zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.
Ich dachte erst auch, das wären Verrückte, habe aber dann gemerkt, dass das Ganze Hand und Fuß hat. Man kann die Leute in drei Gruppen einteilen: Erstens: die wissenschaftlich motivierten Mitarbeiter. Sie sind wichtig für die Konzeption. Zum Beispiel Florian Renucci, der technische Leiter der Baustelle: Er ist Archäologe und Kunsthistoriker. Zur zweiten Gruppe würde ich die Mittelalter-Begeisterten zählen, die Freaks. Und die dritte Gruppe, das sind die Ortsansässigen. Es sind viele Langzeitarbeitslose dabei, die eine Arbeit gefunden haben, die einfach so reingerutscht sind.
Der kurioseste Fall ist der Schmied – der ist Journalist. Thierry Darques. Er arbeitet auch noch weiter als Journalist, zum Beispiel in den Wintermonaten. Aber er hat in Guédelon seine Erfüllung gefunden. Die meisten sind erfahrene Handwerker, die sich spezialisiert haben. Was ich nachvollziehen kann: Ich bin ein Bewegungs-Freak. Und die Leute in Guédelon schätzen die körperliche Arbeit – Sport als Ausgleich müssen die nach der Arbeit nicht machen!
Ja, beim Mittagessen – das kommt von einer Catering-Firma.
Mich reizen verrückte Geschichten. Ich habe zum Beispiel für die Expo mal etwas über Berufe der Zukunft gemacht – das waren immer die gleichen Bilder: Ein Mensch sitzt am Computer… In Guédelon reizt das Filmische, die Bewegung, die Kulisse. Das gibt tolle Bilder! Ansonsten ist Guédelon für mich ein Langzeitprojekt, das ich bis zur Fertigstellung begleite: Es müsste hinkommen mit dem Rentenalter.
Die Dimension. Weil man keinen Vergleich hat. Hier sind Leute, die versuchen etwas Verrücktes. Und es waren immer die Verrückten, die die Welt verändert haben: Marco Polo, Jules Verne, Leif Ericsson, Humboldt. Sie brachten den Fortschritt.
Da muss ich etwas ausholen: Es ist kein Zufall, dass genau zu dem Zeitpunkt, als in Deutschland der letzte Bär und der letzte Wolf erlegt wurden, die ersten zoologischen Gärten aufgemacht haben. Man hat gemerkt: "Es ist etwas verschwunden". Ähnlich ist es bei Guédelon. Wir haben heute Fernsehen, Internet, Videospiele – einen virtuellen Raum. Guédelon verkörpert die Wirklichkeit, die wir nicht mehr kennen. Es ist Wirklichkeit.
Gute Frage. Die stellt man sich vor Ort laufend. Sie machen auch schon Witze darüber. Florian Renucci hat schon zu uns gesagt: "Das Turmzimmer ist dann für Euch." Es wird wohl weitergehen. Das muss es, schließlich finanziert sich das Projekt selbst. Wahrscheinlich ist eine Kirche, aber nicht gleich eine Kathedrale. Maryline Martin (Projektleiterin) hat von einem geistlichen Zentrum gesprochen. Das kann eine Kirche sein, eine Synagoge, eine Moschee. Und außerdem: Guédelon ist eine grandiose Filmkulisse!
© Text: Martina Frietsch
