"Schatten der Vergangenheit" führt zurück in die Zeit der Nürnberger Prozesse, der Entnazifizierung, der Umerziehung und dokumentiert das schwere historische Erbe des deutschen Volkes. Die Sendung beschäftigt sich mit Begriffen wie Kollektivschuld, Verdrängung und Vergangenheitsbewältigung.
Rechtsradikale am Anfang und am Ende der Sendung weisen auf das Problem der mehr verdrängten als bewältigten Nazivergangenheit hin. Die Sendung behandelt folgende Themen:
"Richten und strafen"
- der Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, an dessen Ende der Schuldspruch des alliierten Militärgerichts auf das verstockte "nicht schuldig" der meisten Angeklagten stößt. Die Urteile fielen differenziert aus: Neben zwölf Todesurteilen gab es auch drei Freisprüche und sieben unterschiedlich bemessene Gefängnisstrafen;
- die Versuche der Alliierten, den Deutschen ihre Schuld drastisch vor Augen zu führen. Gezeigt wird der vom amerikanischen Kommandanten angeordnete Besuch der Weimarer Bevölkerung im Konzentrationslager Buchenwald. In der Sendung wird darauf hingewiesen, dass der Vorwurf der Kollektivschuld zu mehr Abwehr als Einsicht führte und späterer Verdrängung Vorschub leistete.
"Umerziehung zur Demokratie"
- Beispiele für das Re-education-Programm der US-Amerikaner:
Deutsche in Kriegsgefangenschaft werden nach abgeschlossener Umschulung als Demokraten mit Abschlussdiplom entlassen;
- für die erste Ausgabe der Süddeutschen Zeitung werden Bleiplatten von Hitlers "Mein Kampf" eingeschmolzen. Die Herausgeber der ersten deutschen Zeitungen nach dem Krieg mussten ausgewiesene Antifaschisten sein.
"Entnazifizierung"
- die Verhaftung von Zivilisten durch Besatzungssoldaten;
- das Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus vom 5. März 1946, mit dem die Entnazifizierung in die Verantwortung der Deutschen überging;
- einen der Fragebögen, den jeder Deutsche über 18 Jahren ausfüllen musste, damit seine Vergangenheit überprüft werden konnte;
- Verfahren vor den Spruchkammern. Zu sehen sind Hitlers Fotograf Heinrich Hoffmann und Mathilde Ludendorff, die Witwe des Generals.
- die Aktenflut, die von den Behörden nicht zu bewältigen war;
- das unlösbare Problem, wie man politische Gesinnung überprüfen sollte. Eine zeitgenössische Karikatur zeigt Deutsche, die ihre aufgeklappten Schädel einem Besatzungsoffizier zur Kontrolle präsentieren;
- der Versuch vieler Belasteter, sich durch ¬ erlogene ¬ "Persilscheine" rein zu waschen;
- die Tatsache, dass relativ "kleine" Nazis mit einem einfachen Verfahren leichter zu bestrafen waren als schwerwiegend Belastete mit umfangreichen Prozessakten, führte zu Ungerechtigkeiten.
"Neuanfang oder Kontinuität?"
Die Kritik an der Entnazifizierung wuchs. 1949 wurden die Verfahren endgültig eingestellt. Unter dem Aspekt zeigt die Sendung drei Beispiele dafür, dass oft auch schwerwiegende Belastung eine weitere Karriere der Betroffenen nicht verhinderte:
- Kritik an der Entnazifizierung: 1949 wurden die Verfahren endgültig eingestellt. Oft verhinderte auch eine schwerwiegende Belastung nicht die weitere Karriere der Betroffenen:
- Otto Ambros hatte die IG Farben in Auschwitz geleitet. Die IG Farben war mit 42% an der Firma beteiligt, die das tödliche Zyklon B produzierte und an die Lager-SS lieferte. Ambros spielte nach dem Krieg weiter eine führende Rolle im Wirtschaftsleben.
- Hans Joachim Rehse hatte als Richter an Freislers Volksgerichtshof zahlreiche politisch motivierte Todesurteile gefällt. Er übte nach dem Krieg seinen Beruf weiter aus und wurde 1968 von einem Berliner Gericht freigesprochen: Er habe nach damals geltendem Recht und seinem Gewissen entschieden.
- Adenauers Staatssekretär Hans Globke hatte 1936 einen Kommentar zu den Nürnberger Rassengesetzen geschrieben. Dennoch stellte sich Adenauer immer vor ihn. .
"Verdrängen oder erinnern?"
- Ende der 60er Jahre wuchs die Kritik der Jungen an der Vätergeneration. Die Jugendlichen warfen ihren Eltern vor, die Erinnerung an die Nazizeit und ihre eigene Schuld lediglich verdrängt zu haben. Es habe nie einen konsequenten Bruch mit der Vergangenheit gegeben:
- Beate Klarsfeld, die 1968 auf dem CDU-Parteitag Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger öffentlich für seine Nazivergangenheit ohrfeigte;
- Bilder aus dem Auschwitz-Prozess gegen Robert Mulka von 1965;
- eine kleine Gedenktafel an einem Konstanzer Wohnhaus, die daran erinnert, dass an dieser Stelle bis 1938 eine Synagoge stand;
- Ausschnitte aus der Verjährungsdebatte im Deutschen Bundestag von 1965;
- ein Rechtsradikaler, der vor laufenden Kameras und unter Beifall behauptet, in Auschwitz sei "leider" niemand umgebracht worden, und andere Bilder aus der rechtsextremistischen Szene. .