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Das 20. Jahrhundert mit Weltkrieg und Revolution veränderte die Gesellschaft nachhaltig. Der Staat in seiner alten Form wurde abgeschafft, bürgerliche Familienmodelle zerbrachen. Die zunehmende Emanzipation der Frau, ihr gewachsenes Selbstbewußtsein und nicht zuletzt auch ihr Eintritt ins Arbeitsleben, führten dazu, daß die traditionelle Rollenverteilung ins Wanken geriet. Die Frauen erkämpften sich in den 20er Jahren ein großes Stück gesellschaftliche Macht und öffentlichen Raum zurück. Das wirkte sich auch auf das Familien- und Eheleben aus. Der Mann war nicht mehr der unbestrittene Herr der Familie sondern partnerschaftliche Verhältnisse begannen sich zu etablieren. Auch die öffentliche Wiederkehr des lange verdrängten und totgeschwiegenen Bereiches der Sexualität, sorgte für weitreichende Veränderungen. Mann und Frau entdeckten ihre körperlichen Bedürfnisse, die Geschlechter gingen freier miteinander um. Natürlich waren viele dieser Entwicklungen auf die Großstädte konzentriert, aber es war ein deutlicher Beginn größerer gesellschaftlicher Veränderungen.
Den Nationalsozialisten gelang es in Deutschland diese Entwicklung 12 Jahre lang zu unterdrücken, aber nach dem 2. Weltkrieg griff man viele Gedanken aus der Zeit des Jahrhundertbeginns wieder auf. Die sexuelle Revolution der 60er Jahre orientierte sich bewußt an den Ideen der zwanziger Jahre, man las in den Arbeiten Wilhelm Reichs und Sigmund Freuds. Die Emanzipation der Frauen machte es für beide Geschlechter leichter sich von den alten, einzwängenden Rollenanforderungen zu lösen. Die Entwicklung der Pille macht erstmals Sexualität ohne die damit jahrhundertelang verbundene Angst vor Schwangerschaft möglich.
© Text: Ulla Rehbein
