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Was sind wir Menschen doch!
Ein Wohnhaus grimmiger Schmerzen.
Ein Ball des falschen Glücks,
ein Irrlicht dieser Zeit.
Ein Schauplatz herber Angst,
besetzt mit scharfem Leid,
Ein bald verschmelzter Schnee
und abgebrannte Kerzen.
Das Leben fleucht davon
wie ein Geschwätz und Scherzen.
Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes Kleid
Und in das Totenbuch der großen Sterblichkeit
Längst eingeschrieben sind,
sind uns aus Sinn und Herzen.
Gleich wie ein eitel Traum leicht
aus der Acht hinfällt
Und wie ein Strom verscheußt,
den keine Macht aufhält,
So muß auch unser Nam, Lob, Ehr
und Ruhm verschwinden.
Was ist und Atem holt,
muß mit der Luft entfliehn,
Was nach uns kommen wird,
wird uns ins Grab nachziehn.
Was sag ich? Wir vergehn,
wie Rauch von starken Winden.
Andreas Gryphius
1616-1664
Requiem
Bei der Abensonne Wandern,
Wann ein Dorf den Strahl verlor,
Klagt sein Dunkeln es den andern
Mit vertrauten Tönen vor.
Noch ein Glöcklein hat geschwiegen
Auf der Höhe bis zuletzt.
Nun beginnt es sich zu wiegen,
Horch, mein Kilchberg läutet jetzt!
Conrad Ferdinand Meyer
1825-1898
Der Tod
Ach, es ist so dunkel in des Todes Kammer,
Tönt so traurig, wenn er sich bewegt
Und nun aufhebt seinen schweren Hammer
Und die Stunde schlägt.
Matthias Claudius
1740-1815
Reklame
Wohin aber gehen wir
ohne sorge sei ohne sorge
wenn es dunkel und wenn es kalt wird
sei ohne sorge
aber
mit Musik
was sollen wir tun
heiter und mit Musik
und denken
heiter
angesichts eines Endes
mit Musik
und wohin tragen wir
am besten
unsere Fragen und den Schauer aller Jahre
in die Traumwäscherei ohne sorge sei ohne sorge
was aber geschieht
am besten
wenn Totenstille
eintritt
Ingeborg Bachmann
1926-1973
© Text: Monika Buscher
