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Protestbewegung

Studentischer Protest und APO

Häufig wird die Studentenbewegung der 60er Jahre mit der APO gleichgesetzt. Der studentische Protest richtete sich jedoch zunächst gegen Missstände innerhalb des Hochschulwesens. Die Unzufriedenheit mit dem Bildungssystem weitete sich auch auf den Bereich der Schulen aus. In engem Zusammenhang mit der Kritik am Bildungsapparat stand die Auseinandersetzung mit der Elterngeneration und deren unkritischem Umgang mit der NS-Vergangenheit. Die Auseinandersetzung mit dem Vietnamkrieg, die damit einhergehende Veränderung in der Einstellung gegenüber den USA und die Einbeziehung "neuer" linker Ideen ließen die Studentenbewegung zu einer politischen und revolutionären Bewegung werden. Der globalisierte Revolutionsgedanke und die Solidarisierung mit den Völkern der dritten Welt waren die Leitgedanken. Die Einführung neuer Protestformen prägten das Bild der Bewegung.

  • Kiesinger und Brandt1966 - "Große Koalition": Viele sahen nun auch innenpolitische Gründe um auf die Straßen zu gehen.
  • Protestschild
  • Protestschild: Ex-Nazi wird Kanzler
  • Protestschild: SPD: "wehrlos aber nicht ehrlos" 1933 - 1966...

Zur zunehmenden Radikalisierung und zur Eskalation der innenpolitischen Auseinandersetzungen zwischen den Studenten und der Staatsmacht trugen vor allem drei Ereignisse bei: Das Vorgehen der Polizei beim Besuch des persischen Schahs und die Tötung des Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 durch einen Polizeibeamten machten diesen Tag zu einem Schlüsselerlebnis für viele Protestierende. Wer seine demokratischen Rechte in Anspruch nahm, musste damit rechnen, verhaftet oder verprügelt, ja sogar erschossen zu werden. Dieses Ereignis und der Anschlag auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 sorgten nicht nur für eine zunehmende Gewaltbereitschaft unter den Protestierenden, sondern bewirkten auch eine Ausweitung des studentischen Protests auf die gesamte Bundesrepublik. Doch noch immer war die Bewegung weit davon entfernt, größere Teile der Bevölkerung zu mobilisieren. Dies mag auch an den theoretischen Grundlagen der Studentenbewegung gelegen haben, die sich auf linke Theoretiker berief und beim herrschenden Antikommunismus in der Bevölkerung auf Ablehnung stieß. Streng genommen kann man nur in der Auseinandersetzung mit der Politik der großen Koalition und besonders mit dem Streit um die Einführung der Notstandsgesetze von einer breiten, von weiten Kreisen der Bevölkerung mitgetragenen Protestbewegung sprechen. Durch den Regierungsantritt der großen Koalition ging man von einem Ende der innerparlamentarischen Opposition aus, dies erklärt die Entstehung einer außerparlamentarischen Opposition.

  • Anti-Schah-Demonstration1967: Demonstration gegen den Schahbesuch in Deutschland. Im Gemenge starb Benno Ohnesorg.
  • Trauerzug für Benno OhnesorgTausende gingen am Tag von Benno Ohnesorgs Beerdigung auf die Straße. Der Trauerzug wurde zur politischen Demonstration.

1968: Demonstrationen vor dem Springer-Haus. Das Attentat auf Rudi Dutschke löste eine bedrückende Reihe von gewalttätigen Demonstrationen aus.

  • Demonstranten
  • Wasserwerfer
  • Demonstranten
  • Feuer
  • Demonstratnen und Polizisten
  • Wasserwerfer

Das Ende der Bewegung

Da die Protestbewegung ihre primären Ziele - Verhinderung der Notstandsgesetze und Veränderung des Bildungssystems - nicht durchsetzen konnte, hielt man die Bemühungen zunächst für gescheitert. Auch der angestrebte gesamtgesellschaftliche Wandel blieb in der angestrebten, radikalen Form aus. Die Gründe für dieses Scheitern liegen wohl im Unvermögen der Studenten, weite Teile der Bevölkerung zu erreichen und ihre Anliegen überzeugend zu formulieren. Zu zersplittert und vielfältig waren die einzelnen Gruppierungen und deren Ziele. Dennoch gingen von der 68er-Bewegung entscheidende Anregungen für die weitere Entwicklung der BRD aus. Das Erstarken der Frauenbewegung, die Friedensbewegung und die Bürgerinitiativbewegung sind Bereiche, in denen sich die Auswirkungen der 68er zeigen. Eine Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit wurde angeregt und zeigte sich bereits unter der Regierung Brandts: In seiner Regierungserklärung forderte er mehr Transparenz in der Politik. Viele der tradierten Werte wie Pflicht und Gehorsam wurden kritisch hinterfragt. Grundlegende, gesellschaftliche Werte wandelten sich allmählich. Die 68er-Bewegung trug zu einer grundsätzlichen Politisierung der Bevölkerung bei und beeinflusste die Entstehung eines kritischen Demokratieverständnisses.

  • Rudi DutschkeRudi Dutschke, Anführer der Studentenbewegung