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Ebola, HIV, Grippe - bereits die Namen dieser Krankheiten jagen uns Schauer über den Rücken. Sie kommen ohne jede Vorwarnung, greifen blitzartig an, verursachen Chaos und Tod und verschwinden genauso plötzlich. Die Wissenschaft weiß wenig über neue Seuchen - wo sie herkommen, wie sie verlaufen und wann sie als nächstes zuschlagen. Wir leben alle im Angesicht des Todes, verursacht von der einfachsten genetischen Form auf der Erde: dem anspruchslosen Virus.
Mittlerweile weiß die Forschung, dass Seuchen kein Phänomen der neueren Geschichte sind. Vielmehr könnten Virus-Infektionen der Grund sein für die größten Ausrottungskatastrophen auf der Erde, auch für das Aussterben der riesigen eiszeitlichen Mammuts. War es eine Seuche, die die unvorstellbar großen Herden dieser Tiere hinwegraffte? Diese Frage ließ den amerikanischen Paläontologe Ross MacPhee in die weiten Steppen Sibiriens aufbrechen, um 20.000 Jahr alte Mammut-Knochen zu finden. Er vermutet ein Killervirus hinter dem Aussterben dieser riesigen Tiere, ein Virus, das womöglich vom Menschen der Eiszeit auf die Mammuts übertragen wurde. Wenn er den Beweis dafür in der DNA des Mammuts finden kann, müsste das Buch der Natur-Geschichte neu geschrieben werden. Noch viel wichtiger wäre die Erkenntnis, auf welche Weise Viren zwischen verschiedenen Arten springen können. Das wäre ein ungeheuer großer Schritt, um zukünftige Virus-Epidemien zu verhindern - beim Tier wie beim Menschen. Während unser Planet mehr und mehr überbevölkert wird, während wir selbst in den abgelegensten Gebieten zu siedeln beginnen, stöbern wir wahrscheinlich Viren auf, die zigtausende von Jahren dort isoliert waren. Ross MacPhee macht das äußerst besorgt: Wie werden sich diese menschlichen Aktivitäten auswirken auf die zukünftige Gesundheit des Planeten? Eine Antwort findet er vielleicht in dem Mammut, ausgegraben in den Weiten der sibirischen Tundra. Es ist eine Antwort, auf die wir sehr Acht geben sollten. Denn was die Mammuts tötete, kann eines Tages auch uns töten.
Innerhalb weniger Jahrhunderte starben die Mammuts aus, aber die Ursache ihres Untergangs bleibt ein Rätsel.
Ross MacPhee glaubt die Lösung gefunden zu haben. Er glaubt ein mikroskopisch kleiner Feind wurde den mächtigen Tieren zum Verhängnis. Ein Virus sei von einer anderen Art auf die Mammuts übergesprungen.
Vor 13.000 Jahren wimmelte es nur so vor Leben. Hunderte Arten stritten sich um die besten Plätze auf dem Grasland. Plötzlich starb eine Art nach der anderen aus.Innerhalb weniger hundert Jahre war das Riesenmammut nur noch Geschichte. Bis heute kennt niemand das Wie und Warum. Das große Aussterben scheint weltweit nach dem gleichen Muster abgelaufen zu sein.
Mac Phee wandte sich an den Virusexperten Preston Marx: "Es ist ungewöhnlich, dass ein Virus von einer Art zur anderen springt. Denn es ist schwierig für ein Virus, sich einer neuen Spezies anzupassen. Es muss in den Zellen der Neuen erwachsen können."
Die beiden Wissenschaftler entwickelten die Theorie der Hyperkrankheit. Mehr als 5 Jahre lang arbeiteten Marx und MacPhee die Theorie aus. Das Killervirus muss rasant gearbeitet haben und schnell zwischen Arten hin- und hergesprungen sein, die keine natürliche Abwehr dagegen hatten und, was entscheidend ist, das Virus brauchte zu seiner Verbreitung einen Überträger, der selbst nicht infiziert war.
Der entscheidende Beweis würde in der DNA der prähistorischen Mammutknochen liegen. Und die findet man am besten in der sibirischen Tundra.
Sibirien, Wrangel-Insel: Das Team um MacPhee sucht zwischen den kleinen Flüssen herum, die die Tundra ins nördliche Eismeer entwässern. Mammutzähne und Knochen liegen überall herum.
Beim Bohren fällt sogar Knochenmark an, nach Tausenden von Jahren immer noch intakt. Im Knochenmark, DNA.
Mammutzähne und Knochen liegen überall herum.
So sehen Gensequenzen aus, immer dieselben vier chemischen Substanzen. Verknüpft zu einem endlosen Strang, mit einem für jedes Lebewesen einzigartigen Muster.
In New York beginnt die wirkliche Gen-Jagd: Die Suche nach viraler DNA in den prähistorischen Mammutknochen. Langsam geben die Mammutknochen von der Wrangel-Insel ihre Geheimnisse preis. Aber die Suche könnte noch Jahre dauern und Knochen allein liefern vielleicht nicht den entscheidenden Beweis. Denn viele Viren infizieren Knochengewebe überhaupt nicht.
© Text: Noreen Krespach-Schindler
