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Je stärker die Stellung des königlichen Hofes wurde, desto intensiver begann sich dort eine eigene Hofetikette zu entwickeln, die für den höheren Adel zum Verhaltens- und Kleidungsmaßstab wurde. Im Mittelpunkt stand der König, der Grad der Verwandtschaft zum Königshaus bestimmte den Rang und damit die Art der Kleidung in der höfischen Gesellschaft. Die Etikette bestimmte, wer Gold, Samt und Seide tragen durfte und wem Hermelin und Zobel zustanden. Das strenge Zeremoniell legte fest, welche Farben und Formen getragen werden durften.
Mode bedeutete in erster Linie die Art von Kleidung, die am Hofe getragen wurde. So verbreitete sich die Mode des spanischen Hofes im 16. Jahrhundert in ganz Europa: dunkle Farben und starre, spanische Kleider, deren Form einem umgedrehten Kegel entsprachen. Besonders der Reifrock und die spanische Halskrause, die auf jedem Porträt dieser Zeit zu finden ist, unterstützten den Eindruck, dass sich der Körper aus Dreiecken zusammenfügte. In den Städten und beim Bürgertum ahmte man die höfische Kleidung nach. So wünscht sich in "Don Quichotte" die Frau des Sancho Pansa nichts so sehr, wie einen "runden Reifrock, recht und gerecht, nach der Mode und so schön man ihn nur haben kann."
Unter der Herrschaft von Ludwig XIV errang Frankreich die politische und kulturelle Führung in Europa und löste auch auf dem Gebiet der Mode den spanischen Einfluss sehr schnell ab. Bald folgte ganz Europa dem Modediktat des französischen Hofes. Die düsteren, strengen spanischen Gewänder verschwanden und wurden von üppigen, verspielten Kleidern abgelöst. Männer und Frauen glichen einem
"Kramladen, so mit mancherley farben von Nesteln, Bändern, Zweifelstricken, Schlüpffen...sind sie an Haut und Haaren, an Hosen und Wambs...behencket, beschlencket, beknöpfet und beladen.", (Thiel, 1989, S. 228)
So spottet eine zeitgenössische Schrift. Die wohl charakteristischste Erfindung der französischen Mode war die Perücke, so dass die Zeit des Sonnenkönigs auch manchmal das Zeitalter der Perücke genannt wird. Bei den Kleidern betrieb man bewusst einen enormen Luxus. Am Hof durften nur Samt-, Seide- und Brokatstoffe getragen werden, die mit Gold, Silber und Edelsteinen üppig geschmückt wurden und in leuchtenden Farben glänzten.
Die Frauen schnürten sich die Taillen mit einem Korsett und betonten mit Mieder und großen Dekolletees ihren Busen. In einer Zeit, in der die Liebe eine so angesehene Rolle spielte, mochte man nicht mit erotischen Reizen sparen. Die Verhüllung des Busens überließ man den Bürgersfrauen und ihrer bürgerlichen Moral.
© Text: Ulla Rehbein
