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Hintergrundwissen

Andere Länder...

Was als gutes Benehmen bei Tisch betrachtet wird, ist stark auch von kulturellen und religiösen Konventionen abhängig. So gilt es seit 500 v. Chr. in China als höchste Tugend, beim Essen und Trinken Maß zu halten und sich bescheiden zu benehmen. Dazu gehört bis heute, daß man mit offenem Mund kaut. Die benachbarten Mongolen dagegen liebten unmäßiges und prassendes Verhalten. Wie im heutigen Europa saß bei den Mongolen der Ehrengast rechts vom Gastgeber, während er in China so plaziert wurde, daß er nach Osten blickte. Anstandsregeln sind auch Teil der kulturellen Identität, und nicht selten wurden beherrschte Kulturen zur Übernahme fremder Gebräuche gezwungen. Wenn aber Angehörige verschiedener Kulturen sich an der Tafel zu einem gleichberechtigten Dialog treffen, wird es schwierig, sich auf der Ebene der Etikette zu verständigen. Erscheinen dem einen seine Sitten selbstverständlich und notwendig, so sind sie oft für den anderen undurchschaubar, müssen jedoch respektiert werden. In Tibet kam es nach dem Zweiten Weltkrieg zu bitteren Mißverständnissen zwischen tibetischen und westlichen Politikern, als die europäischen Kellner das dargebotene und abgelehnte Mahl wieder hinaustrugen: aus Höflichkeit muß ein Gast in Tibet mehrmals ablehnen, bevor er essen darf, und der Gastgeber bietet mehrmals an.

  • Ahnenmahl auf den Salomon-Inseln - 1932
  • Mangrovenwürmer - Dhabila - Australien

In vielen außereuropäischen Ländern besteht bis heute die Pflicht, mit jedem Gast, und kommt er noch so oft, alle Speisen zu teilen und ihn freundschaftlich zu bewirten. Allein und im Verborgenen zu essen ist meist ein Privileg der Herrschenden. Im Gegensatz zu Mitteleuropa, wo Individualismus und die autonome Kleinfamilie sich durchgesetzt haben, droht bei Nichterfüllung dieses Gastrechts soziale Ächtung und Isolation. Auch die Art und Weise, wie das Essen den Weg von Teller oder Schale zum Mund findet, ist anderswo mit strengen Regeln belegt. Seit dem II. Jhd. v. Chr. wird in China mit Stäbchen gegessen, von dort gelangte diese für ölige Speisen und konzentrierten Geschmack ideale Eßweise nach Korea und Vietnam, im 6. Jhd. n. Chr. auch nach Japan. Bis heute hat in China jeder nur eine Reisschale und nimmt sich Stücke vom Fleisch und Gemüse mit den Stäbchen aus den gemeinsamen Schüsseln, während in Japan jeder ein Set an kleinen Schalen mit den verschiedenen Speisen bekommt. In Japan hockt man gemeinsam an einem niederen Tisch, und Körperhaltung, Handbewegung, Kleidung und Konversation unterliegen komplizierten Bestimmungen. In den meisten nichteuropäischen Ländern wird heute noch vor allem mit den Händen gegessen, wobei Löffel und Messer als Hilfsgerät bereit liegen (wie in Europa auf dem Land bis ins letzte Jahrhundert). Ein gekonnter Esser berührt die Speise lediglich mit den Fingerspitzen der rechten Hand, und auf Reinlichkeit wird großer Wert gelegt.

  • Chinesen beim Essen - Studiofotografie um 1900
  • Straßenverkäufer beim Essen, um 1900
  • Zwei Japanerinnen beim Mahl - vor 1886