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Hintergrundwissen

Mittelalter

In der Entwicklung hin zum christlichen Mittelalter ersetzte die Kirche antike Regeln und dehnte zunehmend ihren Machtbereich aus. Sie baute ein neues Eheideal auf und legte die Grundlagen zur Etablierung der christlichen Familie. Ehebruch und Polygamie wurden zunehmend verpönt. Die Kirche übernahm auch allmählich die Aufgabe der Trauung und segnete die nach christlichen Normen unauflöslich gewordenen Ehen. Aus römischer und germanischer Überlieferung wurde das Symbol des Ringes übernommen. Der ursprüngliche Treuering wurde zum Trauring umgeformt. Weiter aber galt der Ring als Zeichen der Treue und als Unterpfand des Eheversprechens.

  • Lucas Cranach, Adam und Eva

"Sie hat mir Treu versprochen,
gab mir ein Ring dabei,
sie hat die Treu gebrochen,
das Ringlein sprang entzwei"

so drückt es ein bekanntes Volkslied aus. Durch den christlichen Einfluß gerieten die bisher üblichen Formen "freier Liebe" zunehmend unter moralischen Druck. Das zeigt sich unter anderem auch an der Verschlechterung der Lage des unehelichen Nachwuchses, der recht lange den ehelichen Kindern an Wert gleichgestanden und nur den Stand des Vaters nicht geerbt hatte. Während die Institution der Ehe so an Bedeutung gewann, fanden an den Höfen ganz andere Fragen Beachtung. Die Minne, die leidenschaftliche höfische Liebe, war entdeckt worden.

Die Troubadoure besangen sie und die jungen Ritter wetteiferten miteinander in der leidenschaftlichen Verehrung ihrer Damen. Die Frage ob Liebe und Ehe miteinander vereinbar seien, wurde bald lebhaft diskutiert, ohne eine endgültige Antwort zu finden. Allerdings lebte die höfische Liebe auch von der Fiktion und der Sehnsucht. Die angebetete höfische Frau war unerreichbar, sie durfte, um der perfekten Minne willen, überhaupt keine Erfüllung ermöglichen. Die Realität des Ehealltags hatte wenig mit der kunstvollen Idealisierung der Geliebten zu tun.

"Die alte Differenz von häuslicher Reproduktion und Liebesaffairen außerhalb wird nicht beseitigt, aber überformt durch die Idee einer großen Liebe, die einer und nur einer Frau gilt, deren Gunst man verdienen, aber nicht erkämpfen und vor allem nicht erzwingen kann. Die Erotik wird dirigiert auf etwas, was man nur von einer bestimmten Frau (und nicht von mehr oder weniger jeder) bekommen kann. Das zwingt den Ritter auf die Knie." (Luhmann, 1992, S.52.)

Ich wêne nieman lebe der mînen
kumber weine,
den ich eine trage,
ez entuo diu guote, diech mit triuwen meine,
vernimt si mîne klage.
Wê wie tuon ich sô, daz ich sô herzeclîche
bin an si verdâht, daz ich ein künicrîche
für ir minne niht ennemen wolde,
obe ich teilen unde welen solde?
Heinrich von Morungen

Ich glaube, niemand lebt, der über meinen
Kummer weint,
den ich alleine trage,
es tu denn so die Edle, die getreu ich liebe,
vernimmt sie meine Klage.
Weh, was tu ich, daß ich so von Herzen
bin an sie verloren, daß kein Königreich
ich für die Liebe zu ihr nehmen wollte,
wenn ich zu entscheiden und zu wählen hätte?

Insgesamt gab es in in der Zeit des Mittelalters wohl wenig Raum für Privatheit und Intimität. Das Leben des Einzelnen war fest in der Gemeinschaft verankert, Rückzugsmöglichkeiten waren rar. Liebesbeziehungen wurden öffentlich geführt und fanden allgemeines Interesse.

  • Gemälde einer Hochzeit
  • berittenes Liebespaar (Gemälde)
  • Mann betet Frau an (Gemälde)
  • Mann und Frau (Gemälde)
  • König und Königen (Gemälde)

Mit der Etablierung der Familie hatte im Laufe der nächsten Jahrhunderte auch das Privatleben mehr Entfaltungsmöglichkeiten. Über das alltägliche Leben der einfachen Bürger weiß man heute nicht sehr viel. Aussagekräftige Zeugnisse des Privatlebens sind daher überlieferte Tagebücher. Das Schreiben von Tagebüchern kam damals in Mode. Die englischen Tagebücher von Samuel Pepys, eines Londoner Beamten im 17.Jahrhundert, schildern detailliert das private Familienleben eines durchschnittlichen Bürgers. Der circa dreißigjährige Pepys beschreibt sein Zuhause, sein Eheleben, seine Seitensprünge und Affären und liefert damit ein anschauliches Bild persönlichen und auch erotischen Lebens. Viel Raum nehmen die Streitereien und Versöhnungen mit seiner Frau Elisabeth ein.

"Aber als ich nach Hause komme und auf mehr Ruhe und Frieden hoffe, finde ich meine Frau auf ihrem Bett erneut in schrecklicher Rage, sie warf mir alle erdenklichen Schimpfwörter an den Kopf und stand auf und verunglimpfte mich auf die schmählichste Weise von der Welt und konnte sich nicht enthalten, mich zu schlagen und an den Haaren zu ziehen".
Versöhnungen fanden bei Pepys oft im Bett statt.

  • Eine Dame macht einem Herr schöne Augen
  • Andere schauen schon...
  • Die Dame macht dem Herr weiterhin schöne Augen