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Hintergrund: Am Set der SWR-Reihe

  • Klappe (Quelle: www.fodey.com)

Umzugskartons stapeln sich vor einem Mietshaus in der Karlsruher Südstadt. An sich nichts Ungewöhnliches, nur: Zwischen Kisten, Musikinstrumenten und allerhand Gerümpel sitzt ein gelbes haariges Etwas. Und dieses merkwürdige Wesen zappelt und spricht: „Ich bin Zinell“, stellt es sich vor. Die nörgelige Bewohnerin Frau Zoffke beäugt das unbekannte Wesen misstrauisch: „Das will ich gar nicht wissen. So etwas Zotteliges hat uns hier gerade noch gefehlt!“, mosert sie verstimmt.

„Moment, das proben wir noch mal!“, ruft Regisseur Tilman Büttner in die Szene. Passanten bleiben neugierig stehen. Die ganze Straße steht voller LKWs des Südwestrundfunks. Mehr als 30 Menschen wirken hier am Set. Tilman Büttner und sein Team stecken mitten in den Dreharbeiten zur neuen SWR-Fernsehserie „Mumbro & Zinell – Deutsch für Kinder“. Mit dieser zehnteiligen Reihe können Grundschüler mit Migrationshintergrund ab Herbst 2009 die deutsche Sprache lernen. Kinder auf spielerische Weise sprachlich zu fördern, lautet das Konzept der Reihe, so die SWR-Redakteurinnen Daniela Hindemith und Ulla Rehbein.

Doch jetzt wird erstmal gedreht. „Achtung, Ruhe bitte!“, ruft Set-Aufnahmeleiter Daniel Geier. Es wird ernst. Kein Ton ist zu hören, alle sind hoch konzentriert. Kameramann Jac-Uwe Otto sitzt drehbereit an der Kamera. Klappe 932, die dritte. Ton ab!

Zwei Möbelpacker entladen mit großem Getöse einen Transporter der Umzugsfirma „Pfeil & Schnell“. Plötzlich steigt Rauch aus einer der Kisten. In dieser sitzt – im Moment noch unsichtbar – der dicke und schwerfällige Mumbro.

Umzugswagen, Mann mit Umzugskarton, Kamerawagen (Quelle: Claudia Heidenfelder)

Kamera läuft - in der Karlsruher Südstadt wird die Folge "beim Umzug" gedreht

  • Michael Hepe mit Zinell (Quelle: Claudia Heidenfelder) Michael Hepe mit Zinell

Mumbro und Zinell – das sind die beiden Protagonisten der zehnteiligen SWR-Reihe des Schulfernsehens. Sie kommen aus einer geheimnisvollen, unterirdischen Höhlenwelt, in der ein finsterer König regiert. In jeder Folge erhalten die beiden Freunde einen Auftrag des launischen Herrschers. Sollten sie seine Wünsche nicht erfüllen, droht Mumbro und Zinell die Verbannung an einen grässlichen Ort. Um den König nicht zu erzürnen, stürzen sie sich ins Abenteuer und tauchen plötzlich irgendwo in der Welt der Menschen auf – zum Beispiel in einem Zirkuszelt. Oder auf einem entlegenen Bauernhof. Einmal auch des Nachts: in einer Schule, in der es scheinbar spukt und in der ein seltsamer Hausmeister bei Mondschein unterrichtet. Oder sie landen – wie in dieser Folge - mitten im Umzugschaos des Musikers Jimmy.

Leben wird den beiden haarigen Gestalten durch zwei Puppenspieler eingehaucht: Sylvia und Michael Hepe. Michael Hepe führt und spricht die Handpuppe des frechen und quirligen Zinell. Im Inneren des großen und schwerfälligen Mumbro steckt Ehefrau Sylvia. Die beiden Puppen hat Michael Hepe selbst entworfen und gebaut. An die Figuren stellte er wie die gesamte Redaktion hohe Ansprüche. So wurde zum Beispiel der Stoff für die Puppen in Hollywood geordert, denn: „Nur hier gab es diese spezielle Qualität“, berichtet der Puppenbauer und streicht über das lange zottige Fell.

Was man den beiden Figuren von außen gar nicht ansieht: In ihren Eingeweiden verbirgt sich jede Menge Technik. Damit Sylvia alias Mumbro ihren Weg findet, ist im Kopfinneren der Figur, am Kunststoffgerüst, eine kleine Kamera angebracht. So kann Sylvia über eine Kamera und einen Monitor immer nach außen schauen. Um auf längeren Strecken nicht zu stolpern, lässt Sylvia sich zusätzlich von Alexander Koch führen, der für die Betreuung der Puppenspieler verantwortlich ist. Eine kleine Belüftungsanlage verhindert zudem, dass sie unter dem dicken grünen Pelz Atemnot bekommt. Wie Mumbro wird auch Zinell teilweise elektrisch gesteuert. Erst so können die beiden Puppen ihre riesigen Augen kreisen lassen und Zinell kann so seine Arme bewegen. Und die kommen in der nächsten Einstellung zum Einsatz, wenn er sich lautstark auf dem Schlagzeug des Musikers Jimmy austobt.

Möbelwagen und diverse Personen (Quelle: Claudia Heidenfelder)

Probe: Zinell taucht auf. Im Vordergrund Regisseur Tilman Büttner, im Möbelwagen Filmmusik-Autor und "Umzugspacker" Gerd Gerdes mit Frau Zoffke

  • Mumbro, Zinell, Frau Zoffke, Musiker Jimmy (Quelle: Claudia Heidenfelder) Mumbro und Zinell mit Frau Zoffke und Musiker Jimmy

Im Hintergrund der Szene ist der kleine Laden „Yilmaz Market – Import und Export“ zu sehen. Normalerweise ist hier eine kleine Filmwerkstatt tätig, die jedoch eigens für die Dreharbeiten ihr Büro geräumt hat. Das verrät Szenenbildnerin Pamela Schmidt, die ebenfalls am Set ist. Mit viel Liebe zum Detail und allerhand Obst- und Gemüsekisten hat sie den Raum zu einem türkischen Lebensmittelladen umgestaltet. Schließlich spielt die Reihe in einer Gesellschaft unterschiedlicher Kulturen. Auch das zwei Häuser weiter gelegene griechische Restaurant „Poseidon“, in dem sonst ein Versicherungsbüro logiert, trägt zum multikulturellen Ambiente bei. All die Umbauaktionen hat Pamela schon Wochen und Monate vor Drehbeginn in die Wege geleitet. Mehr über die Kulissen kann die Szenenbildnerin leider nicht preisgeben, denn sie muss los: An einem der nächsten Drehorte, einem Zirkus in Kuppenheim, gibt es noch allerhand zu organisieren.

Der Rest des Teams bleibt und fröstelt – wie schon an so vielen Drehtagen für die Produktion. Es ist zwar bereits Ende März, doch die Temperaturen sind wie im Januar, das Wetter ist wechselhaft wie im April. Regieassistentin Patricia Teichert hat sich bereits heftig erkältet. Der Kameraassistent blickt prüfend zum Himmel. Für die nächste Einstellung wartet das Team auf die nächste Wolke – wegen der Lichtverhältnisse. Schon bald zieht sich der Himmel wieder zu, es kann weitergehen mit dem Dreh.

Zinell sitzt zwischen Umzugskisten und versucht sich auf dem Dudelsack des Musikers. Frau Zoffke reißt das Fenster der Parterrewohnung auf: „Geht das auch leiser?“, ruft sie erzürnt. „Die Sachen gehören dem neuen Mieter!“ Mit einem Knall fliegt das Fenster wieder zu.

„Aus. Sehr schön. Das nehmen wir so!“ ruft Regisseur Tilman Büttner. Wieder ist eine Einstellung im Kasten. Doch der Drehtag ist noch lange nicht zu Ende.