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In den sechziger Jahren durchlief die westdeutsche Gesellschaft einen tiefgreifenden Wandel, der Einstellungen, Lebensgefühl und Wertesystem der Nachkriegsgeneration nachhaltig veränderte. Auch Musik und Mode wurden zum politischen Programm, das die Emanzipationsbewegung, die sexuelle Revolution und die Studentenrevolte begleitete. Beat (engl. Schlag) bezeichnet zum einen den rhythmisch gleichmäßigen Grundschlag im Jazz, daneben aber auch die verschiedenen Arten der durch Rhythmik und elektrische Verstärkung der Instrumente geprägten Popmusik. Die anfängliche Besetzung bestand dabei in Gitarren, Bassgitarre und Schlagzeug. Die Ablehung der bürgerlichen Sprache durch den Beat drückte sich weniger durch klar artikulierte Argumente als durch den Einsatz symbolischer Zeichen und Gesten wie z.B. die enorme Lautstärke oder die Haarlänge aus. Herausragende Vertreter des Beats waren die Beatles.
Im Star-Club in Hamburg zu spielen war für Beat- und Rockbands aus In- und Ausland oft karriereentscheidend. Und so kamen sie alle: The Preachers, Fats Domino, Bill Haley; Jerry Lee Lewis und viele andere.
Das Image der Beatles, der vier Pilzköpfe, passte hervorragend zusammen: John Lennon als der "Brutale", Paul McCartney als der "Hübsche", Ringo Starr als der "Liebenswerte" und George Harrison als der "Ausgeglichene" boten Identifikationsmöglichkeiten für viele Jugendliche. Sie waren ein Symbol für den Aufstand der jungen Generation gegen eine überkommene Väter-Welt. Weltweit wurden bis heute über 500 Millionen LPs und Singles von den Beatles verkauft. Bei Konzerten hörte man oft wenig von der Musik, weil das Kreischen und die Hysterie der Fans sie übertönte. Die Beatles verkauften nicht nur harte Rockmusik, sondern erzielten einige ihrer größten Plattenerfolge mit Balladen. Sie spielten vor allem "Soft-Rock" mit gleichmäßigem Rhythmus (two-beat), einprägsamer, fast volksliedhafter Melodik, mit Texten über Liebe, Alltagsleben und Träume. In fast allen Bereichen der Musik und der Jugendkultur waren die Beatles Trendsetter. Zwar war es immer zuerst die Musik, die für den massenhaften Erfolg der Beatles sorgte, daneben aber verkörperten die "Saubermänner des Pop" auch "Hoffnung, Optimimus, Witz, Ungezwungenheit und die Vorstellung, dass es jeder schaffen kann, wenn er nur die nötige Entschlossenheit aufbringt" (Augustin 1989).
Ganz anders die Rolling Stones, die "bad boys" der Rockmusik. Mick Jagger, Keith Richards, Bill Wyman, Charlie Watts und Ron Wood (Brian Jones) spielten überwiegend Hard-Rock mit komplizierten Rhythmen. Ihre Texte handelten von Sex, Drogen und Gewalt. Mit ihrem umstrittenen Image provozierten sie Widerspruch in der Gesellschaft und kultivierten gleichzeitig ihr Rebellenimage. Sie fühlten sich dabei weder moralischen oder ethischen Richtlinien verpflichtet, sondern handelten stets nach ihren eigenen individuellen und egoistischen Vorstellungen. Zur Schau stellten sie eine "Du kannst mich mal Haltung". Gerade das machte die Rolling Stones für die Jugend reizvoll. Indem sie teure Eintrittskarten zu ihren Konzerten kauften und die Eskapaden der Stones guthießen, nahmen sie ein Stück weit teil an dieser Einstellung.
Die Beatles waren die Quintessenz der 60er-Jahre-Popstars. Dadurch, dass sie die Siebziger Jahre als Band nicht mehr erlebten, konnten sie sich selbst treu bleiben. Die Rolling Stones dagegen spielen heute noch zusammen. Für Keith Richards ist die Sache ganz einfach: "Trotz all der Jahre und trotz all des Auf und Ab spielen wir gerne zusammen. Es ist fast so, als hätten wir eine Mission zu erfüllen. Man kann gar nicht anders. Das ist außerhalb unserer Kontrolle. Solange die anderen Jungs da sind, machen wir weiter, und zwar solange, bis es nicht mehr geht." (Augustin 1987)
Mit gewaltloser Flower-Power versuchten die Hippies alternative Lebensformen durchzusetzen. 'Verlasse die bürgerliche Gesellschaft, berausche dich, suche den Weg in dein eigenes Inneres, verletze niemanden' waren ihre zentralen Ideen.
An die Stelle des politischen Protests, der aus der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung entstanden war, trat Ende der Sechziger Jahre eine Drogenepidemie, die zusammen mit der Rockmusik das Zentrum der Hippiebewegung bildete und politische Aktivitäten ersetzte. Haschisch, Kokain, Opium, Heroin und halluzinogene Drogen wie LSD und Mescalin traten an die Stelle der nicht bewusstseinsverändernden Drogen Alkohol und Nikotin. Die "Human-be-ins" 1967 in San Francisco waren die Vorläufer der Festivals unter freiem Himmel, die dem Ruf nach einem "Paradise now" am nächsten kamen, sie symbolisierten eine konflikts- und autoritätsfreie Gesellschaft. "Hier trafen sich Tausende von Individualisten für ein paar Tage und gaben sich der Musik hin, tanzten und rauchten ihre Joints" (Flender/Rauhe 1989). Es waren vor allem die Kinder der Mittelschicht, die sich der Hippiebewegung anschlossen. Diese Jugendlichen litten nicht unter Existenzangst, sondern unter der Langeweile eines materiell abgesicherten Alltags. Sie konsumierten Popmusik und Drogen. In der Musik hatten sie einen individuellen Geschmack und bevorzugten psychedelische Rockmusik, die Head Music. Sie verknüpften dabei mit LSD den Begriff einer jenseitigen Welt, die an Intensität des Erlebens alles "Irdische" in den Schatten stellte. Den Trip ließ man von Rockmusik begleiten: Musik ohne Anfang und Ende, in seiner Wildheit entschieden gemildert. "Jimi Hendrix und Janis Joplin waren die Märtyrer dieser Drogenwelle. Ausgestattet mit musikalischem Talent lebten sie ein ekstatisches Leben ohne Rücksicht auf gesundheitliche Folgen. Die Verachtung dem eigenen Leben gegenüber, das Bewusstsein, immer an der Schwelle des Todes zu existieren, intensivierte ihre Musik. Sie stehen aber auch für die Gefahren und Grenzen, die die Symbiose von Rockmusik und Drogenkonsum mit sich brachte" (Flender/Rauhe 1989).
"Wozu soll ich arbeiten, ich kann frei leben. Die Luft ist frei. Wozu soll ich da arbeiten."
"Ich gammle so lange bis ich ein Ziel gefunden habe. Das habe ich jetzt noch nicht gefunden. Ich mach' weiter."
"... Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich tot bin innerlich. Ich habe überhaupt nicht gelebt. Und meine Eltern konnten garnichts dazu. ..."Als Anfang der 70er die Superstars der Beat- und Rockmusik innerhalb weniger Monate starben, fanden die 60er Jahre auch musikalisch ein Ende.
© Text: Karin Merz / Wilken Engelhart
