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Unterricht: Schatten der Vergangenheit

Die Sendung beginnt und endet mit Sequenzen, in denen jugendliche Rechtsradikale zu Wort kommen: die rhythmisch skandierten Forderungen von Fans einer rechten Rockgruppe: "Hängt dem Adolf Hitler den Nobelpreis um!" wird am Ende wieder aufgegriffen von einem jungen Mädchen, das Hitler "tierisch geil" findet.

Es ist fraglich, wie viel die Jugendlichen über ihre angeblichen Vorbilder wissen. Vermutlich geht es ihnen hauptsächlich um Provokation, und mit sicherem Instinkt rühren sie an ein Tabuthema dieser Gesellschaft.

Die Frage, wie die Westdeutschen nach 1945 mit der Nazivergangenheit umgegangen sind, steht im Mittelpunkt der Sendung. Auf Zwischentitel wurde verzichtet, doch strukturieren folgende Schwerpunkte den Inhalt:

  • Richten und strafen
  • Umerziehung zur Demokratie
  • Entnazifizieren
  • Neuanfang oder Kontinuität?
  • Verdrängen oder erinnern?

Anregungen zur Unterrichtsgestaltung

Die spontanen Reaktionen der Schüler auf solche Bilder, wie auch auf die Äußerung des Rechtsradikalen, in Auschwitz sei niemand umgebracht worden, geben vermutlich einen lebendigen Einstieg für das Unterrichtsgespräch. Die folgende Fragestellung könnte hinführen zum Verständnis für die Problematik der Verdrängung:

  • Wie ist es möglich, dass heute noch jemand die vielfach bewiesenen Naziverbrechen bestreitet?
Denkbar ist auch eine Phantasieübung:
  • Wie werden die Menschen, die im Mai 1945 das Konzentrationslager Buchenwald besuchen mussten, reagiert haben, wenn ihre Kinder sie abends fragten: "Was hast du eigentlich heute gemacht?"
  • Was werden sie 20 oder 30 Jahre später geantwortet haben, wenn sie gefragt wurden: "Was habt ihr damals gewusst?"
  • Sind solche Erfahrungen überhaupt mitteilbar?
  • Wie kann man nach einem solchen Tag sein Leben weiterführen, ohne zu verdrängen?
  • Was müsste sich sonst ändern?
Zu den Schwerpunkten "Richten und strafen", "Umerziehung zur Demokratie" und "Entnazifizieren" sind Fragen nach Zielen und Erfolg der jeweiligen Maßnahmen möglich:
  • Was hatten die Sieger beabsichtigt? Warum stießen ihre Bemühungen an Grenzen?
Zum Thema "Neuanfang oder Kontinuität?" bieten sich die Fragen an:
  • Warum konnten Leute wie Ambros, Rehse, Globke in der Bundesrepublik ihre einflussreichen Positionen behalten bzw. weitere Karriere machen?
  • Warum wurden in Westdeutschland die Führungseliten nach dem Krieg nicht radikal ausgetauscht?
  • Ist es noch sinnvoll, die Naziverbrechen zu verfolgen?
Die Problemstellung der gesamten Sendung kann am Schluss noch einmal aufgegriffen werden durch die Frage:
  • Warum ist es wichtig, dass die Nazizeit nicht in Vergessenheit gerät?
Einige Stellen der Sendung werden die Schüler vermutlich emotional stark ansprechen, eventuell auch Abwehr hervorrufen: Anfangs- und Endsequenzen, die das aktuelle Problem des Rechtsextremismus aufgreifen, knüpfen sicher an Vorwissen, vielleicht auch an eigene Erlebnisse der Jugendlichen an und geben je nach politischem Standpunkt des einzelnen und Meinungsspektrum innerhalb der Klasse möglicherweise Anlass zu kontroversen Diskussionen. Starke Gefühle werden vor allem die Ausschnitte aus dem Film "Todesmühlen" hervorrufen. Die Sequenz zeigt, wie die Bürger Weimars gut gelaunt zum nahen Ettersberg, wo das Konzentrationslager Buchenwald stand, hochlaufen und welche Schreckensbilder sie dort erwarten.