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Unterricht: Zur Aussprache des Lateinischen Kommentar-Textes

Der Festlegung auf einen bestimmten Aussprachemodus ging ebenfalls eine grundsätzliche Entscheidung voran: Die Kommentare werden nicht im „pronontiatus restitutus“, der von Linguisten rekonstruierten Phonetik des klassischen Lateins, gesprochen. Für eine größtmögliche Verständlichkeit sollte sich die Phonetik von den Hör- und Lesegewohnheiten der Schüler nicht allzu weit entfernen. Es ist davon auszugehen, dass im Lateinunterricht in Deutschland der pronuntiatus restitutus bislang eher die Ausnahme darstellt. Daher haben wir eine Aussprache gewählt, die sich an den Sprech- und Hörgewohnheiten der Mehrheit der Lateinschüler und –lehrer orientiert. Auffällig ist der phonetische Unterschied und damit der Höreindruck v.a. bei den ursprünglich diphthongisch gesprochenen Vokalverbindungen ae und oe, die hier nach traditioneller Schulaussprache „ä“ und „ö“ gesprochen werden, sowie bei ch, das hier v.a. in Fremdwörtern und Neologismen wie archaeologus oder technicus vorkommt und als Reibelaut wie „ch“ nach deutscher Konvention gesprochen wird. Würde man z.B. archaelogus nach dem pronuntiatus restitutus historisch „korrekt“ als [arkhaiólogus] aussprechen, wäre es beim Hören weniger gut verständlich als mit der deutschen Aussprache „archäólogus“.

Grundregeln der im Film benutzten Aussprache

  • ae wie ä: insulae = insulä.
  • c wie k: Caesar = Käsar, Cicero = Kikero.
  • ch hier wie dt. „ch“: archaeologus.
  • oe wie ö: poena = pöna, foedus = födus.
  • ti ohne den Zischlaut z: ratio = ra-ti-o, etiam = et-jam.
  • Doppelkonsonanten werden hier nicht doppelt gesprochen: mīlle wie „mīle“.

Die Betonung richtet sich nach der üblichen „Paenultima-Regel“, d.h. mehrsilbige Wörter werden auf der vorletzten Silbe betont, wenn diese lang ist, sonst auf der drittletzten. Lang ist die vorletzte Silbe dann, wenn sie einen langen Vokal oder Diphthong enthält oder nach dem Vokal mehrere Konsonanten folgen:
thesaurus: vorletzte Silbe mit Diphthong
pretiōsus: vorletzte Silbe mit langem Vokal
argentum: mehrere Konsonanten nach dem Vokal der vorletzten Silbe
flūmina: vorletzte Silbe ist kurz.

Die hier verwendete deutsche Schulaussprache beruht auf einem Kompromiss zwischen der bis zum 19. Jahrhundert üblichen mittelalterlichen Aussprache mit –ti- und c (vor hellem Vokal) als „z“ (Caesar = Zäsar, pretiosus = preziosus) und der historisch rekonstruierten Aussprache des stadtrömischen Lateins in der Zeit Ciceros (sog. „pronuntiatus restitutus“). Allerdings wurde das Latein in den verschiedenen Epochen der lateinischen Sprachgeschichte und auch in den verschiedenen Regionen Italiens und des Römischen Reiches nicht gleich ausgesprochen. So war etwa die Aussprache von ae als „ä“ in den ursprünglich oskisch-umbrischen Sprachgebieten Italiens schon in klassischer Zeit üblich.