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Gastarbeiter

Mitte der fünfziger Jahre setzte in der BRD mit dem Wirtschaftswunder ein Aufschwung bisher nicht gekannten Ausmaßes ein. Dem steigenden Arbeitskräftebedarf standen zur gleichen Zeit immer weniger Arbeitskräfte gegenüber (Verlängerung der Ausbildungsdauer; Arbeitszeitverkürzungen; Auftreten geburtenschwacher Jahrgänge infolge kriegsbedingter Überalterung; neueinsetzende Wehrpflicht 1956, die viele junge Männer dem Arbeitsprozess entzog; Versiegen des Flüchtlingsstroms durch den Bau der Berliner Mauer 1961). Daher griff die bundesdeutsche Wirtschaft zunehmend auf Arbeitskräfte zurück, die vor allem aus südosteuropäischen Staaten angeworben wurden. Das Zusammentreffen mehrerer Faktoren begünstigte den Entschluss vieler Gastarbeiter, ihre Heimat zu verlassen: Hohe Arbeitslosigkeit, niedriger technologischer Standard, Überangebot an ungelernten Arbeitskräften, Wirtschaftskrisen sowie instabile politische Verhältnisse korrespondierten mit dem gleichzeitig hohen Arbeitskräftebedarf im Wirtschaftswunderland Deutschland.

  • Gastarbeiter unterhalten sich
  • Gastarbeiter in der KneipeDer bisherige Lebensplan, Sparen und in die Heimat zurückkehren wurde zunehmend in Frage gestellt. Man ging aus und amüsierte sich auch in Deutschland.
  • Zugankunft aus Südeuropa.
  • Zugankunft aus Südeuropa.
  • Zugankunft aus Südeuropa.

Man ging davon aus, dass diese "Gastarbeiter" nur kurzfristig in Deutschland verweilen und dann wieder in ihre Heimatländer zurückkehren würden. Anfänglich funktionierte dieses "Rotationsprinzip" (zwischen 1961 und 1987 stand einer Zuwanderung von 15 Millionen eine Abwanderung von 11 Millionen gegenüber). Die Rotation entsprach im Laufe der Jahre immer weniger den Interessen der Ausländer und auch der Betriebe, welche die nunmehr "qualifizierten", sprich eingearbeiteten Arbeitskräfte halten wollten. So wurden aus kurzfristigen Gastarbeitern nach und nach langfristige Arbeitnehmer, die in steigendem Maße ihre Familien nachkommen ließen. Über die Jahre wuchs so die Zahl der ausländischen Bevölkerung von 79 697 (1955) auf 2 595 000 (1973). Dies entspricht einer Verdreißigfachung in nur 23 Jahren. Damit stieg der Anteil der beschäftigten ausländischen Arbeitnehmer an der Gesamtzahl der beschäftigten Arbeitnehmer in diesem Zeitraum von 0,4% auf 11,9%. Daran änderte auch der 1973 erlassene Anwerbestopp nichts

  • Vermählung mit GastarbeiterInnenIm Laufe der 60er Jahre gaben über 60000 Deutsche Gastarbeitern und Gastarbeiterinnen das Jawort.

Die Deutschen fanden gefallen am multikulturellen Ambiente.

  • Pizza
  • Schriftzug "Pizza"
  • Steinofen

Inzwischen leben über 60% der Gastarbeiter bereits seit mehr als 10 Jahren in der BRD, 2/3 der hier lebenden ausländischen Kinder haben deutsche Schulen besucht und fühlen sich hier zu Hause. Dies hat auch die Politik erkannt und mit Erleichterungen bei der Einbürgerung ausländischer Mitbürger reagiert.

  • Männer winken aus dem ZugfensterAm Ende der 60er Jahre machten die meisten in ihrer Heimat nur noch Urlaub. Ihre Familien lebten inzwischen in Deutschland und eine entgültige Rückkehr war in weiter Ferne.