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Mit der wachsenden Verbreitung des Christentums wuchs die Kritik und das Mißtrauen gegenüber der Betonung körperlicher Schönheit.
Bewußte Schönheitspflege bekam zunehmend einen sündhaften Charakter.
Auch in der Kunst wurde der weibliche Körper nicht mehr betont und gefeiert, die Darstellungen werden androgyner. Manchmal läßt sich nicht einmal eine klare Geschlechtsunterscheidung treffen. Männer und Frauen tragen die gleichen langen Gewänder. Die weiblichen Körper erscheinen schlank, nirgendwo zeigen sich üppige Formen, die Busen sind klein und unauffällig. Im Einklang mit den herrschenden theologischen Strömungen wird im christlichen Hochmittelalter der weibliche Körper als unvollkommenes Abbild des Mannes dargestellt.
"Der weibliche Körper ist also eine Abwandlung des männlichen, dessen unvollkommenes, unvollendetes, unzulängliches Doppel. Die Proportionen der Frau sind weniger harmonisch, ihre Statur ist kleiner, ihre Konstitution schwächer, ihr Gehirn weniger entwickelt. (...) Um 1435 erklärt Cennino Cennini, Maler und Pädagoge, in seinem berühmten "Libro dellàrte", für einen Künstler sei es unnötig, die richtigen Proportionen des weibliches Körpers zu studieren, denn es gäbe keine (Kapitel LXX)." (Zitiert nach: Lessing, Sollers, 1994, S.214)
Die Frau galt als körperlich und geistig schwaches Wesen, als stärker zur Sünde neigend als der Mann. Eva, die Frau, die für die Vertreibung aus dem Paradies verantwortlich gemacht wird, gilt als der beste Beleg für diese Thesen. Sie wird in der Malerei jahrhundertelang als Sünderin gezeigt. Ihre Schönheit ist teuflisch, durch ihren Zauber reißt sie den Mann in den Abgrund. Dieses Bild Evas und die Verbindung von weiblicher Schönheit mit moralischer Gefahr und Sünde prägt nicht nur die mittelalterliche Kunst, sondern hat auch weitreichende Auswirkungen auf das Schicksal der Frau in den weiteren christlichen Jahrhunderten. Sie bleibt minderwertig gegenüber dem Mann, ist ihm aber gleichzeitig Gefahr und Verkörperung der Erbsünde. Sie muß sich und ihre Schönheit verbergen, die Welt dem Mann überlassen.
Der Heilige Odo, der zweite Abt von Cluny schreibt im 10. Jahrhundert: "Die Schönheit ihres Körpers liegt allein in ihrer Haut. Könnten wir sehen, was sich darunter befindet, wäre uns schon der Anblick der Frauen zuwider. Denkt an das was sich in ihren Nasenlöchern befindet, in ihrem Rachen, im Inneren ihres Bauches: überall nur Fäulnis. Und wir, die wir uns ekeln, wenn wir mit den Fingerspitzen auch nur den kleinsten Schmutz berühren, wie könnten wir uns wünschen, diese Säcke voller Exkremente in den Armen zu halten?" (Zitiert nach: Lessing, Sollers, 1994, S.219)
© Text: Ulla Rehbein
