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Sexualität

Sexualität und Politik

Es ist kein Zufall, dass der Wandel im Umgang mit Sexualität einherging mit der Forderung nach politischer Veränderung. Die Auseinandersetzung mit der Doppelmoral der Elterngeneration führte dazu, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse grundsätzlich in Frage gestellt wurden. Die Linken sahen einen Zusammenhang zwischen Triebunterdrückung und Herrschaft. Kapitalismus und kleinbürgerliche Familie gehörten aus damaliger Sicht ebenso zusammen. Sexuelle Befreiung war provozierend und wurde von den Studenten gezielt als Mittel des Protests eingesetzt.

In der Frauenbewegung wurde die sexuelle Befreiung als Mittel zur Gleichstellung der Geschlechter angesehen. Die sexuelle Revolution löste allmählich die bestehenden Vorstellungen von Familie, Ehe und geschlechterspezifischem Rollenverhalten auf. In der Auseinandersetzung um Sexualität und Pornografie entbrannte eine Art Glaubenskrieg: Ende der 60er galt es als aufgeklärt, möglichst viele Nackte zu zeigen, Gruppensex zu propagieren, Sex-Messen und Pornos zu befürworten und Sex-Agentinnen wie Christine Keeler zu verherrlichen. Die Wirtschaft sah eine Möglichkeit, Profit aus der Bewegung zu schlagen - barbusige Mädchen, die in Zeitschriften und Filmen vermarktet wurden, blieben in der Rolle des Objekts.

  • am Empfang auf der SexmesseIn Kopenhagen fand im Oktober 1969 die erste Sexmesse der Welt statt.
  • Leuchtreklame: Beate UhseNach der Aufklärungswelle kam die Sexwelle. Ein Hunger nach Information und Beratung, aber auch nach Hemmungslosigkeit und Freiheit war da.

Einige legten noch eins drauf. Das provokative Happening wurde zur beliebten Flucht nach vorne.

  • Plakat: Fuck for Peace
  • nackte Menschen auf der Bühne
  • Kriegsdienstverweigerung: Bettarbeit steigern! Kriegsdienst verweigern!

Die Kommunebewegung

Raus aus der Enge der Kleinfamilie: In der Kommune als alternativer Lebensform sollten sich die Vorstellungen von sexueller Befreiung, antiautoritärer Kindererziehung und Auflösung der klassischen Familienstrukturen verwirklichen lassen. Wohnkommunen sollten helfen, das Individuelle zum Kollektiven und das Private zum Politischen zu machen. Das Wohnkollektiv lebte auch von der Vorstellung, der Öffentlichkeit eine Möglichkeit der gesellschaftlichen Veränderung aufzuzeigen. Im Juni 1966 trafen sich Mitglieder der Gruppe "Viva-Maria" am Kochelsee in Bayern, um über Bedingungen und Möglichkeiten revolutionärer Politik in West-Europa zu sprechen. Thema war auch die kollektive Wohngemeinschaft. Unter den Teilnehmern befanden sich u.a. Rudi Dutschke, Bernd Rabehl und Dieter Kunzelman. Die Diskussion über die Kommune-Idee verlagerte sich später in den Berliner SDS (Sozialistischer Studentenbund).

Am Neujahrstag 1967 wurde in der Wielandstraße von Berlin die Kommune 1 gegründet. Zu den sieben Bewohnern gehörten auch Dieter Kunzelmann, Rainer Langhans und Fritz Teufel. Die Lebensgemeinschaft "junger Maoisten" sorgte von nun an für Furore. Vor allem die kollektiven Bettsitten waren es, die die Gazetten beschäftigten: Die "Sex-Chose" wurde von den Kommunarden zum Programm des revolutionären Alltags erklärt. Am 4. Februar 1967 zog die SDS-Kommune als Arbeitskollektiv des SDS-Landesvorstandes in die Berliner SDS-Zentrale ein. Die Ausrichtung der beiden Kommunen war grundsätzlich verschieden. Die K 1 war eher provokativ und aktionistisch, die SDS-Kommune hingegen intellektuell und selbstreflexiv. Als es zu Spannungen kam, wurde die K 1 am 12. Mai 1967 aus dem Landesverband des Berliner SDS ausgeschlossen, bestand aber noch weiter. Die SDS-Kommune scheiterte im Mai 1967 und wurde im Juni als K 2 in Berlin-Charlottenburg neu gegründet.

  • Zeichnung einer nackten Frau
  • vollgestopfte Regale
  • WG-ZimmerIn den späten 60ern setzten sich Wohngemeinschaften durch. Für manche waren sie eine neue Lebensform, für andere mehr eine Zweckgemeinschaft.