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4. Stunde

Entscheide Dich! Cybermobbing – Vorschlag für die vierte Unterrichtseinheit

In dieser Unterrichtseinheit werden die Fragen geklärt, wie man sich vor Cybermobbing schützen kann, also wie man präventiv handeln kann, und wie man reagieren sollte, wenn sich ein Mobbing-Vorfall ereignet hat.

  • Auf einem Computerbildschirm ist der Schriftzug "Wer kann mich kontaktieren" zu lesen. Beim Einrichten eines Profils in einem sozialen Netzwerk sollte man auf Privatsphäre-Einstellungen achten; Rechte: WDR

Der gute Ruf im Internet

Zunächst werden die weit verbreiteten Formen von Cybermobbing einer juristischen Bewertung unterzogen. Hierzu sammelt die Klasse typische Mobbingaktionen oder greift auf die Auflistung auf Arbeitsblatt 2 zurück. Auf Arbeitsblatt 6 sind die Gesetze des Strafgesetzbuches (StGB) kurz erklärt, die bei einer Anzeige zum Tragen kommen könnten. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten im Gespräch die Unterschiede zwischen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung. Hierbei kommt es jeweils darauf an, wer wem gegenüber beleidigende und/oder falsche Bemerkungen macht und ob ihm beziehungsweise ihr dabei bekannt ist, dass die Bemerkungen unwahr sind. Die – bereits vereinfachte – juristische Ausdrucksweise macht deutlich, dass viele Handlungen, die von Jugendlichen als "Spaß" angesehen werden, im Strafgesetzbuch klar definiert sind und erhebliche Strafen nach sich ziehen können. Es geht hierbei um die Erkenntnis, dass Cybermobbing keinesfalls ein harmloses Vergehen ist, sondern ein strafrechtlich relevanter Vorgang.

Besondere Beachtung sollte § 201a StGB im Unterrichtsgespräch eingeräumt werden. Wie ein Torwart nicht im Strafraum angegriffen werden darf, schützt das Gesetz den höchstpersönlichen Lebensraum der Bürgerinnen und Bürger. Bezogen auf das altersgemäße Verhalten von Jugendlichen geht es hier vor allem um die Frage, wann welche Fotos gemacht und wo oder wie sie verwendet werden dürfen.

Schutz der Privatsphäre

Wichtigstes Instrument im Kampf gegen Cybermobbing ist der Schutz der persönlichen Daten. Dazu zählen Name, Adresse, Telefonnummer und Geburtsdatum, aber auch Fotos und Videos, die private oder gar intime Situationen preisgeben. Mit nur wenigen Klicks sind bei Preisgabe dieser Daten heute Online-Profile erstellbar, die lästige Folgen haben können: von der Zusendung unerwünschter Werbung über Schwierigkeiten bei späteren Vorstellungsgesprächen bis hin zur Öffnung der Privatsphäre für Mobberinnen und Mobber. Die Jugendlichen sollen zunächst schätzen, wie häufig amerikanische Altersgenossen ihre persönlichen Daten preisgeben. Die tatsächlichen Ergebnisse aus einer Studie aus dem Jahr 2013 sind auf dem Kontrollblatt zu AB 7 zu finden.

Auf Basis dieser Zahlen soll die Frage diskutiert werden, welche Daten besonders sensibel sind und warum. Zur Vertiefung dient die anschließende Aufgabe, in der sich die Schülerinnen und Schüler in die Rolle eines Ratgebers versetzen und Anfragen von Gleichaltrigen zum Schutz der eigenen Daten beantworten. Hierbei sind verschiedene Antwortmöglichkeiten vorgegeben, von denen teilweise mehrere richtig sein können, jedoch eine speziell auf die Verhinderung von Cybermobbing abgestellt ist.

Arbeitsblatt 8 fasst zusammen, mit welchen Schwierigkeiten man rechnen muss, wenn man sich im Internet und besonders in sozialen Netzwerken zeigt, und was man tun kann/muss, wenn es zu Mobbing gekommen ist. In Verbindung mit dem Infomodul "Prävention und Maßnahmen gegen Cybermobbing" bekommen die Schülerinnen und Schüler konkrete Handlungsanweisungen, wie sie ihre Online-Profile von unerwünschten Einträgen säubern können und welche Sicherheitseinstellungen es zu beachten gilt.

  • Arbeitsblatt 7 - "Der Umgang mit persönlichen Daten"
  • Arbeitsblatt 8 - "Was tun wenn"

Der Fall Amanda Todd

Abschließend kann mit AB 9 das erworbene Wissen angewendet werden. Hier geht es um den Fall der 15-jährigen kanadischen Schülerin Amanda Todd, die sich 2012 das Leben nahm, nachdem sie über Jahre im Internet gemobbt worden war. Vor ihrem Tod veröffentlichte sie auf YouTube ein Video, in dem sie ihre Leidensgeschichte erzählt – auf kleinen Zetteln, die sie vor die Kamera hält. Der Fall hat in den Medien viel Aufmerksamkeit bekommen und wird Schülerinnen und Schülern möglicherweise bekannt sein. In der Berichterstattung wurde hauptsächlich das tragische Schicksal des Mädchens in den Mittelpunkt gestellt. Die mindestens ebenso bedeutende Frage, warum niemand ihr geholfen hat, das Mobbing zu beenden, ging dabei oft unter. Die Klasse holt das nun nach: Der "Fall Amanda Todd" wird in Kurzform nacherzählt. Die Jugendlichen überlegen und notieren, an welcher Stelle es möglich gewesen wäre, Einfluss auf den Verlauf zu nehmen, und wer unter welchen Bedingungen hätte helfen können.