verwesten aufgrund des Sauerstoffmangels nicht, sondern sie verfaulten. Die Fäulnisprozesse verhinderten eine vollständige Zersetzung der zu Boden gesunkenen Tiere, so daß als große Besonderheit u.a. Weichteile von Sauriern in Form eines schwarzen Belags erhalten sind. Manchmal findet man auch sogenannte "Laibsteine". Sie bestehen aus massivem Kalk, der sich um Tierkadaver angesammelt hat, z.B. um Schmelzschuppenfische. Sie waren die häufigsten Fische im Jurameer, von denen nur noch wenige Verwandte, wie der Knochenhecht, heute leben.

Viele Schulklassen besuchen die Steinbrüche Holzmadens. Hier dürfen die Kinder nach Herzenslust "klopfen". Am häufigsten finden sie Reste von Ammoniten, die fälschlicherweise als Schnecken bezeichnet werden. In Wirklichkeit sind es aber Tintenfische, ähnlich dem heute lebenden Nautilus.

Die Ölschieferbrüche bei Holzmaden sind Einmannbetriebe. Kurt Kromer birgt alleine, nur mit Hilfe seiner Maschinen, tonnenschwere Ölschieferplatten für die Produktion von Tischplatten. Bei Fossilienfunden, die besonders groß oder wertvoll sind, holt Kurt Kromer Hilfe aus dem Museum Hauff. Die Präparation mancher Funde, wie z.B. bei Seelilien, kann mehrere Jahre dauern. Seelilien lebten zu Hunderten auf Baumstämmen, die durchs Meer trieben.

Gemälde aus dem 19. Jahrhundert spiegeln die damalige Vorstellung vom Leben im Jurameer wider. Man erkennt Plesiosaurier und Flugsaurier. Den Ichthyosauriern fehlt allerdings die Rückenflosse. Das ist dem Künstler aber nicht anzukreiden, denn erst Jahrzehnte später fand man Versteinerungen, bei denen auch der Körperumriß zu erkennen war. Auf den Bildern sind auch Tintenfische zu sehen, von denen man meistens nur Teile des Skeletts, die sogenannten "Donnerkeile", findet.

Fossilien aus der Jurazeit kann man im Werkforum der Firma Rohrbach besichtigen. Dies ist kein Zufall, denn der Ölschiefer wird hier für die Zementherstellung genutzt. Das mit Ölschiefer befeuerte Kraftwerk ist die Hauptenergiequelle der Zementfabrik. Mineralien, die bei der Verbrennung zurückbleiben, dienen außerdem als wertvoller Rohstoff bei der Zementherstellung.

Ein Versuch zeigt, wie leicht der Ölschiefer brennt und wie man Öl daraus gewinnen kann. Die Brennbarkeit des Gesteins kann dazu führen, daß kleine Lagerfeuer Schwelbrände verursachen, die dann nur schwer wieder zu löschen sind.

  • Ichthyosaurier
  • Ende des 19. Jahrhunderts - Gemälde von Friedrich Rolle
  • Plesiosaurier
  • nachgestellte Urlandschaften
  • nachgestellte Urlandschaften
  • Ichthyosaurier

Bei Erzingen setzte man solche Schwelbrände früher absichtlich ein. Im Zweiten Weltkrieg wurden Meiler aufgeschüttet, um Öl zu gewinnen. Unter dem Tarnnamen "Wüste" wurden im Vorland der Schwäbischen Alb zehn Ölschieferwerke gebaut. In unmittelbarer Nähe entstanden sieben Konzentrationslager, deren Insassen in den Ölschiefersteinbrüchen zwangsarbeiten mußten. Einer der Überlebenden, Charles Hausemer erzählt von seiner damaligen Arbeit und den unerträglichen Bedingungen. Das Unternehmen Wüste war Hitlers letzte Hoffnung Treibstoff zu erhalten, da die Benzinvorräte durch die Bombardierung der Energieversorgungszentren stark dezimiert waren. Helge Norseth, auch ein ehemaliger KZ-Häftling, erklärt die Sinnlosigkeit dieses Vorhabens. Im gesamten Ölschiefergebiet wurden 3500 Häftlinge zu Tode geschunden. In einer Schule berichtet Helge Norseth über seine Erfahrungen im Konzentrationslager Dautmergen. An der Gedenkstätte Eckerwald bei Rottweil trauern die beiden ehemaligen KZ-Insassen, zusammen mit engagierten Deutschen, um die Toten.