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Die Sendung "Aussöhnung mit dem Osten" stellt die neue Art der Ostpolitik der sozial-liberalen Koalition unter Willy Brandt in den Mittelpunkt. Während die von Adenauer betriebene Politik der Stärke mit dem Bau der Mauer geendet hatte und damit in eine Sackgasse geraten war, setzte Willy Brandt und die sozial-liberale Koalition auf eine neue Form der Verhandlungsführung mit den Staaten des Ostblocks, die er nach dem Prinzip gestaltete: "Wandel durch Annäherung". Der Film zeigt den Versuch der Regierung Brandt auf, in einer vorsichtigen Politik der kleinen Schritte auf die Staaten des Ostblocks zuzugehen, mit ihnen über ihre Ansprüche zu verhandeln, dadurch die Spannungen im Ost-West-Verhältnis abzubauen, um schließlich auf diesem Wege auch die "deutsche Frage" zu lösen.
Diesem Ansatz von Brandt werden die Argumente der Opposition im Bundestag und in der Bevölkerung entgegengestellt, die in der Anerkennung des Status Quo der Grenzziehung im Osten einen Verstoß gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker sahen und die Politik Brandts ablehnten.
Da die Sendung nicht auf die Gesamtentwicklung in den Beziehungen zwischen Ost und West eingeht, sondern sich ausschließlich auf den deutschen Weg der Annäherung beschränkt, sollte den Schülern vorab ein Überblick über die Entspannungsbemühungen gegeben worden sein.
Den Abschluss bilden Szenen von der Öffnung der Mauer, die von den deutschen Politikern nicht erwartet worden war. Es lässt sich daher eine Diskussion anschließen, in der die Probleme der deutschen Wiedervereinigung auch aus der Tatsache der Unerwartetheit erklärt werden können.
In dieser Sendung lassen sich drei Schwerpunktthemen bearbeiten:
Der Film setzt sich aus zwei Hauptteilen zusammen. Der erste Teil zeigt die Würdigung der Brandtschen Politik aus zwei Perspektiven, zum einen die Anerkennung durch den Friedensnobelpreis, zum anderen die Ablehnung durch das Misstrauensvotum. Brandt selbst tritt auf als überzeugter Aussöhnungspolitiker, der in Originalkommentaren seine politischen Ziele verdeutlicht: Aus den Erfahrungen der Vergangenheit und unter Realisierung der gegebenen Umstände sucht er den Weg der Verständigung, des wechselseitigen Vertrauens und der Friedenssicherung. Diese in Worten und Taten (Gesten) umgesetzte neue Form politischen Umgangs distanziert sich deutlich von den Forderungen der Deutschlandpolitik der 50/60er Jahre, die geprägt von Adenauer auf die Stärke der BRD im westlichen Bündnis setzte, um die deutsche Frage zu klären.
Da mit dem Bau der Mauer 1961 dieser Weg nicht zum Ziel der Wiedervereinigung zu führen schien, galt es für die SPD neue Möglichkeiten zu suchen, die Forderungen der Präambel des Grundgesetzes umzusetzen. Egon Bahr wurde zum Vordenker der neuen Politik, die er selbst unter dem Stichwort "Wandel durch Annäherung" zusammenfasste. Diese Politik, die bereit war unter Berücksichtigung der ideologischen Spaltung der Welt in zwei Blöcke Kompromisse anzubieten mit dem Ziel, Vertrauen zu schaffen und den Frieden zu sichern, wurde im Jahre 1971 mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Willy Brandt gewürdigt. Selbstverständlich darf ein Hinweis auf die allgemein auch zwischen den Supermächten vorherrschende Tendenz zur Entspannung (Beginn der Rüstungs-Begrenzungs-Gespräche 1968) nicht übergangen werden.
Im Inland reagierte man mit Ablehnung und argumentierte mit den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens, wonach die Gebiete östlich von Oder und Neiße nur unter polnische Verwaltung und Wiedervereinigung in Aussicht gestellt worden waren. (Die geschätzte Zahl der 1970 in Polen lebenden Deutschen wurde mit 1 Million angegeben.) Da die Vertragsverhandlungen mit der UdSSR und mit Polen auf eine Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als deutsche Ostgrenze hinausliefen, erhoben sich in der BRD Proteste, die bis in den Bundestag hineingetragen wurden und zum Misstrauensvotum führten (vgl. Karte: Mitteleuropa nach 1945).
Wenn auch das Ergebnis dieses Misstrauensvotums mit nur zwei fehlenden Stimmen äußerst knapp ausfiel, so wurde in der nachfolgenden Wahl die Ostpolitik der Koalition bestätigt.
Der zweite Teil geht auf den Inhalt und die Ergebnisse der Ostpolitik ein. Die Verträge von Moskau und Warschau, die mit dem Begriff "Gewaltverzicht" den Status Quo der Grenzziehung anerkannten, eröffneten die Möglichkeit, auch mit der DDR in Gespräche über die Normalisierung der Verhältnisse zu treten. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Zielsetzung der beiden deutschen Regierungen unterschiedlich gewesen ist: Die BRD erwartete vor allem humanitäre Verbesserungen für die Bevölkerung der DDR, während die DDR die Anerkennung als eigenständiger Staat anstrebte. Der von den Unterhändlern Egon Bahr und Michael Kohl gefundene Kompromiss (Grundlagenvertrag), der vom BVG 1973 als verfassungskonform akzeptiert wird, schreibt in Artikel 2 sowohl die Achtung der Menschenrechte als auch der Souveränität fest, wobei die "nationale Frage" durch einen Zusatzbrief der Regierung der BRD als offen erklärt wird.
© Text: Ralf Schmidt-Bohnert
