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Hintergrund

Wasserreiches Deutschland

  • Voll beladenes Containerschiff auf dem Rhein vor der Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz. Idylle und Verkehrsader – der Rhein bei Koblenz; Rechte: Mauritius
  • Zu sehen die Weser, eine Autobahnbrücke und die Porta Westfalica mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Die Weser fließt innerhalb der deutschen Grenzen; Rechte: Mauritius/Blume

Alles im Fluss

Abgesehen von den zahlreichen Nebenflüssen der großen Ströme liegen die wenigsten Flüsse mit Quelle und Mündung innerhalb der deutschen Grenzen, wie es bei zum Beispiel Weser oder Ems der Fall ist. Viele entspringen oder münden in einem Anrainerstaat und queren daher nur mit einem Teil ihres Laufs deutsche Landschaften. Der Rhein als Inbegriff eines deutschen Flusses liegt mit 865 Kilometer innerhalb der Grenzen – bezogen auf seine gesamte Länge von 1230 Kilometern und sein immenses Einzugsgebiet ist er allerdings ein sehr internationales Gewässer.

Deutsche Flüsse?

Über 500 Flüsse durchfließen Deutschland, Flüsse von ganz unterschiedlicher Länge und Charakteristik. Sie stellen die Verbindung zwischen Gebirgen und Tiefländern her. Als Nebenfluss führen sie das Wasser zum nächst größeren Fluss ab, als großer Strom leiten sie ihre nasse Fracht ins Meer. Das Vorkommen zahlreicher Flüsse weist auf günstige Verhältnisse im Wasserhaushalt hin.
Die für Deutschland typischen Niederschlagsmengen sind im Durchschnitt so hoch, dass mehr Wasser oberirdisch abfließt als verdunstet oder im Untergrund versickert. Dabei variiert der Abfluss je nach Region: in Leelagen, das heißt im Windschatten der Mittelgebirge, ist er relativ gering, während er zum dagegen in den Alpen sehr hoch ist. Dieser oberirdische Abfluss strebt in Rinnsalen, Bächen und Flüssen dem Meer zu.

Woher der Fluss sein Wasser nimmt

  • Luftbild der durch Felder mäandrierenden Donau nahe Pondorf. Die Donau aus der Vogelperspektive; Rechte: dpa, Armin Weigel
  • Durch die bergige Landschaft der Schwäbischen Alb schlängelt sich die Donau. Donautal in der Schwäbischen Alb; Rechte: WDR

Sammelbecken für Niederschläge

Sechs große Flüsse teilen mit ihren Einzugsgebieten die Landesfläche auf. Dabei entfallen auf Rhein, Weser, Elbe und Donau etwas über 85 Prozent der Fläche, Ems und Oder sowie kleinere Küstenflüsse in den nördlichen Bundesländern übernehmen den Rest. Da sich die Landoberfläche ausgehend von den höchsten Erhebungen der Alpen im Süden bis ins Norddeutsche Tiefland allmählich absenkt, fließen die meisten Flüsse entsprechend dieser Abdachung etwa von Südost nach Nordwest. Mit einer Ausnahme münden alle Flüsse in die Nord- und Ostsee: Nur die Donau entwässert ins Schwarze Meer.

Wasserscheiden – trennende Höhen

Die Einzugsgebiete der großen Ströme werden durch Wasserscheiden voneinander getrennt. Dabei handelt es sich meist um Gebirgsrücken und Höhenzüge, an deren Seiten das Wasser in unterschiedliche Richtungen abfließt. Die Kammlagen (das sind die jeweils höchsten Erhebungen) können von Fließgewässern nicht überquert werden und gelten daher als natürliche Grenze. Zwischen den Einzugsgebieten der Donau im Süden und von Rhein und Elbe im Norden verläuft ein Teil der europäischen Wasserscheide, deren Bergkämme die Zuflüsse ins Schwarze Meer beziehungsweise in Nord- und Ostsee trennen. Sie zieht sich von den Allgäuer Alpen aus nach Nordwesten durch den südlichen Schwarzwald, verläuft anschließend über die Schwäbische und Fränkische Alb nach Nordosten und schwenkt dann an der Landesgrenze nach Südosten, wo die Höhenzüge von Oberpfälzer und Böhmer Wald die Wasserscheide fortsetzen.

Flüsse im Lauf der Zeit

Gewässernetz als Folge erdgeschichtlicher Vorgänge

Der Lauf aller Flüsse folgt dem natürlichen Gefälle, das sich in Verlauf der wechselvollen Landschaftsgeschichte herausgebildet hat. Das Gewässernetz wird wesentlich durch Kräfte geprägt, die im Innern der Erde wirksam sind und in deren Folge Gebirge und Täler entstehen. Diese oberflächenformenden erdgeschichtlichen Prozesse wirken im Zusammenspiel mit klimatischen Gegebenheiten, denn das Klima einer Region entscheidet über Niederschlagsmengen und deren jahreszeitliche Verteilung. Darüber hinaus trägt das fließende Wasser selbst durch seine abtragenden und einschneidenden Kräfte (Erosion) zur Talbildung bei. In Teilen Deutschlands hat zudem das Eiszeitalter (Quartär, vor etwa zwei Millionen bis 10.000 Jahren) mit seinen häufigen Wechseln zwischen Warm- und Kaltzeiten eine bedeutende Rolle gespielt. In diesen Gebieten haben Gletscher zu einer Veränderung der Oberflächenformen geführt und damit zu einer Ablenkung der abfließenden Schmelzwässer. Um die Gletscherlagen herum sammelte sich das Schmelzwasser in sogenannten Urstromtälern, in denen es dann parallel zum Eisrand ablief.

  • Blick von einem Hang aus auf Cochem und die Mosel. Die Stadt zwängt sich an das linksseitige Ufer. Schon ein "alter" Fluss: die Mosel; Rechte: dpa, Stackmann

Alte und junge Flüsse

Die ersten Spuren der Flussentwicklung stammen aus der Erdneuzeit, genaugenommen aus dem Erdzeitalter des Tertiär (vor etwa 65 bis zwei Millionen Jahren). Zu dieser Zeit wurden die Gesteinsmassen der Alpen zu einem Hochgebirge emporgehoben und die Mittelgebirge entstanden. Gleichzeitig sanken die umgebenden Tiefländer ab, was die Richtung des Abflusses vorgab und dazu führte, dass die Fließgewässer sich stark in das jeweilige Gestein einschnitten.

Demgegenüber ist das seenreiche Gewässernetz des norddeutschen Tieflandes und des Voralpenlandes noch sehr jung - gerade einmal 10.000 Jahre alt. Hier haben sich die Grundzüge der Flusssysteme zwar bereits während der Eiszeit ausgebildet. Es entstanden jedoch nach Abschmelzen der Eismassen vor rund 10.000 Jahren zahlreiche neue Bäche und Flüsse.

Binnenschifffahrt und Flussausbau

  • Anlegestelle im Duisburger Hafen mit einem historischen Radschleppdampfer. Europas größter Binnenhafen: der Duisburger Hafen. Rechte: Mauritius
  • Ein Schiffsführer im Cockpit eines Autoschiffs, auf der Ladefläche stehen viele Autos. Autotransport auf dem Rhein; Rechte: dpa/Roland Scheidemann

Vom Fließgewässer zur Wasserstraße

Zahlreiche Flüsse und Ströme in Deutschland haben eine wichtige Bedeutung als Binnenwasserstraße, unbestrittener Spitzenreiter ist der Rhein. Millionen Tonnen von unterschiedlichsten Gütern werden Jahr für Jahr in deutschen Binnenhäfen umgeschlagen. Rund 7.500 Flusskilometer sind für die Güter- und Personenschifffahrt nutzbar. Der Rhein bildet gemeinsam mit seinen Nebenflüssen Mosel, Main und Neckar sowie den übrigen großen Flüssen Weser, Elbe, Oder und Donau das Grundgerüst des Wasserstraßensystems. Durch den Bau von Kanälen wurden die existierenden Wasserstraßen an günstigen Stellen miteinander vernetzt.

Die wilden Wasser zähmen

Die Kultivierung der deutschen Flusslandschaften hat eine Jahrhunderte lange Tradition. Vor allem unter preußischer Herrschaft wurde seit Mitte des 18. Jahrhunderts die Trockenlegung von Bruchwäldern, die Verkürzung von Flussschlingen (Mäandern) und Deichbaumaßnahmen vorangetrieben. Spätestens seit die Flüsse in zunehmendem Maße für die motorisierte Binnenschifffahrt genutzt wurden, haben die zahlreichen Ausbaumaßnahmen zu einer grundlegenden Veränderung der Flüsse geführt. Die Vertiefung und Einengung des Flussbettes oder die Begradigung und Kanalisierung von Flussabschnitten machen die Befahrung mit immer größeren Schiffen möglich. Die so erreichte Flussregulierung schränkt jedoch auch die natürliche Dynamik der Fließgewässer erheblich ein. Die naturgemäßen regelmäßigen Überflutungen der Flussauen bleiben aus, so dass diese flussbegleitenden Feuchtgebiete austrocknen und wertvolle Tier- und Pflanzenarten dieser bedrohten Lebensräume verschwinden.

Wasser im Überfluss

Hochwasser sind die Natur des Flusses

Hochwasser gehören zur natürlichen Dynamik von Flusssystemen. In naturbelassenen Landschaften führen Überschwemmungen kaum zu Schäden. Tier- und Pflanzenwelt der Auenlandschaften haben sich dem Wechsel zwischen Überflutung und Austrocknung angepasst. In den heute oftmals dicht besiedelten Gebieten entlang der großen Flüsse können Hochwasser allerdings erhebliche Schäden an Gebäuden und Infrastruktur verursachen und Menschenleben gefährden. Die in ihrem Lauf eingeengten Wassermassen befreien sich immer öfter aus ihrem "Korsett" und werden als bedrohliche "Jahrhundert-Hochwasser" eingestuft. Besonders betroffen sind die flussnahen Gebiete, die trotz Überschwemmungsgefahr bebaut wurden. Durch die Ausweitung von neuen Siedlungs- und Verkehrsflächen wird immer mehr natürliche Erdoberfläche durch Bebauung verschlossen. Dort können die Niederschläge nicht so gut versickern und fließen stattdessen schneller an der Oberfläche ab.

  • Die über die Ufer getretene Elbe hat die Landschaft unter Wasser gesetzt, einzelne Bäume ragen aus dem Hochwasser heraus. Landunter: das Elbe-Hochwasser 2002; Rechte: ddp/M.Urban

Den Flüssen mehr Raum geben

Im Jahr 2005 verabschiedeten Bundestag und Bundesrat ein neues Hochwasserschutzgesetz. Erklärtes Ziel ist, damit ein wirksames Instrument zur Vorbeugung gegen Hochwasserschäden zu installieren und künftige Hochwasserkatastrophen verhindern zu können. Zentrale Vorgabe, für deren Umsetzung die einzelnen Bundesländer zuständig sind, ist die Gewinnung und Rückgewinnung von Rückhalteflächen (Retentionsräumen) entlang der größeren Flüsse - das heißt die stellenweise Wiederbelebung der Auen als Überschwemmungsgebiete. In den Überschwemmungsgebieten dürfen bis auf einige Ausnahmen keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden. Bäche und kleinere Flüsse sollen ebenfalls renaturiert, Begradigungen und Verrohrungen möglichst beseitigt werden. Somit stehen die Ufer wieder als Überschwemmungsflächen zur Verfügung, was dazu führt, dass der Abfluss in die hochwassergefährdeten Ströme verlangsamt wird.

Binnenschifffahrt

Schicken Sie Ihre Schülerinnen und Schüler mit dem Binnenschiffer Hinze auf eine Reise quer durch Deutschland. Auf den einzelnen Stationen passieren sie den größten Binnenhafen Europas und lernen, wie eine Schleuse funktioniert. Doch zunächst gilt es, auf einer interaktiven Deutschlandkarte per Mausklick den Verlauf von Rhein, Elbe & Co nachzuzeichnen...

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Eine Comic-Figur (Binnenschiffer Hinze) zeigt auf eine gezeichnete Landkarte von Deutschland; Rechte: WDR Multimedial

Leben im Fluss (Planet Wissen)

Vom Bach zum Strom: Welche Tiere und Pflanzen sind hier zu Hause? Wie verändert sich der Lebensraum, wenn aus dem Rinnsal ein richtiger Fluss wird? Gehen Sie auf Entdeckungsreise und tauchen Sie ein in die faszinierende Welt unserer heimischen Gewässer!

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Startbild des Multimedia-Elements, zu sehen ist eine Flusslandschaft mit einem Schwan; Rechte: Wdr Multimedial