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Inhalt

Unterricht: Bildgestaltung

Thema

Elemente der Bildgestaltung, Gesetzmäßigkeiten und Konventionen bei der Bildwahrnehmung

Dauer der Unterrichtseinheit

maximal 5 Stunden

Vorbemerkung

  • Die Kamerafrau steht hinter Ralf Caspers und filmt die Blume, die er nach oben hält; Rechte: WDR Kameraleute und Regisseure komponieren Bilder ganz bewusst.

Filme erzählen Geschichten in Bildern. Mit Bildern werden Informationen und Inhalte transportiert. Filme bestehen aus vielen einzelnen Bildern bzw. Einstellungen. Und diese Einstellungen werden mithilfe filmischer Gestaltungsmittel inszeniert. Welche grundlegenden Gestaltungsmittel es gibt, ist Thema dieser Unterrichtseinheit.

Die Regisseurin oder der Regisseur überlegt bei der Inszenierung der Einstellungen zusammen mit der Kamerafrau oder dem Kameramann, wie sie die Informationen und Inhalte des Films visuell vermitteln wollen. Die einzelnen Bilder werden nicht zufällig aufgenommen, sondern immer mit einer bestimmten Absicht gestaltet. Wie sollen die Zuschauer die Personen im Film sehen? Welche Dinge sollen überhaupt im Bild zu sehen sein? Auf welchen Objekten soll die Aufmerksamkeit beim Betrachten liegen?

Bilder zeigen immer nur einen Ausschnitt der Welt, der durch den Bildrahmen begrenzt wird. Um die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu gewinnen und seine Wahrnehmung zu lenken, wird bei der Gestaltung von Bildern auf bestimmte Gesetzmäßigkeiten und Kommunikationskonventionen zurückgegriffen. Man spricht auch von komponierten Bildern.

Gesetzmäßigkeiten meint, dass die gestalteten Bilder bei vielen Zuschauern ähnliche Reaktionen und Empfindungen auslösen. Wie wird unser Blick durch Linien oder die Positionierung von Personen und Objekten gelenkt? Was trägt Helligkeit und Farbe bei und wann wirkt ein Bild harmonisch? Diese Gesetzmäßigkeiten sind den Zuschauern allerdings nicht immer bewusst. Die bildgestalterischen Grundregeln zu kennen, ist für die Analyse und Produktion von Filmen deshalb wichtig.

Die Unterrichtseinheit umfasst insgesamt fünf Stunden mit zwei Doppelstunden. Eine Doppelstunde ist für eine praktische Übung mit der digitalen Fotokamera vorgesehen.

1. Doppelstunde: Erarbeitung grundlegender Gestaltungselemente zur Bildwahrnehmung

In der ersten Doppelstunde lernen die Schülerinnen und Schüler einzelne bildgestalterische Elemente zu beschreiben und ihre Funktionen zu benennen. Blatt 1 zeigt den Ablauf der Doppelstunde mit den benötigten Materialien.

  • Arbeitsblatt 1 - "Stundenübersicht 1. Doppelstunde"
  • Im Vordergrund steht eine Frau in der Küche, im Hintergrund sitzen zwei Jungen auf dem Sofa im Wohnzimmer; Rechte: WDR Worauf achtet man zuerst bei diesem Foto?

Der Einstieg in die Stunde erfolgt mit einem stummen Impuls. Der Lehrer, die Lehrerin zeigt für die Dauer von 15 Sekunden einen Screenshot aus dem Film "Nick & Tim" (AB 2 "Stummer Impuls"). Die Schülerinnen und Schüler notieren im Anschluss, woran sie sich bei dem Bild erinnern. Sie schreiben die Elemente in der Reihenfolge ihres Erinnerns als nummerierte Liste (zum Beispiel 1 bis 5) auf. Das Besondere an diesem Filmbild ist, dass viele einzelne Dinge und Personen in einer Einstellung zu sehen sind. Durch die Rangfolge machen sich die Schüler bewusst, was sie vor allem und zuerst wahrnehmen. Die Reihenfolgen werden im Plenum verglichen. Wahrscheinlich wird es Wahrnehmungsschwerpunkte geben, an die sich die meisten Schüler erinnern: Die Mutter, die vorne in der Küche mit der Post steht und die Jungen auf dem Sofa im hinteren Teil des Bilds. Es zeigt sich, dass mit der Komposition des Bilds Akzente gesetzt werden, die unsere Wahrnehmung lenken. Daraus entwickelt sich die Leitfrage der Stunde: "Wovon hängt die Wahrnehmung von Bildern ab?" Sie ist der Ausgangspunkt für die Erarbeitung der bildkompositorischen Merkmale von Filmbildern.

Die einzelnen Gestaltungsmerkmale werden in Gruppen erarbeitet und hinterher in einem Museumsgang präsentiert. Deshalb sollte schon bei der Aufteilung in Arbeitsgruppen auf gleichgroße Gruppen geachtet werden. Ideal wären vier Gruppen mit vier Schülern. Da Lerngruppen mit 16 Schülern aber nicht die Regel sind, können auch weitere Gruppen gebildet werden. Hierbei bieten sich zunächst die Themen 1 und 4 für weitere Gruppen an. Jede Gruppe erarbeitet mithilfe eines Informationsblatts ein anderes Gestaltungselement:

  • AG 1: Infoblatt Blicklenkung (AB 3) und AB 4 Screenshots
  • AG 2: Infoblatt Farbe und Helligkeit (AB 5) und AB 6 Screenshots
  • AG 3: Infoblatt Bildebenen (AB 7) und AB 8 Screenshots
  • AG 4: Infoblatt Drittelregel (AB 9) und AB 10 Screenshots

Falls sich die Lerngruppe nicht durch vier teilen lässt, kann Infoblatt 4 von fünf Schülern bearbeitet werden. Alle Gruppen erhalten zusätzlich Arbeitsblatt 11 "Aufgabenblatt Bildgestaltung" mit der Arbeitsanweisung für die Gruppenarbeit.

  • Ein Schultreppenhaus wird von oben gefilmt; Rechte: WDR Bei diesem Bild denkt man automatisch: Hier geht es die Treppe hinauf.

Für die Gruppenarbeit wird die Methode des kooperativen Lernens "Think-Pair-Share" gewählt, weil die Schülerinnen und Schüler sich so gegenseitig in ihrem Wissenserwerb unterstützen können. Zunächst verarbeiten sie die Informationen alleine, vergleichen ihre Erkenntnisse danach mit ihrem Nachbarn, um sich schließlich mit einem zweiten Paar über den jeweiligen Wissensstand auszutauschen. Das Arbeitsziel ist ein Lernplakat für den Museumsgang. Dabei nutzen sie das Arbeitsblatt mit verschiedenen Screenshots aus Filmen, um ihr Gestaltungselement mit Beispielen zu erklären.

Haben die Schülerinnen und Schüler erst selten Lernplakate gestaltet, sollte die Lehrerin oder der Lehrer einige Gestaltungshinweise für das Plakat geben: zum Beispiel in Druckbuchstaben schreiben, möglichst groß schreiben, die Fotos benutzen, mit Beispielen arbeiten. Zudem sollten die Schüler darauf hingewiesen werden, dass sie das bildkompositorische Merkmal, das sie selbst vorstellen, nach Möglichkeit auch bei der Plakatgestaltung anwenden sollen.

Die Plakate werden im Klassenraum möglichst weiträumig verteilt aufgehängt. Wenn es zu einem Informationsblatt mehrere Plakate gibt, so werden sie gemeinsam an einer Station ausgestellt. Bei vier Stationen kann es nur vier Museumsgruppen geben. Bei der Gruppenaufteilung sollte darauf geachtet werden, dass in jeder Gruppe mindestens ein Schüler aus jeder vorherigen Expertengruppe vertreten ist, damit jedes Lernplakat von einem Schüler vorgestellt wird. Weil jeder Schüler das Ergebnis der Gruppenarbeit anderen Schülern erklären muss, vertieft er das Verständnis der erarbeiteten Inhalte. Zudem treten die Schüler beim Museumsgang abwechselnd als Informierender und Zuhörer auf. Das fördert ihre kommunikativen Kompetenzen.

Bevor der Museumsgang beginnt, wird eine Zeit für den Aufenthalt an den Stationen ausgemacht. Der Lehrer gibt jeweils ein Zeichen, wann die Station gewechselt wird. Die Lehrerin bzw. der Lehrer sollte sich in den Museumsgang einreihen, um einen Eindruck von den Inhalten zu erhalten. Den Abschluss bildet ein kurzes Feedback der Schülerinnen und Schüler zur Methode im Plenum.

3. und 4. Stunde: Anwendung grundlegender Gestaltungselemente in einer praktischen Übung mit der digitalen Fotokamera

In der zweiten Doppelstunde wenden die Schülerinnen und Schüler die grundlegenden Gestaltungsregeln praktisch an. Blatt 12 enthält einen Überblick über den Ablauf und die benötigte Ausrüstung.

  • Arbeitsblatt 12 - "Stundenübersicht 3. und 4. Stunde"
  • beschreibender Text:	In einem Klassenraum sitzt ein Junge am Tisch im Vordergrund, im Hintergrund sind die Mitschüler zu sehen; Rechte: WDR Diese Aufnahme lässt sich im Klassenraum gut nachstellen.

Als Einstieg zeigt die Lehrerin bzw. der Lehrer ein Filmbild, das die Schülerinnen und Schüler nachstellen sollen (Arbeitsblatt 13 "Standbild"). Dafür wird auf dem Boden des Klassenraums der Bildrahmen markiert. Darin wird das Bild nachgebaut. Der Lehrer bestimmt zwei "Baumeister", die nun mit den anderen Schülern und möglichen Requisiten das Foto nachstellen. Da es eine Szene aus einem Klassenraum zeigt, müssten die Requisiten vorhanden sein.

Bei dem Standbild kommt es vor allem darauf an, die vier gelernten Gestaltungselemente zu beachten: die drei Bildebenen, die Drittelregel, Farbe und Helligkeit sowie die Linien- und Blickführung (Infos dazu siehe ABs 3, 5, 7 und 9). Die beiden ersten Elemente lassen sich relativ einfach nachbauen. Farbe und Helligkeit kann mit Kleidungsstücken symbolisiert werden. Dabei kommt es weniger auf die farbgetreue Wiedergabe an, als vielmehr auf die Hell-Dunkel-Kontraste. Die Linien bei der Blickführung können mithilfe von Wollfäden nachgezogen werden. Entweder werden sie auf den Boden gelegt oder die Schülerinnen und Schüler im Standbild halten die Fäden.

Die Schüler setzen sich dabei sehr intensiv mit der Bildkomposition auseinander, weil sie die Einstellung mit allen Elementen nachstellen und die Anordnung im Bild körperlich nachvollziehen. Gleichzeitig lässt diese Methode eine sofortige Korrektur zu, wenn das gebaute Bild nachher besprochen wird.

So vorbereitet werden nun in Gruppen Fotos nach den Gestaltungsregeln gemacht. Diese Aufgabe ist anspruchsvoll, da sie die Anwendung mehrerer Gestaltungsregeln zur gleichen Zeit verlangt. Es werden Fotogruppen gebildet, bei denen in jeder Gruppe mindestens eine Schülerin oder ein Schüler aus jeder Expertengruppe aus der vorherigen Doppelstunde vertreten ist. Jedes der vier Gestaltungselemente muss in jeder Gruppe vertreten sein. Die Experten achten darauf, dass das eigene Gestaltungsmerkmal berücksichtigt wird, wenn die Fotos aufgenommen werden. Die Aufgabe wird auf Arbeitsblatt 14 "Aufgabenblatt Elemente der Bildgestaltung" beschrieben.

Die Schülerinnen und Schüler sollen je zwei Fotos zu vier Aufgaben machen. Die Aufgabenstellung gibt keine Motive vor, sondern Hinweise, welche Gestaltungselemente vor allem zu beachten sind bzw. welche Wirkung mit dem Foto erzielt werden soll. Nachdem sie die Aufgaben umgesetzt haben, betrachten die Gruppen ihre Ergebnisse und wählen aus den acht Fotos zwei aus, die ihrer Meinung nach am gelungensten sind.

Diese präsentieren die Gruppen abschließend im Plenum. Bei der Präsentation müssen sie begründen, warum sie die beiden Fotos ausgewählt haben. Wenn sich die Gruppe nicht einig war, sollte auch das bei der Präsentation berichtet werden. Die anderen Schülerinnen und Schüler kommentieren sachlich und begründet die Präsentation.

Bilder einsenden

  • Externer LinkE-Mail an planet-schule@wdr.de

    Auf www.dokmal.de veröffentlichen wir ausgewählte Arbeiten von Schülerinnen und Schülern. Wenn Sie Fotos einsenden wollen, die in dieser Unterrichtseinheit entstanden sind, wenden Sie sich an planet-schule@wdr.de.

  • Arbeitsblatt 14 - "Aufgabenblatt - Elemente der Bildgestaltung"

5. Stunde: Analyse und Reflexion eines Filmbilds hinsichtlich der bildkompositorischen Gestaltungselemente und der Wirkung

In der letzten Stunde überprüfen die Schülerinnen und Schüler ihr erworbenes Wissen, indem sie ein Bild analysieren und ein kurzes Gutachten schreiben. Der Ablauf der Stunde wird auf Blatt 15 beschrieben.

  • Arbeitsblatt 15 - "Stundenübersicht 5. Stunde"
  • In einem Klassenraum sitzt ein Junge am Tisch im Vordergrund, im Hintergrund sind die Mitschüler zu sehen; Rechte: WDR Diese Aufnahme lässt sich im Klassenraum gut nachstellen.

Arbeitsblatt 16 enthält einen Screenshot aus dem Film "2xKlüger", das die Schülerinnen und Schüler analysieren und bewerten sollen. Als Einstieg wird eine Positionslinie in der Klasse gezogen und die Schüler stellen sich an der Positionslinie auf, je nachdem wie harmonisch und ausgewogen sie das Bild empfinden. Mit der Methode lässt sich schnell ein spontanes Meinungsbild erstellen. Das eine Ende der Linie ist gleichzusetzen mit "sehr harmonisch", das andere Ende mit "gar nicht harmonisch". Je dichter die Schüler an den jeweiligen Polen stehen, umso deutlicher beziehen sie Stellung. Die Aufstellung lädt dazu ein, mit "Gleichgesinnten" sofort ins Gespräch zu kommen. Im anschließenden Klassengespräch entwickeln die Schülerinnen und Schüler die Leitfrage für die Stunde: "Welche konkreten Gestaltungselemente der Bildkomposition sind verantwortlich für das allgemeine Harmonieempfinden?"

In der anschließenden Gruppenarbeitsphase analysieren die Schüler das Bild nach den verschiedenen bildkompositorischen Gestaltungselementen und geben eine begründete Bewertung ab. Die Anzahl der Gruppen muss durch zwei teilbar sein, da hinterher jeweils zwei Gruppen zusammenarbeiten.

Die Aufgabe wird in Arbeitsblatt 17 "Bildanalyse 2" beschrieben. Die Gruppen halten ihre Beobachtungen und die Bewertung schriftlich in einem Fließtext fest. Anschließend tauschen jeweils zwei Gruppen ihre Texte aus. Nun erstellen sie ein Gutachten über die Analyse der anderen Gruppe. Dazu erhalten alle Gruppen ein Arbeitsblatt mit Hinweisen (Arbeitsblatt 18 "Bewertung Bildanalyse"). Auch dieses Gutachten formulieren sie schriftlich. Die Gruppen überreichen dann ihr Gutachten an die Partnergruppe und besprechen sie.

Durch diese Methode setzen sich die Schülerinnen und Schüler zweimal mit dem Filmstill auseinander, wenn auch jeweils aus anderer Perspektive. Dadurch ist die Reflexion über die jeweils angewandten Gestaltungselemente besonders intensiv.

Im abschließenden Plenumsgespräch, in dem die Lehrerin bzw. der Lehrer die Moderation übernimmt, reflektieren die Schüler ihre jeweilige Rolle: Wie habe ich mich gefühlt, als ich die Arbeit anderer bewertet habe? Und habe ich mich gerecht bewertet gefühlt?

Die angefertigten schriftlichen Arbeiten können zur Überprüfung des Lernerfolgs eingesammelt werden.