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Hintergrundwissen

Geschichte

Feuer

vor 1,5 Mio Jahren: älteste Spur eines menschlichen Essers: ein abgegessener Antilopenknochen aus Kenia mit Schneidespuren, Jäger und Sammler mit umfangreicher Nahrungspalette; seit 0,5 Mio. Jahren: Feuer nutzbar gemacht, Spuren in China und Frankreich, Nahrungsverbesserung und Konservierung durch Räuchern und Trocknen möglich, vermutlich schon einfaches Kochen in Erdöfen und Erdgruben (Steine werden erhitzt zwischen die eingewickelten Speisen gelegt).

Getreidezubereitung

vor 17 000 Jahren: frühe Funde landwirtschaftlichen Erntegeräts und Grabstöcken in Ägypten, Anzeichen von Vorratslagerung und Seßhaftigkeit

ab ca. 7000 v. Chr.: Anbau von Getreide und Tierhaltung neben weiterer Sammeltätigkeit im Nahen Osten (Weizen), in Indien, China, Südostasien (Reis) und Mittelamerika (Kartoffel, Mais, Hirse); durch "Grundnahrungsmittel" wird größere Siedlungsdichte ermöglicht, aber Vielfalt schrumpft, Fleisch wird privilegiert für Führungsschicht, Getreide meist als Brei gegessen

6500 v. Chr.: erste Funde eines Eintopfs aus Getreide, Hülsenfrüchten und Fleisch (Iran), neben Brei wichtigste Hauptspeise der armen Schichten in der ganzen Welt, bei Ägyptern, Römern und Germanen mit Gewürzen verfeinert

Brot

5000 v. Chr.: in Ägypten wurde aus dem auf Steinen gebackenen Getreidebrei erstmals Fladenbrot (in Europa um 3000 v. Chr.)

4000 v. Chr.: aus Resten des Fladenbrots entwickeln Ägypter Sauerteig und mit Wasser angesetzt Bier (Bierhefe ca. 1500 v. Chr. nachweisbar); um 3500 v. Chr. wurden in Großbäckereien ca. 30 verschiedene Brotsorten hergestellt, die mit großen Back- öfen ausgestattet waren

500 v. Chr.: Griechen sind noch größere Brotliebhaber, die Brei-essenden Römer lassen Griechen backen und verbreiten später Backkunst in ganz Europa; aber: Getreidebrei aus Roggen, Gerste, Hafer, Buchweizen bleibt für Großteil Hauptspeise, teures weißes Weizenbrot essen bis ins 17. Jhd. nur 4% der Bevölkerung, der Rest braunes und schwarzes Mischbrot -18. Jhd.: Kartoffel und Brot lösen Getreidebrei und Eintöpfe als Hauptnahrung ab, aber das reine weiße Brot im 19. Jhd. (dank neuer Mahltechnik billiger) führt in ärmeren Schichten zu Mangelerkrankungen; dasselbe droht die Prestigenahrung Weißbrot nun auch in außer- europäischen Ländern anzurichten

Gewürzhandel

4000 v. Chr.: Indien und Ceylon als Gewürzzentren und -lieferanten in Nahen Osten (v.a. Pfeffer, Nelken, Kardamon, Zimt und Safran), wird zur wichtigsten Handelsware nach Europa über Bagdad, Konstantinopel, Alexandria

3000 v. Chr.: Salz nachweislich abgebaut (Salzbergwerk) oder gewonnen aus Salzwasser oder ausgelaugtem Sand, wichtig zum Würzen und Haltbarmachen von Fisch, Fleisch, Käse und Butter

16. Jhd.: Holländer bemächtigen sich der Gewürzinseln im indonesischen Archipel (Nelken- und Muskatproduktion)

15. Jhd.: auf der Suche nach dem direkten Weg zu den Gewürzen in Indien findet Kolumbus die Neue Welt, Vasco da Gama entdeckt aber dann doch die indische Gewürzküste, geht brutal gegen arabische Händler vor; in Europa war vom Mittelalter bis ins 18. Jhd. ein gewaltiger Gewürzverbrauch, in Frankreich ab 16. Jhd. zuerst Abscheu vor Überwürzung

Wein

3000 v. Chr.: von Ägyptern bei religiösen Anlässen benutzt

1. Jhd. n. Chr.: Ausweitung der Weinwirtschaft in Europa durch Römer, von der christlichen Kirche (in Meßwein-Qualität) weiterbetrieben

Technik

2000 v. Chr.: im Nahen Osten ist die Verarbeitung der Lebensmittel hochentwickelt: Trocknen, Räuchern, Salzen, Zuckern (Zuckerrohr von Persern aus Südostasien geholt)

1100 v. Chr.: Chinesen nutzen gefrorene Flüsse und Schnee zur Kühlung, später auch Griechen, Römer, Inder und Araber für ihre Getränke

500 v. Chr.: Kelten erfinden Instantsuppe: getrocknetes, zerstoßenes und gewürztes Fleisch wird wieder aufgebrüht

200 v. Chr.: in China wird an gemauerten Herden mit Schornstein gekocht, aber erst seit 7./8. Jhd. gibt es den Wok

10. Jhd.: Rußland kocht auf gemauerten Herden, in Europa erst im 13. Jhd. verbreitet; bis dahin wird über einem offenen Feuer mit hängendem Kessel und Grillspießen gekocht

19. Jhd.: technische Neuerungen bringen bessere Möglichkeiten der Vorratshaltung: Fleischextraktierung, Pasteurisierung, Dosenkonservierung und Kühlung

Kochkunst

300 n. Chr.: ältestes überliefertes Kochbuch des Römers Apicius

19./20. Jhd.: Starköche wie Careme, Dubois, Escoffier und Bocuse prägen nachhaltig das, was unter einer gesunden, verfeinerten und schmackhaften Küche im Abendland anerkannt ist. Aber: Die Entwicklung von 1,5 Mio. Jahren menschlicher Eß- kultur ist ohne den Austausch von Techniken, von Lebensmitteln, von Erfahrungen und Geschmacksrichtungen mit dem Nahen und Fernen Osten und ohne die Ausbeutung der europäischen Kolonien nicht denkbar.