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Hinweise auf Schulen sind in allen Hochkulturen zu finden. Zu den frühen Zeugnissen gehören Bruchstücke von sumerischen Tontäfelchen, die Archäologen im Zweistromland ausgegraben haben. Die Texte auf ihnen sind vor etwa 2000 Jahren entstanden. Einige Textstellen geben Auskunft über den Schulalltag.
Sohn des Tafelhauses, wohin bist du seit deinen frühen Tagen gegangen?"
"Ich ging ins Tafelhaus."
"Was hast du im Tafelhaus gemacht?"
"Ich las meine Tafel, aß mein Frühstück, machte eine neue Tafel, beschrieb sie und machte sie fertig. Dann bestimmten sie meine mündliche Arbeit, und am Nachmittag bestimmten sie meine schriftliche Arbeit. Als das Tafelhaus geschlossen wurde, ging ich nach Hause und sah dort meinen Vater sitzen. Ich erzählte meinem Vater von meiner schriftlichen Arbeit, dann habe ich meine Tafel vorgelesen; mein Vater war damit zufrieden... gebt mir Wasser zu trinken ... gebt mir Brot zu essen... ich will gleich schlafen. Am frühen Morgen weckt mich, ich will nicht zu spät kommen, sonst schlägt mich mein Meister." (Zit. nach Schiffler/ Winkler: Tausend Jahre Schule)
Auch die reiche Kultur der Ägypter konnte ohne eine Vermittlung ihrer Kenntnisse und Fertigkeiten in frühen Formen von Schule nicht auskommen. Auf Papyros geschriebene Lehrbücher sind bis heute erhalten geblieben. Auf dem "Lehrplan" standen Lesen und Schreiben von Hyroglyphen, Rechnen und Geometrie.
Die griechisch-römische Antike hatte einen nachhaltigen Einfluss auf die abendländische Bildung: ihre Sprache, ihre Kultur, Philosophie und Kunst sind bis heute Gegenstand unserer Lehrpläne. Der Vielfalt ihrer kulturellen Hevorbringungen entspricht ein umfangreiches Bildungswesen.
In der Blütezeit Griechenlands, zur Zeit der hellenistischen Klassik, verbreitete sich die griechische Kultur über alle Länder des Mittelmeerraums. Anstelle der Bindung der Menschen an die Polis und ihre ständische Ordnung wurde die Lebens- und Geisteshaltung der (freien) Griechen in dieser Zeit zunehmend von Individualismus und dem Universalismus eines "Weltbürgertums" geprägt. Bildung wird immer mehr als "Wissen" verstanden. Geistiges Zentrum ist Athen, nicht zuletzt durch das Wirken der großen Philosophen Sokrates, Platon und Aristoteles. Die Ausbildung am Gymnasion, die ab dem 4 Jh. v. Chr. neben der körperlich-militärischen Ausbildung zunehmend auch geistige und musische Bildung umfasste, und die Philosphenschulen alten Stils gehen in der Gründung von Hochschulen eine Verbindung ein. Neben Athen entstanden Hochschulen z.B. in Alexandria (Ägypten), in Antiochia (Syrien) und Pergamon (in Mysien). Als Vorstufe zum Fachstudium entwickelte sich in hellenistischer Zeit eine "Allgemeine Bildung", ein Bildungskanon, der für viele Jahrhunderte prägend sein sollte: "Die sieben freien Künste." Unter den "freien" Künsten verstand man die eines freien Mannes würdige Bildung. Sie umfaßte: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Geometrie, Arithmetik, Astronomie und Musik. Dieser Kanon diente bis in unser Jahrhundert als Gradmesser für eine gute Allgemeinbildung.
Die Römer übernahmen dieses Schulsystem fast unverändert. Es ist jedoch ihre Leistung, es über das gesamte Abendland und den Vorderen Orient zu verbreiten. Schulen hat es in allen römischen Provinzen gegeben. Bei archäologischen Ausgrabungen sind selbst in kleineren Siedlungen Schreibgeräte, Wachstäfelchen und Griffel gefunden worden. Mit dem Untergang des römischen Reiches ging nördlich der Alpen leider auch das blühende Schulsystem der Römer verloren. "Dabei trat an die Stelle der römischen Stadt- und Schriftkultur die agrarisch-dörfliche Kultur der Germanen, die keine Schrift in unserem Sinne kannte und brauchte und sich allenfalls schriftähnlicher Zeichen in Form von Runen zu magisch-kultischen Zwecken bediente. Was man für sein Leben lernen mußte, lehrte der Alltag." (Schiffler/Winkler: Tausend Jahre Schule.) Dies änderte sich erst allmählich mit der Christianisierung der germanisch-heidnischen Bevölkerung ab dem 6. Jahrhundert. Von da an übernahm die Kirche für eine geraume Zeit die Aufgabe der Bildung - zunächst jedoch im Wesentlichen für sich selbst, für die Angehörigen des Klerus.
© Text: Monika Buscher
