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Hintergrund: Heinrich Böll – Leben und Werk

Heinrich Böll (SWR - Screenshot aus der Sendung)

Heinrich Böll – Kurzbiografie


1917
Heinrich Böll wird am 21. Dezember in Köln als Sohn des Bildhauers Viktor Böll und dessen Frau Maria (geb. Hermann) geboren.

1937
Abitur, danach Beginn der Ausbildung als Buchhändler in Bonn

1938
Böll bricht seine Lehre ab und wird in diesem Jahr zum Reichsarbeitsdienst einberufen. Er beginnt mit schriftstellerischer Tätigkeit.

1939
Beginn des Studiums (Geschichte und Philologie), auch dieses muss Böll abbrechen, weil er zur Wehrmacht einberufen wird.

1942
Hochzeit mit der Lehrerin und Übersetzerin Annemarie Čech.

1944
Tod der Mutter Maria.

1945
Im April gerät Böll in amerikanische Kriegsgefangenschaft, im September wird er daraus wieder entlassen.
Geburt des Sohnes Christoph, der bald nach der Geburt stirbt.

1946
Germanistik-Studium in Köln.

1947
Geburt des Sohnes Raimund.
Erste Kurzgeschichten Bölls werden veröffentlicht.

1948
Geburt des Sohnes René.

1949
Erste Buchveröffentlichung „Der Zug war pünktlich“.

1950
Geburt des Sohnes Vincent.

1959
Der Roman „Billard um halb zehn“ wird veröffentlicht.

1963
Veröffentlichung des Bestseller-Romans „Ansichten eines Clowns“.

1964
Böll arbeitet als Gastdozent für Poetik an der Universität Frankfurt am Main.

1972
Böll erhält den Literatur-Nobelpreis.

1974
Die Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann“ erscheint.

1983
Böll wird durch den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen zum Professor ernannt und wird Ehrenbürger der Stadt Köln.

1985
Böll stirbt nach langer Krankheit am 16. Juli in seinem Haus Langenbroich/Eifel.

Billard um halb zehn

In seinem Roman „Billard um halb zehn“ beschreibt Böll den Konflikt zwischen selbstständig handelnden und denkenden Personen und der opportunistischen Mehrheit:

Zum 80. Geburtstag des Familienoberhauptes treffen die drei Generationen der rheinischen Architektenfamilie Fähmel am 6. September 1958 seit langem wieder zusammen: Heinrich Fähmel, das Familienoberhaupt, sein Sohn Robert Fähmel und dessen Kinder Joseph und Ruth. Durch Rückblenden und Erinnerungen erfährt der Leser die Lebensgeschichten der Hauptfiguren.

Robert spielt jeden Tag von halb zehn bis elf mit Hugo, einem Hotelboy, im Hotel Prinz Heinrich Billard und erzählt ihm seine Erlebnisse: Er berichtet von seinem Vater, der 1907 den Auftrag erhielt, die Abtei St. Anton zu erbauen und beschreibt, mit welch großer Freude sein Vater dieser Aufgabe nachging.

Im Zweiten Weltkrieg wurde diese Abtei gesprengt: Auf den Befehl eines Generals hin zerstört der Sprengmeister Robert Fähmel das Lebenswerk seines Vaters.

Inzwischen hat der Wiederaufbau der Abtei begonnen, daran beteiligt ist Roberts Sohn Joseph, der wie sein Vater und Großvater Architekt werden möchte. Als er bei der Besichtigung der Überreste der Abtei herausfindet, dass sein eigener Vater diese zerstört hat, kommt er mit sich und seiner Vergangenheit in Konflikt und beschließt nicht nur den Auftrag zu kündigen, sondern auch den Architektenberuf aufzugeben.

Der Roman endet mit der Geburtstagsfeier von Heinrich im Hotel Prinz Heinrich.

Ansichten eines Clowns

Mit dem Roman „Ansichten eines Clowns“ prangert Böll die Unreflektiertheit der Menschen an, am Beispiel des Nationalsozialismus und der katholischen Kirche:

Hans Schnier, der von Beruf Clown ist, kehrt nach der Trennung von seiner Geliebten Marie Derkum im Frühjahr 1962 alleine und mittellos in seine Wohnung in Bonn zurück. Er kontaktiert nach und nach seine Eltern und alte Bekannte per Telefon, verfällt immer wieder in Erinnerungen und denkt über sich, sein Scheitern und seine Umwelt nach.

Zuerst ruft er seine Mutter an, die während des Krieges eine überzeugte Nationalsozialistin war und heute als Präsidentin des „Zentralkomitees zur Versöhnung rassischer Gegensätze“ arbeitet. Schnier ist angeekelt von ihrer Verlogenheit, Heuchelei und Profitgier und beendet das Gespräch abrupt.

Später erinnert sich Schnier an den Streit mit Marie, der zur Trennung führte. Sie wollte ihn standesamtlich heiraten und bestand darauf, dass die Kinder katholisch erzogen werden. Obwohl Schnier, der „keiner Kirche steuerpflichtig“ ist, einwilligte, verließ ihn Marie mit der Begründung, dass sie ihren eigenen Weg gehen müsse.

Schnier kontaktiert auch einige Mitglieder des katholischen Kreises, die hohe Tiere in der CDU sind, sowie seinen Vater, einen reichen Unternehmer, und seinen Bruder, der katholischer Priester ist, doch keiner von seinen Bekannten und Verwandten hilft ihm. Nach und nach wird ihm bewusst, dass in dieser Gesellschaft die Mitmenschlichkeit dem Materialismus unterlegen ist und nur die Opportunisten erfolgreich sind.

Seine anfängliche Hoffnung auf einen Neuanfang hat sich nicht erfüllt. So setzt er sich am Ende auf eine Treppe am Bahnhof, spielt Gitarre und hofft auf Maries Rückkehr. Doch Marie verbringt zu diesem Zeitpunkt ihre Flitterwochen in Rom mit ihrem katholischen Ehemann.

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

„Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann“ ist eine Erzählung, in der Böll den Sensationsjournalismus anklagt und die möglichen Folgen herausstellt:

Die 27-jährige Hausgehilfin Katharina Blum lernt auf einer Karnevalsfeier einen um ein Jahr älteren Mann namens Ludwig kennen, der sie am Abend nach Hause in ihre Wohnung begleitet und mit ihr die Nacht verbringt. Am nächsten Morgen stürmt die Polizei Katharinas Wohnung auf der Suche nach Ludwig Götten, der verdächtigt wird einen Raubmord begangen zu haben. Götten war jedoch schon früh am Morgen durch einen Heizungsschacht entkommen. Katharina soll ihm zur Flucht verholfen haben und wird vorläufig festgenommen und mehrmals verhört.

Der Journalist Werner Tötges nimmt Kontakt zu Katharinas Umfeld auf und holt sich Meinungen über sie ein. Er verfälscht die Aussagen der Personen, die Katharina kannten, und vermischt diese mit verdrehten Tatsachen, um einen perfekten Skandal zu erhalten.

Katharina wird als Mittäterin und Flittchen dargestellt und erhält beleidigende und obszöne Anrufe und Briefe, bis sie schließlich zu einer von allen verachteten Außenseiterin wird. Sie sucht Hilfe bei der Polizei, doch die Beamten weisen sie lediglich auf die Pressefreiheit hin und überlassen sie ihrem Schicksal.

Tötges konfrontiert Katharinas schwer kranke Mutter im Krankenhaus mit den Vorwürfen gegen ihre Tochter; sie stirbt noch in derselben Nacht.

Nach Göttens Verhaftung verabredet sich Katharina mit dem Journalisten Tötges zu einem Exklusivinterview in ihrer Wohnung. Als Tötges erscheint und sie dazu auffordert mit ihm Sex zu haben, zieht sie eine Pistole aus ihrer Handtasche und erschießt ihn.

Stundenlang irrt sie in der Stadt umher, verwundert darüber, dass sie keinerlei Reue empfindet. Am Abend stellt sie sich der Polizei und gesteht den Mord.