Vorbemerkungen
Die Sendung versucht, einen Einblick in die Alltagssituation der Menschen in Deutschland nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs und der bedingungslosen Kapitulation zu geben. Der Titel "Unterwegs" soll die entscheidende Perspektive betonen, die das Lebensgefühl und die Probleme bestimmt, die sich bei der Bewältigung des Alltags stellten.
Unterwegs waren damals fast alle, entweder um eine neue Bleibe oder Heimat zu finden oder um die Nahrungsmittel zu sichern, die für das Überleben nicht bereitstanden, sondern meist sehr mühsam an den verschiedensten Orten organisiert werden mussten.
Der Aufbau des Films ist mehr assoziativ, als von einer inhaltlichen Systematik her bestimmt. Die Bilder aus den verschiedenartigsten Alltagssituationen, von Ausgebombten, von Hamsterern und Schwarzhändlern, von Flüchtlingen aus dem Osten, von verwahrlosten Jugendlichen und von der Herrschaft der Besatzungsmächte bestimmen den Rhythmus und die Erzählweise der Sendung.
Da es zur Absicht der Sendung gehört, den Schülern einen ersten und durchaus emotionalen Eindruck von den Lebensverhältnissen den Ängsten, Befürchtungen und Hoffnungen der Menschen in der Nachkriegszeit zu geben, sollte man die Sendung ohne Unterbrechung zeigen und das Unterrichtsgespräch aus dem subjektiven Eindruck heraus beginnen lassen.
Anregungen zur Unterrichtsgestaltung
In einer ersten Gesprächsrunde könnte man den Eindruck, den die Sendung hinterlassen hat, unter der Frage analysieren:
- Was hat das Leben der Menschen in der Nachkriegszeit bestimmt?
Dabei sollten die verschiedenen Faktoren gesammelt und systematisch gebündelt werden: die allgemeinen Rahmenbedingungen, die durch die bedingungslose Kapitulation gegeben waren (totale Niederlage, Ende der Staatlichkeit, unbegrenzte und unkontrollierbare Herrschaft der vier Besatzungsmächte, Sperrstunden). Innerhalb dieser Rahmenbedingungen könnte man die Aspekte auflisten und besprechen, die das Überleben so schwer gemacht haben: Hunger (Tagesration; Schwarzmarktpreise), fehlende Versorgung mit Strom und Heizmaterial, Zusammenbruch der Infra- und Verkehrsstruktur, Wohnungsnot, Lebensmittelkarten als Zeichen der Zwangsbewirtschaftung Schlangestehen u.a.. Als weitere Aspekte der Analyse bieten sich an:
- Welche Absichten verfolgten die Alliierten mit ihrer Besatzungspolitik?
Am Beispiel der amerikanischen Besatzungspolitik und der Direktive JCS 1067 kann das Fraternisierungsverbot und deren Konsequenzen besprochen werden und in einen Zusammenhang mit der deutschen Kriegsführung gebracht werden. Dabei sollte klar herausgearbeitet werden, dass die Deutschen durch ihre Haltung ihre Situation selbst verursacht und verschuldet haben.
- Welche Schwierigkeiten ergaben sich bei der Integration der Flüchtlinge, und welche Folgen hatte dies langfristig?
Anhand von Zahlen und Dokumenten aus den gängigen Geschichtsbüchern kann dieser Aspekt mit einem Gegenwartsbezug vertieft werden und die große Leistung, die in dieser Integration lag, beurteilt werden.
- Wie haben die Menschen das Überleben organisiert und welche gesellschaftlichen Folgen ergaben sich aus der Situation der Nachkriegszeit?
Die Frage zielt darauf ab, den Mechanismus des Schwarzmarktes zu besprechen und den Schülern, die darin allzu leicht ein "herrliches Abenteuer" sehen, klarzumachen, dass dadurch sozial Schwache ständigem Betrug ausgeliefert sind und die Effektivität einer Volkswirtschaft nicht gewährleistet ist. Bei den gesellschaftlichen Folgen kann auf den Verlust der Wertevorstellungen eingegangen werden (fehlendes Rechtsbewusstsein), aber auch auf die Rolle, die die Frauen in dieser Notsituation, in der viele Männer gefallen oder in der Kriegsgefangenschaft waren, einnehmen mussten (z.B. Wiederaufbau: Rolle der Trümmerfrauen).
- Wodurch änderte sich die Lebenssituation der Menschen in Deutschland?
Mit dieser Frage kann man die entscheidenden Weichenstellungen aufgreifen und einer erörternden Besprechung zuführen. Dabei sollte man wohl den Schwerpunkt auf die Bedeutung der Währungsreform für die Bevölkerung und die Wirtschaft legen, da der Marshall-Plan im Zusammenhang mit der Sendung über das Wirtschaftswunder erörtert wird.
Die Sendung kann auch zum Anlass genommen werden, um mit den Schülern einen Fragenkatalog zum Leben und Überleben in der Nachkriegszeit zu entwerfen, den dann einzelne Schüler dazu verwenden, um noch lebende Zeitgenossen zu interviewen. Darüber hinaus bietet sich eine Materialsammlung an: Die Schüler sammeln Material zu ausgewählten Aspekten (z.B. "Schwarzhandel" oder "Vertriebene") und erstellen Berichte dazu, die im Klassenzimmer ausgestellt werden.
Methodisch-didaktische Hinweise
Die Sendung versucht, von einem alltagsgeschichtlichen Ansatz her die Nachkriegszeit in schülergerechter Form aufzuarbeiten. Das hat zur Folge, dass viele ereignisgeschichtliche Weichenstellungen, die die politischen Rahmenbedingungen darstellten, nicht aufgegriffen wurden und deshalb in der Nachbearbeitung durch den Unterricht (Quellen, Karten) ergänzt werden müssen. Nicht nur dieser didaktische Ansatz, sondern auch die Tatsache, dass die Bilder die Aussagen bestimmen und die Schüler zum Sprechen bringen sollten, führt zwangsläufig dazu, dass vieles, was die Nachkriegszeit auch entscheidend bestimmt hat, nicht unmittelbar zur Sprache kommt. Auf textüberfrachtende und ergebnisorientierte Kommentare ist bewusst verzichtet worden.
Vollständigkeit ist nicht angestrebt, angestrebt ist eher eine Art Bildpanorama, das die Schüler durch die Fremdheit der Erfahrung beeindrucken und sie dazu bewegen soll, sich auf das Thema einzulassen und Fragen zu formulieren. Da die Nacharbeitung von diesen Schülerfragen ausgehen sollte, ist es nicht leicht, ein didaktisches Gerüst zu entwerfen.