zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.
Der Verlauf der weiteren italienischen Geschichte ab 1300 war geprägt vom Konkurrenzkampf der Stadtrepubliken untereinander. Wenn nun eine Stadt in den Krieg zog, schickte man einen von Ochsen gezogenen Wagen vor. Er trug die Wappen der Gemeinde, der Stadt und des Volkes. Letztlich fochten daher unter der Führung eines Kondottiere, wenn z.B. Florenz Mailand angriff, die roten Lilien gegen den blauen Drachen.
Erst vier Jahrhunderte danach entwickelte sich unter dem Einfluss der französischen Revolution ein anderer, ein im engeren Sinne nationaler Geist. Man entschloss sich an der Seite der napoleonischen Armee gegen die Habsburger vorzugehen, um die Österreicher aus Oberitalien zu vertreiben. Nach der Befreiung der Lombardei überreichte Napoleon der "Nationalgarde" Italiens eine Fahne mit den Farben Blau, Weiß und Rot. Integriert waren darin republikanische Symbole. Später wurden die Uniformen grün und weiß mit roten Schulterstücken und Gamaschen. Die Lombarden ersetzten schließlich das Blau in der Trikolore durch Grün, die Farbe der Hoffnung, der Unabhängigkeit und der nationalen Einheit.
Als Ergebnis des revolutionären Eifers Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte sich zunächst in der Reggio Emilia und dann unter Napoleons Einfluss in ganz Oberitalien die "Republik Cispadania". Deren Symbol wurde eine Fahne mit den Farben Grün, Weiß, Rot und der Inschrift "Republik Cispadania". Das Modell fand unter dem Zeichen verschiedener Trikoloren Nachahmung. Aber nach der Niederlage Napoleons 1815 in Waterloo kehrten die alten, monarchischen Zustände und Besatzungen schnell zurück. In Oberitalien geblieben waren aber die positiven Erinnerungen an die republikanische Zeit, trotz des Besatzungsdrucks durch die französischen Truppen.
Die italienischen Patrioten wurden bestärkt durch Treffen mit anderen militanten Europäern, als sie aufgrund österreichischer Repressionen ins Exil gingen. Zurück auf der Halbinsel gründeten dann 1831 Politiker wie Mazzini und Garibaldi die Bewegung des "Jungen Italien", die sich für eine brüderliche, allgemeine, demokratische und soziale italienische Republik stark machte. Die Bewegung zur "Wiedergeburt" Italiens (Il Risorgimento) versuchte für dieses Ziel die Gesamtheit des Volkes zu einen. Eine zweite grün-weiß-rote Welle überflutete 1848 Italien, Symbol eines einzigen Vaterlandes. In Sizilien und anderen Staaten auf der italienischen Halbinsel akzeptierte man unter dem patriotischen Druck mehr oder minder enthusiastisch die grün-weiß-rote Fahne, verband aber symbolisch jeweils das eigene Wappen mit der Flagge. Als von Mailand aus ein Aufstand gegen die Österreicher losbrach, schlossen sich die Fürsten von Savoyen und später Sardinien den Revolutionären an. Leider schlug dieser erste Versuch nationaler Einheit fehl; die Österreicher behielten die Oberhand. Nach der Rückkehr der kaiserlich österreichischen Flagge konnte man im besetzten Mailand nur noch den Freiheitsideen in Verdis Opern zujubeln.
Die nationale Kräfte gaben jedoch keine Ruhe. Als 1859 ein Bündnis mit Napoleon III. die notwendige militärische Stärke sicherte, schlug eine franco-sardische Allianz die Österreicher bei Solferino entscheidend. Von Süden erreichte Garibaldi durch eine Massenbewegung den Anschluss Sziliens und anderer italienischer Gebiete an Piemont. 1861 wählte ein Parlament zusammengesetzt aus Vertretern nahezu aller italienischer Staaten Viktor Emanuel II. zum König von Italien. Nach der Einnahme von Rom war 1870 der Kampf um die nationale Einheit beendet. Die neue Nation stand unter der grün-weiß-roten Trikolore. Hinzugefügt war das Kreuz von Savoyen und die Königskrone. Auch zur Zeit der faschistischen Diktatur änderte Mussolini das Staatssymbol nicht. Erst als 1943 angesichts einer Niederlage der König den Faschistenführer fallen ließ, dekretierte Mussolini eine neue Flagge: die grün-weiß-rote Trikolore mit einem römischen Adler. Dieser wurde im Zeichen des demokratischen Neubeginns 1946 genauso getilgt wie die desavouierten königlichen Symbole Krone und savoyisches Kreuz. Ob Grün-Weiß-Rot für alle Zeiten nationales Symbol Italiens bleibt, wird aber seit 1990 - über ein Jahrhundert nach Garibaldi - durch die Autonomiebewegung in Oberitalien in Frage gestellt.
© Text: Norbert Zwölfer / Wolfgang Antritter
