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"Das Sterben war (früher) eine bewußte, vom Sterbenden eingeleitete öffentliche Zeremonie, die letzte und feierlichste seines - Lebens, und ihr Verlauf wurde vom Sterbenden selbst wesentlich mitbestimmt. Wenn er den vorgeschriebenen Ablauf nicht achtete oder verfälschte, war es Aufgabe der Anwesenden, des Priesters oder des Arztes, ihn an die christliche Ordnung zu ermahnen. (...)
Das Haus wurde, sobald jemand im Sterben lag, geschlossen. Es wurden Kerzen angezündet. Die Verwandten und Priester wurden herbeigerufen. Nicht nur die Familie und die nächsten Angehörigen, sondern auch das Hausgesinde, die Freunde, die Nachbarn versammelten sich um das Sterbebett, wobei Wert darauf gelegt wurde, daß auch die Kinder zugegen waren. Beim Schlag der Zügenglocke begab sich jeder, der die Möglichkeit hatte, zur Gebetsgemeinschaft in das Haus des Sterbenden. Schließlich kamen auch Fremde, die dem Priester auf seinem Gang zum Sterbenden begegneten und ihm folgten. Das Zimmer des Sterbenden wandelte sich zum öffentlichen Raum. Der Kontakt mit dem Sterbenden wurde bis zu seinem letzten Atemzug aufrechterhalten.
Der Sterbende lag auf dem Rücken ausgestreckt, damit das Auge dem Himmel zugewandt war, und nahm der Reihe nach Abschied von seinen Angehörigen und Verwandten. (....)
Dann empfing er die Sterbesakramente. (...) Die drei Sterbesakramente, deren Empfang auf älteren Todesanzeigen und Sterbebildern vermerkt ist, umfaßten Generalbeichte, Kommunion und Letzte Ölung. (...)
Das hervorstechendste Merkmal des Sterbevorgangs war die Einfachheit und Selbstverständlichkeit, mit der er geschah, ohne dramatischen Charakter, ohne exessive emotionale Regung, sondern auf zeremonielle Weise, eingebunden in die Gemeinschaft und ohne Furcht. Die Vertrautheit mit dem Tod als Teil des Daseins beruhte auf der Anerkennung der natürlichen Ordnung. Der Mensch verstand seinen Tod als Etappe auf dem Weg zum ewigen Leben.
© Text: Monika Buscher
