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Frankreichs Arbeiterbewegung ist bis heute durch eine bemerkenswerte sozialistische Einstellung geprägt. Ursache dafür ist sicher nicht nur die enge Verbindung zu weltanschaulichen Gruppen - z.B. zur kommunistischen Partei. Das stärkere Bewußtsein gründet auch darauf, daß französische Proletarier in ihren Aktionen - wenn auch nur kurzfristig - erfolgreicher waren als ihre Nachbarn. Als Stichworte können hier "Volksfront" und "Pariser Kommune" dienen.
Erstere beeinflußte in den 30er Jahren das politische Leben erheblich. Ausgehend von einer innere Schwäche des konservativen Frankreich, das unter dem Eindruck revolutionärer und dynamischer Staaten, wie dem bolschewistischen Rußland, dem faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschland, vielen Franzosen jetzt so fragwürdig erschien. Eine latente Bürgerkriegsgefahr offenbarte sich anläßlich der von antiparlamentarischen und faschistischen Gruppen (z.B. den "Feuerkreuzlern") provozierten Unruhen des 6. Februar 1934, die nur mühsam aufgefangen werden konnten. Unter den folgenden Regierungen Flandin (1934/35) und Laval (1935/36) zeichnete sich - als Reaktion auf die faschistischen Bewegungen in den Frankreich umgebenden Ländern - ein deutliches Anschwellen der Linkspartelen ab, wobei die 1935 zur Sozialistisch-Republikanischen Union zusammengeschlossenen sozialistischen Gruppierungen sowohl mit den Radikalsozialisten wie mit den Kommunisten sympathisierten. Aus dieser Konstellation erwuchs die von Léon Blum geleitete Volksfrontbewegung, die im Mai 1936 einen eindeutigen Wahlsieg errang. Die einschneidenden Maßnahmen des Kabinetts Blum (1936/37) - inoffizielle Unterstützung der spanischen Volksfront im Bürgerkrieg, Verstaatlichungen und Einführung der 40-Stunden-Woche -, die eine Finanzkrise zur unmittelbaren Folge hatten, riefen nun wiederum den Widerstand der Rechtskreise vor allem im Senat hervor, so daß der Versuch einer zweiten Volksfrontregierung unter Blum im Frühjahr 1938 scheiterte. Der Gedanke blieb jedoch auch nach dem 2. Weltkrieg, genährt durch die Zusammenarbeit in der Résistance, virulent.
Der Abstieg begann, als während Erbstreitigkeiten die Spanier nach 1580 erneut Portugal vereinnahmten. Unter der spanischen Krone verlor Portugal seinen wertvollsten Besitz: die Gewürzinseln der Molukken und Ceylon an die aufstrebenden Holländer. Es nützte auch wenig, daß sich aufständische Portugiesen im Befreiungskampf gegen Spanien englischer Hilfe versicherten, da diese dabei waren, sowohl Portugiesen und Spaniern als auch dem unmittelbaren Konkurrent Holland den Rang einer ersten Seemacht streitig zu machen. In dieser Phase englischen Einflusses mußte Portugal den Methuen-Vertrag abschließen (1703), was moderne Entwicklungen in Portugal entschieden hemmte. Die europäische Randlage, die politische Isolierungen in einer faschistischen Diktatur unter Salazar und die hohen Kosten der Entkolonialisierung taten ihr übriges, daß in Portugal heute nur noch die mit dem Geld aus asiatischem Gewürzhandel und brasilianischer Sklavenwirtschaft erstellten Prachtbauten an die glorreiche Zeit erinnert, in der sich Spanien und Portugal die Neue Welt geteilt haben.
Das Vorbild der linken Gruppen ist bis heute das, was die Ahnväter der Sozialisten und Kommunisten unter dem Eindruck der Niederlage in Paris 1871 aufbauten. Die Opposition der republikanischen Pariser gegen die monarchisch gesinnte Nationalversammlung führte damals zum Aufstand der Pariser Nationalgarde gegen die Truppen der Regierung Thiers (18. 3. 1871). Aus den vom Zentralrat der Pariser Nationalgarden abgehaltenen Wahlen ging Ende März die Kommune hervor, ein aus 85 Personen gebildetes Stadtparlament, das die verschiedensten demokratisch-egalitären und sozialistischen Ideenrichtungen repräsentierte. Die von der Kommune ergriffenen Maßnahmen (Erlaß von Miet- und Wechselschulden, Arbeitsschutz, unentgeltlicher Schulunterricht) weisen in Richtung einer sozialen Republik. Da die Kommune nicht imstande war, eine wirksame politisch und mititärische Führung zu organisieren, erlag sie schließlich nach verlustreichen Kämpfen den in Paris eingedrungenen Regierungstruppen unter MacMahon (28. 5. 1871). Beim Endkampf der Kommune gegen die Regierungstruppen während der »blutigen Woche« (21.-28. 5.) gingen zahlreiche öffentliche Gebäude, z.B. auch die Tuilerien, in Flammen auf. Der Erschießung von 10 Geiseln (u. a. des Erzbischofs von Paris) durch die Kommune folgte ein furchtbares Strafgericht. Die Zahl der Opfer wird auf 20000 geschätzt. Bis 1875 folgten zahllose Prozesse (26 Hinrichtungen) und Deportationen.
Die Geschichte der Kommune ähnelt in ihrem grausamen Ende dem ersten Versuch auf französischem Boden eine soziale Republik aufzubauen, dem Aufstand von 1848. An ihm können nun
© Text: Norbert Zwölfer / Wolfgang Antritter
