zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Hauptnavigation

Inhalt

Hintergrund: Wer ist der Werwolf? - Interview mit Moderatorin Christine Henning

  • Christine Henning lächelt in die Kamera. Christine Henning moderiert mit Ralph Caspers die Sendung "Du bist kein Werwolf"; Rechte: WDR

Der Untertitel der Sendung "Du bist kein Werwolf" heißt "Über Leben in der Pubertät". Wie ging es dir denn, als du in dem Alter warst?

Ich hatte ein Riesenproblem mit dem Aufräumen. Ich habe mich konstant geweigert, meine Sachen wegzuräumen – wollte aber auch nicht, dass das jemand anders macht. Meine Mutter war deswegen einmal so sauer, dass sie alle meine Klamotten vom Balkon heruntergeworfen hat. Die lagen dann verstreut im Garten. Danach habe ich die Sachen immerhin in die Schränke gestopft: Ordentlich war das zwar auch nicht, aber meine Mutter war zufrieden. Auch über andere Sachen haben wir uns viel gezankt und ich habe auch Türen geknallt. Aber nach zehn Minuten habe ich mich dann meistens wieder bei meiner Mutter entschuldigt.

Hattest du in dieser Zeit Fragen, die du niemandem zu stellen gewagt hast?

Eigentlich konnte ich mit meinen Eltern sehr offen sprechen – über die erste Periode zum Beispiel. Aber ich habe vor meinen Freundinnen nicht zugegeben, dass ich noch nie geknutscht hatte. Einmal wollte ich einem Jungen ein Bussi geben, da hat der mir seine Zunge in den Hals gesteckt – das war furchtbar. Insgesamt waren Jungs sowieso ein Rätsel für mich. Regelrecht Angst hatte ich besonders bei Themen rund um den Penis.

Und die Sendereihe "Du bist kein Werwolf" beschäftigt sich jetzt genau mit solchen Dingen?

Ja, es geht um alle Fragen rund ums Erwachsenwerden. Einerseits gibt es Themen biologischer Natur, wie zum Beispiel das Wachsen der Köperbehaarung. Aber es geht auch um psychologische Aspekte. Wir haben bisher fünf feste Rubriken in jeder Sendung. Die Rubrik "Mein Körper" dreht sich um biologische Aspekte, wie zum Beispiel das Jungfernhäutchen. In den "Anleitungen" gibt es praktische Tipps. So dreht sich ein Film darum, wie man eine ungewollte Erektion verstecken kann. Das dritte Element nennt sich "Selbstversuch". Dabei lassen sich Jugendliche auf das Experiment ein, an einem Tag eine ungewohnte Aufgabe zu erfüllen – dabei begleiten wir sie mit der Kamera. Ein Mädchen sollte zum Beispiel einen ganzen Tag lächeln. Sie hat viel Feedback dazu von ihrer Umgebung bekommen und tatsächlich gemerkt, wie sich der Tag durch das Experiment verändert hat.

Welches sind die anderen beiden Rubriken?

Bei "Wolfman hilft" geht es um die Probleme und Rechte von Jugendlichen. Das sind Spielszenen mit einer Figur, die Jugendliche unterstützt, wenn sie Probleme haben – eben der "Wolfman". Oder er trägt dazu bei, dass die Jugendlichen selbst auf die Lösung eines Problems kommen. Besonders der Film, der das Thema "Privatsphäre" behandelt, hat mir persönlich gut gefallen. Darin wird ein Junge gezeigt, der noch nicht mal auf dem Klo von seinen Eltern ungestört ist. Sie durchsuchen auch seinen Schreibtisch. Der Wolfman erklärt an solchen Beispielen, welche Rechte Jugendliche haben. Ich denke, wenn man so etwas weiß, ist die Verhandlungsbasis mit den Eltern viel besser. Wenn ich diesen Film als Teenager gesehen hätte, hätte mir das auf jeden Fall etwas gebracht. Zum Abschluss jeder Sendung kommt unser "Couchgeflüster". In dieser Rubrik interviewen wir jugendliche Pärchen.

  • Eine Zeichnung zeigt ein Mädchen mit BH und zwei Maßbändern um die Brust. Echte Lebenshilfe: Wie finde ich die richtige BH-Größe? Rechte: WDR

Hast du aus den bisherigen Sendungen ein Lieblingsthema?

Das ist schwer zu sagen, weil mir so viele Filme gut gefallen. Was ich sofort zu Hause ausprobiert habe, waren die Tipps zum BH-Kauf. Darin wird beschrieben, wie man mit einem Maßband die richtige BH-Größe herausfinden kann. Und ich musste feststellen, dass ich mir bisher tatsächlich immer die falschen BHs gekauft hatte. Jetzt trage ich eine Größe größer und siehe da: Sie sitzen besser und sind viel bequemer!

Solche persönlichen Geschichten wie diese erzählst du ja manchmal auch vor der Kamera. Fällt dir das nicht schwer?

Am Anfang habe ich mich schon gefragt, ob ich es schaffe, so locker über Themen wie Vorhaut zu plaudern. Aber ich habe es einfach ausprobiert und so schwierig war es dann gar nicht. Auch in meinem Bekanntenkreis haben die Leute sehr positiv darauf reagiert. Ich finde es dabei wichtig, ehrlich mit den Zuschauern umzugehen: Was ich in der Sendung erzähle, sind auch wirklich Geschichten aus meinem Leben und nichts Erfundenes.

  • Christine Henning und Ralph Caspers stehen bei einer Moderation nebeneinander. Quatsch machen und quasseln: Dabei harmonieren die beiden Moderatoren prächtig; Rechte: WDR

Welche Rolle spielen Ralph Caspers und du als Moderatoren in den Sendungen?

Über unsere Moderationen können wir viel Zusätzliches reinbringen – weitere Erklärungen zum Beispiel. Außerdem bleibt auch viel Raum für Quatsch. Schließlich soll die Sendung auch Spaß machen. Viele unserer Texte bereiten wir zwar vorher vor, aber während wir drehen, quasseln wir einfach weiter. Daraus ergeben sich dann die lustigsten Situationen. Die Stimmung ist wirklich super, wenn wir miteinander arbeiten. Und ich glaube, der Spaß, den wir dabei haben, kommt auch bei den Zuschauern an.

Warum hat sich die Redaktion denn überhaupt für eine Doppelmoderation entschieden?

Ralph Caspers hat das Konzept der Sendung mitentwickelt. Damit stand er als Moderator eigentlich schon fest. Aber es war ziemlich schnell klar, dass auch eine Frau dazu kommen sollte. Wir beide sprechen ja auch die Beiträge. Viele Themen – die Periode zum Beispiel – erklären sich einfach besser von Frau zu Frau. Andere sind "Jungsthemen", die Funktion der Hoden zum Beispiel. Die spricht dann Ralph.

Wie sind denn die Reaktionen der Zuschauer auf die Sendung?

Wir haben überwiegend positive Reaktionen. Besonders freut uns natürlich, dass wir wirklich die Jugendlichen erreichen. Das sieht man auch an den Mails und Gästebuch-Einträgen, die wir bekommen. Viele schicken uns weitere Fragen, die nach Beantwortung schreien. Von der ersten zur zweiten Staffel sind die Reaktionen noch einmal deutlich angestiegen. Die Sendung scheint sich also bei den Jugendlichen wirklich herumgesprochen zu haben. Die meisten unserer Zuschauer sind zwischen zehn und 14 Jahren alt. Aber wir erreichen mit vielen Themen auch noch die 16-Jährigen. Manchmal schreiben uns auch Eltern, die sich die Sendung gemeinsam mit ihren Kindern anschauen. Die bedanken sich meistens, weil sie so mit den Kindern besser ins Gespräch über die Pubertätsthemen kommen.

Und welche Fragen stellen euch die Zuschauer?

Viele haben mit Sexualität und Liebe zu tun. Zum Beispiel "Welches Alter ist das richtige für eine Beziehung?" oder "Wann sollte man das erste Mal Sex haben?". Mädchen fragen auch nach Bauchschmerzen bei der Periode. Und viele Jugendliche melden sich, weil sie bei einem Selbstversuch mitmachen wollen, oder sie schicken uns Ideen für neue Experimente. Falls jemand mit tiefer gehenden Problemen zu uns kommt, arbeiten wir mit dem Kummerkasten des KI.KA und der "Nummer gegen Kummer" zusammen. Dort arbeiten fachkundige Kräfte, die die Jugendlichen unterstützen können.

Das Angebot von "Du bist kein Werwolf" geht also weit über die Sendung hinaus. Was gibt es denn noch alles?

Zum einen haben wir einen umfangreichen Internetauftritt, in dem unsere Themen noch weiter vertieft werden. Die Online-Zugriffe darauf sind auch sehr hoch - vor allem während und direkt nach den Sendungen. Ralph und ich waren auch schon im Ki.Ka-Chat für die Jugendlichen erreichbar. Außerdem haben wir ein Buch geschrieben. Es heißt auch "Du bist kein Werwolf" und ist eine Erweiterung der Sendungsthemen – und zwar auf eine sehr lockere Art und Weise. Wir informieren, aber zum Beispiel geben wir auch Flirt-Tipps. Im Buch gibt es keine Tabus – es geht ums Küssen genauso wie um Selbstbefriedigung. Ich finde, je ehrlicher eine Information ist, desto mehr haben die Jugendlichen davon. Und eines kann ich auf jeden Fall versprechen: Ralph und ich nehmen auch im Buch kein Blatt vor den Mund.