zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.
Entscheidend für den wirtschaftlichen Aufschwung der Adenauer-Ära war Wirtschaftminister Ludwig Erhard, der "Vater des Wirschaftswunders". Mit der Durchsetzung der "sozialen Marktwirtschaft" erzielte Erhard außerordentliche Erfolge. Grundsätze der sozialen Marktwirtschaft waren: Grundlegender Verzicht auf staatliche Planung und Lenkung der Wirtschaft (In der Kriegs- und Nachkriegszeit hatte sich gezeigt, dass Versorgungsengpässe durch staatliche Lenkung und Verteilung nur sehr unzureichend ausgeglichen werden konnten), Vertrauen auf die dynamischen Kräfte des Marktes (Ein freier Markt von Angebot und Nachfrage reguliert den Preis, die Produktion, den Konsum und die Investitionen), Der Staat sichert den freien Wettbewerb, gleicht Wettbewerbsverzerrungen durch Subventionspolitik aus, achtet auf die Stabilität der Währung und ist nicht zuletzt zuständig für die Einrichtung und Aufrechterhaltung des "sozialen Netzes", also für die Durchführung der eigentlichen Sozialpolitik.
Die "soziale Marktwirtschaft" enthielt also die Prinzipien der "freien Marktwirtschaft", ergänzt durch den sozialen Aspekt.
Das Wirtschaftswunder der 50er und frühen 60er Jahre hatte verschiedene Ursachen: Durch den Marshall-Plan war nach dem Krieg für finanzielle Unterstützung aus dem Ausland gesorgt. Neben dem Konzept der sozialen Marktwirtschaft spielte die gemäßigte Steuer- und Finanzpolitik eine Rolle. Durch das niedrige Lohnniveau und die geringe steuerliche Belastung konnten Unternehmer günstig und mit hohem Gewinn produzieren und schließlich wieder investieren. Auch die Arbeitnehmer profitierten, stieg doch das Nettoeinkommen bis 1963 jährlich um etwa 7%, die Lebenshaltungskosten erhöhten sich dagegen nur um etwa 2% jährlich. Die Zerstörung und Demontage der Fertigungsanlagen während des Krieges und in dessen Folge machten eine Erneuerung der maschinellen Ausstattung nötig. Diese Tatsache ließ die westdeutsche Industrie zu einer der modernsten der Welt werden. Stärkster Motor des wirtschaftlichen Aufschwungs war jedoch der in fast allen gesellschaftlichen Bereichen vorherrschende Leistungswille. Bis 1963 sank die Arbeitslosenquote auf 0,5%.
Ausgerechnet Ludwig Erhard stolperte in seiner Nachfolge Adenauers als Bundeskanzler 1963 über Fragen der Wirtschaftspolitik. Die Nachfrage im In- und Ausland war so stark gewachsen, dass die Preisstabilität gefährdet war. Dies machte bereits 1961 eine Aufwertung der D-Mark notwendig. Durch überhöhte Staatsausgaben wuchs bis 1966 das Defizit im Staatshaushalt. Als 1966 eine Sättigung der Inlandsnachfrage im Bau und Anlagebau eintrat, kam es zu einer ersten Rezession. Die Vollbeschäftigung war beendet, das unkritische Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft zerstört. Die 1966 angetretene Große Koalition musste erkennen, dass der Aufbau der parlamentarischen Demokratie eng mit dem wirtschaftlichen Wachstum verbunden gewesen war. Deswegen sah man die Demokratie gefährdet, sobald der wirtschaftliche Wohlstand bedroht war. Dem populären Wirtschaftsminister Schiller, der später auch das Ressort Finanzen übernahm, gelang es, die Krise von 1966/67zu meistern. Er sorgte dafür, dass die zentrale Wirtschaftspolitik des Bundes gestärkt wurde. Schiller war es auch, der die "Konzertierte Aktion" in Leben rief, eine Beratungsrunde aus Vertretern des Staates, der Unternehmensverbände und der Gewerkschaften. Diese sollte die Tarif- und Preisgestaltung beeinflussen. Die "Konzertierte Aktion" war ein oft zitierter Prototyp z.B. für das "Bündnis für Arbeit". Die rasche Überwindung der Krise hatte dazu beigetragen, dass die Bundesdeutschen nicht wirklich über die Grundlagen ihrer Demokratie, über soziale Probleme und über ihren Wertekonsens nachdenken mussten. Dies sollten erst die rebellierenden Jugendlichen Ende der 60er Jahre in Gang bringen.
AEG-Waschmaschine
"Auch Einfrieren muss gelernt werden." Wie beschickt man eine Gefriertruhe.
Die Bundesbürger entdeckten die Freude am Konsum.
Neckermann-Artikel
1966: Immer mehr Reisebüros nahmen den Reisenden die Planung ab.
1962 landete auf Mallorca die erste Chartermaschine.
Noch gab es keinen Ballermann.Italien, das Urlaubsland der Träume für Millionen Deutsche schon seit den frühen 50er Jahre, rückte durch das Auto in erreichbare Nähe.
Die Konzerne investierten viel Geld in die Erschließung der Mittelmeerstrände. Ab 1962 vor allem der Spanischen. Die ersten Bettenburgen aus Beton entstanden.
Wie kein anders Massenmedium veränderte das Fernsehen die Lebensgewohnheiten.
© Text: Sven Degenhardt
