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Wissen zu "Belgien"

Den größten Erfolg hatte zunächst der Herzog von Brabant, der sich - vor allem mit der Hilfe der städtischen Bürger - sowohl gegen das Heilige Römische Reich (1288) als auch gegen Frankreich - in der Schlacht von Éperons d'Or, 1302 - siegreich behauptete. Der Beistand verschaffte den Städten große politische und wirtschaftliche Freiheit. Vor allem Brugge kam zu großem Reichtum und die Handelsherrn entwickelten zur Verteidigung ihrer Privilegien einen starken Bürgersinn. Adel, Geistlichkeit und Bürgertum verbündeten sich dabei.

Bemerkenswert war hier besonders die Situation in Brabant, wo die Bünde 1356 dem Herrscher den Vertrag "Joyeuse Entrée" abrangen. Dieser sicherte ihnen politische und wirtschafliche Freiheiten. Man konnte sogar von einer ersten Gewaltenteilung sprechen, die bis ins 18. Jahrhundert bestehen blieb.

Die Unabhängigkeit der Städte kollidierte allerdings mit der Heiratspolitik der Fürsten, die sie abzuschaffen versuchten. Als der französische König Flandern erhielt, erhoben sich die Bürger, unterlagen aber der französischen Lilie. Der Herzog von Burgund, Sohn des französischen Königs, faßte nun die Lilien, die goldenen und blauen Streifen Burgunds sowie den flandrischen Löwen zu einem Wappen zusammen. Als burgundisches Kriegsbanner wehte über Belgien auch ein rotes Kreuz auf weißem Grund. Es unterdrückte 1460 alle Versuche aufsässiger Städte auf mehr Unabhängigkeit.

Als 1478 Maria von Burgund Maximilian von Österreich heiratete, wurden das Gelb und Blau der sieben Provinzen Burgunds mit dem Blau-Weiß-Rot der Österreicher vereint. 1515 entstanden aus 17 Provinzen, durch Heirat und Erbschaft zusammengekommen, die Niederlande.

Die Niederlande erkannten Karl V., geboren in Gent, als ihren König an. Dieser schwor die alte Charta von 1356 zu achten. In der Fahne der spanischen Niederlande waren das Rot und Gelb Österreich-Spaniens und das burgundische Kreuz auf weißem Grund vereint. In dieser Zeit wurde Antwerpen zum Symbol des Reichtums eines schnell expandierenden Landes. Die Entwicklung änderte sich, als nach der Reformation die Inquisition in den Niederlanden Fuß zu fassen suchte. Glaubenskriege führten zur Spaltung der 17 Provinzen. Sieben Nordprovinzen mit protestantischer Mehrheit scharten sich 1581 um das orange-weiß-blaue Banner Wilhelms von Nassau und errangen weitgehende Selbständigkeit.

  • Verkäufer am internationalen HafenDie Stadt mit ihrem internationalen Hafen ist Handelszentrum für feines Tuch, Gewürze und Edelsteine.
  • Abbildung vom belgischen Volk, denen die schwarz-rot-golden farbige Fahne verboten wurdeJoseph II. von Österreich verbot die Fahne mit den schwarz-rot-goldenen Farben von Brabant. In Brüssel kam es zum Aufstand.

Die südlichen Provinzen blieben unter spanischer Herrschaft. Die Bürger bemühten sich um eine Aussöhnung mit der spanischen Autorität. 1713 fielen die Südprovinzen jedoch an Österreich. Dessen Herrscher versprachen zwar die alten Privilegien zu respektieren. Joseph II. weigerte sich dann aber 1789 die Charta anzuerkennen. Die Fahne der Opposition mit dem Schwarz-Gold-Rot von Brabant wurde verboten, was zum offenen Aufstand in Brüssel führte. Forderung der Bürger war, die Gründung der Vereinigten Belgischen Staaten nach amerikanischem Vorbild. Das Löwenbanner konnte sich gegen das österreichische Rot-Weiß jedoch nicht durchsetzen.

Auch mit der Französischen Revolution stiegen die Chancen auf Eigenständigkeit nicht. Die Österreicher wurden zwar vertrieben; dafür annektierten aber die Franzosen alle Provinzen sowie das Fürstentum Lüttich. Nach Napoléons Niederlage formte der Wiener Kongress aus den niederländischen Nord- und den belgischen Südprovinzen erneut die Niederlande. König wurde Wilhelm I. von Oranien. Er ordnete Flämisch als Landessprache an. Seine Unbeugsamkeit weckte Opposition. 1830 wankte das Banner des Oraniers. Anhänger der französischen Juli-Revolution hißten die Tricolore. In den Straßen erklang die Brabançonne, die spätere belgische Nationalhymne. Aufständische entwarfen die Fahne der Revolution: Rot-Gold-Schwarz, und wählten 1831 Leopold I. zum König einer konstitutionellen Monarchie. Französisch wurde Landessprache.

Mit der industriellen Revolution entwickelt sich ab 1850 auch in Belgien eine organisierte Arbeiterbewegung mit Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit und allgemeinem Wahlrecht. Die Vorherrschaft der französischen Sprache weckte außerdem das Selbstbewußtsein der Flamen. Ihre Wappentier war der Löwe; die Wallonen stellten den "wallonischen Hahn" dagegen. Der Gegensatz führt dazu, daß es - so ein Abgeordneter - in Belgien keine Belgier gibt. Im ersten Weltkrieg trat der Konflikt besonders hervor: Flämische Soldaten verstanden die Befehle wallonischer Offiziere nicht.

  • belgische MenschenmasseDie Mehrheit der Belgier fand sich mit Napoleon ab. Die Stimmung blieb jedoch antifranzösisch.
  • Abbildung von Wilhelm I. von OranienWilhelm I. von Oranien

Die Spannungen führten in den 30er Jahren zur Gründung zweier Sprachgebiete: Der Norden Belgiens spricht flämisch, der Süden französisch. Eine Sprachenbarriere trennt die Nation um so mehr, als um 1950 die Flamen mehr Unabhängigkeit forderten und neue Konflikte aufbrachen. 1970 wurde das Ende des Einheitsstaates proklamiert und ein "état communitaire" gebildet; ein Staat mit selbständigen Regionen. Einzig der Tod König Baudoins ließ 1993 kurzzeitig ein gemeinsames Nationalgefühl wieder aufflammen. Die Auseinandersetzungen um wirtschaftliche und politische Macht gewannen danach wieder Oberhand, in deren Zuge Belgien sich als Bundesstaat organisierte.

Als Symbol der Spannungen galt besonders Brüssel, da hier die Frage zu klären war: Hauptstadt der Flamen, der Wallonen oder - Europas.

  • Abbildung der belgischen ArbeiterparteiAus zahlreichen Arbeiterbewegungen ging die Belgische Arbeiterpartei hervor.
  • Abbildung der belgischen Fahne und dem Umriss von BelgienWird die belgische Fahne Symbol einer geteilten Nation in einem vereinten Europa bleiben?