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Im Mittelalter hatten nationale Symbole besondere Bedeutung; man kämpfte sogar, um die Macht der eigenen Flagge zu demonstrieren. Der französische König z.B. begann mit England einen Krieg, als König Edward III. zur Demonstration seines Erbanspruches auf Frankreich seinem Wappen drei Lilien hinzufügte. Die weiße Fahne Jean d'Arcs konnte aber erst 1429 den Sieg für Frankreich im 100jährigen Krieg bringen. Weiß wurde 1594 zusätzlich wichtig, als Heinrich IV. unter dieser Fahne Frankreich einigte. Seit Ludwig XIV. sind dann Weiß und Blau sowie die Lilien königliche Symbole.
Die Kreuzzüge, die das heilige Land befreien wollten, versahen ihre rote Fahne mit dem Kreuz Christi
Färbemeister bieten den mächtigen blaugefärbte Stoffe an. Königsblau wird zur meistbegehrten Farbe.
Zu den drei Löwen fügte der englische König drei französische Lilien. Eine solche Beleidigung bedeutete Krieg.
Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zogen französische Freiwillige hinter einer weißen Fahne in den Krieg für Freiheit und Demokratie. Amerikas blau-weiß-rote Flagge fand dann bei der Bevölkerung von Paris 1780 als Fahne der Freiheit Gefallen. "Blau-weiß-rot" wehte daher auf den Barrikaden von 1789. Die Farben bestimmten die Uniform der Nationalgarde, die revolutionäre Kokarde und die Mützen, die die Aufständischen trugen. Mit den drei Farben zog die Idee von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in die Köpfe der Menschen des frühen 19. Jahrhunderts. Diese Ideen verbreiteten auch Napoleons Soldaten, die ab 1795 Europa mit Krieg überzogen und in den besetzten Ländern Nationalbewußtsein weckten. 1815 kehrte mit Napoleons Niederlage die weiße Flagge der Monarchie zurück. Als der letzte bourbonische König die bürgerlichen Freiheiten verweigerte, setzte sich mit der Juli-Revolution von 1830 Blau-Weiß-Rot als französische Staatsflagge durch.
Eine neue Konkurrenz erwuchs der Trikolore durch die rote Fahne der Proletarier in den Aufständen des Jahres 1848. Sie galt als Symbol des Kampfes für soziale Gerechtigkeit. Weil das Bürgertum sich einer Umwandlung der Nationalflagge widersetzte, spaltete sich die Nation. 1885 versuchte der Staat eine nationale Versöhnung mit einem Bündel von Maßnahmen: Das Bildungssystem wurde verstaatlicht, die französische Sprache verbindlich für alle Landesteile und die Trikolore sollte ihren festen Platz in Schule und Bürgermeisteramt finden.
So institutionalisiert, wehte Blau-Weiß-Rot auch 1914 den Soldaten aus den französischen Kolonien voran, die im 1. Weltkrieg in vorderster Linie standen. Aber in den Schützengräben entbrannte erneut der Kampf zwischen Rot und Blau-Weiß-Rot. Soldaten unter der roten Fahne weigerten sich auf ihre "Brüder der Arbeiterklasse" zu schießen. Für die Anhänger von Blau-Weiß-Rot bedeutete dies Verrat; sie setzten sich durch.
Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts verschärfte sich im Zuge der Wirtschaftskrise der ideologische Gegensatz erneut. 1936 bildete sich unter der roten Fahne der Arbeiterbewegung die Volksfront; ihr gegenüber versammelte sich die extreme Rechte unter der Trikolore; im Vichy-Regime fügte Marschall Pétain 1940 der Flagge eine Streitaxt hinzu. De Gaulle im Londoner Exil wählte dagegen das lothringische Kreuz auf der republikanischen Fahne. Im Zeichen der wiedergefundenen Freiheit kehrten die Franzosen 1945 jedoch zur Trikolore der Republik zurück. Auch nach den blutigen Auseinandersetzungen im Algerienkrieg, sowie dem Mai-Aufstand von 1968 wurde an ihr festgehalten.
© Text: Norbert Zwölfer / Wolfgang Antritter
