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"Unterwegs in der Nachkriegszeit" dokumentiert die Situation zwischen dem Zusammenbruch des Dritten Reiches und der Währungsreform, schildert das Leben in den Trümmern (Hamsterfahrten, Schwarzmarkt), zeichnet die Auswirkungen der Flüchtlingswelle nach und zitiert Beispiele aus der Besatzungspraxis.
Die Sendung setzt mit der Entfesselung des Zweiten Weltkriegs durch Hitler-Deutschland an und geht streiflichtartig auf die Goebbels-Rede über den "totalen Krieg" ein, weil diese Erklärung die Reaktion der Siegermächte nach der totalen Niederlage mitbestimmt hat.
In einem knappen Rückblick wird dann gezeigt, dass viele Deutsche seit den Bombenangriffen auf das Land evakuiert worden waren. Mit Kriegsende begannen sie, in die Trümmerstädte zurückzukehren, wo viele obdachlos blieben und von der Nahrungsmittelzufuhr des Landes abgeschnitten waren.
Der Kampf ums "nackte Überleben" diktierte den Alltag. Erschwerend kam oft hinzu, dass die Familie in ihrer traditionellen Organisationsform nicht vorhanden war, weil Flucht, Vertreibung oder andere Kriegswirren und Gefangenschaft sie aufgelöst hatte. Viele Jugendliche irrten als Voll- oder Halbwaisen umher, und die Trümmerfrauen hatten die Arbeit der Männer zu übernehmen.
Der Mangel bestimmte den alltäglichen Kampf. Mangel herrschte an Wasser, an Strom, Brennmaterial und vor allem an Nahrungsmitteln. Die auf Lebensmittelkarten zugeteilten Rationen reichten zum Überleben kaum aus. Die Folgen waren Hamsterfahrten, Kampf um Lebensmittel, Handel auf dem Schwarzmarkt. Deutlich zeigt die Sendung, daß die Notsituation Gewinner und Verlierer scheidet, Schwache, die den "Starken" ausgeliefert sind.
Die Mangelsituation verschärfte sich durch die Tatsache, dass ca. 10 Millionen Flüchtlinge von Osteuropa nach Westen unterwegs waren. Sie kamen völlig mittellos an, und ihre Integration war keineswegs einfach. Nicht nur die allgemeine Notlage erzeugte Spannungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen Probleme gab es auch, weil verschiedene Denk- und Lebensformen aufeinander trafen. Aus dieser Begegnung verschiedener Kulturformen ist langfristig auf dem Land ein Modernisierungseffekt erwachsen. Modernisierung ging auch - zunächst mehr ungewollt als beabsichtigt - von der amerikanischen Besatzungsmacht aus. Die Sendung zeigt, wie Amerikaner die Deutschen beim Überlebenskampf hilfreich unterstützten. Der Film verdeutlicht, wie der amerikanische Lebensstil Mentalität und Alltagsleben vieler Deutscher verändert, vor allem in den Städten. Dem wird die Zielsetzung der französischen Besatzungspolitik gegenübergestellt.
Der letzte Teil der Sendung faßt die Wendepunkte der Nachkriegszeit knapp zusammen: mit der Bi-, bzw. Trizone, der Währungsreform als Voraussetzung für die Marshall-Plan-Hilfe und der Berliner Blockade werden in Westdeutschland die Weichen für eine neue Zeit gestellt. Diese Aspekte werden in der Sendung über das Wirtschaftswunder weiter entwickelt.
© Text: Dr. Norbert Zwölfer
