zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.
In den 60er Jahren wurde der technische Fortschritt in vielen Bereichen vorangetrieben. Raumfahrt und Kernenergie sind die wohl herausragendsten Beispiele.
Die Technikeuphorie beherrschte auch die Kernforschung. Weltweit existierten bereits 17 Atomkraftwerke. 1961 wurde in Kahl am Main ein Versuchsatomkraftwerk mit 15000 kW in Betrieb genommen. Das 1956 gegründete Kernforschungszentrum in Karlsruhe baute Anfang der 60er Jahre den Versuchsreaktor FR 2, der Mitte 1963 seinen vollen Betrieb aufnahm und bis 1981 für die Forschung genutzt wurde. Er stand auch für die Versuche zum Projekt "Schneller Brüter" zur Verfügung, das später abgebrochen wurde. Mit der friedlichen Nutzung der Kernenergie, so hieß es, könnten die Weltenergie-Probleme gelöst werden. Damit wäre es möglich, auch die "Dritte Welt" mit Energie und mit Wohlstand zu versorgen. 1967 prognostizierte man für das Jahr 2000 eine Gesamtleistung von 200 000 MW aller Kraftwerke in Deutschland. Damals waren es nicht einmal 1000 MW, die erzeugt werden konnten. Der Optimismus herrschte im Westen wie im Osten. Das erste Atomkraftwerk in der DDR ging 1966 bei Rheinsberg in Betrieb (mit einer Leistung von ca. 80 000 kW).
Kernforschungszentrum Karlsruhe. Nicht nur der Weltraum sollte erobert werden. Mit der Atomenergie wollten sich die Menschen die Erde endgültig untertan machen. Die Kernkraft sollte für paradiesische Zustände sorgen.
Untererdische Atomexplosionen: Militärische Nutzung der Atomkraft.
Das Thema Sicherheit interessierte in den 60er Jahren kaum jemanden. Die verheerenden Folgen der Atombomben in Hiroshima und Nagasaki spielten in der Diskussion über die friedliche Nutzung keine Rolle. Auch Kernforscher (wie im Film der Zeitzeuge Helmut Schmieder) wären nicht bereit gewesen, für ein militärisches Projekt zu arbeiten. Die militärischen Aspekte der Plutoniumwirtchaft und der Schnelle-Brüter-Technologie wurden erst viel später erkannt. Die Ostermarsch-Bewegung formulierte die Forderung "Atomkraft nur für friedliche Zwecke". Die Vision der Gegner von Bundeswehr und von atomarer Bewaffnung sowie der frühen Kriegsdienstverweigerer war eine friedliche Welt. Man hoffte, künftig mit anderen Völkern keinen Krieg mehr zu führen und sich nicht mehr rassistisch zu begegnen. Die "Visionäre" von damals trieb es deshalb ins Ausland, wo sie andere Völker und Kulturen kennen lernen wollten. Ende der 60er Jahre begann man sich mit der Frage zu beschäftigen, wie die Abfallprodukte endgelagert werden sollten. Erst in den 80er Jahren gelangte dieses Problem jedoch ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit.
© Text: Sven Degenhardt / Hermann G. Abmayr
